Jazz steht in Esslingen seit den 50er-Jahren hoch im Kurs. Mit Maximilian Merkles internationalem Jazzfestival gibt es 2015 ein hochkarätiges Szene-Event. Die Planung war in Zeiten von Corona nicht einfach, doch das Programm verspricht erneut hohe Qualität.
Esslingen ist eine Stadt mit einer langen Jazz-Tradition. Schon in den 50er- und 60er-Jahren waren internationale Stars im Jazzkeller in der Webergasse zu Gast, bis heute hört man dort namhafte Vertreter dieses Genres. Große Namen aus den Jazz-Metropolen geben sich gerne auch in der Dieselstraße die Ehre, und wer die Vielfalt der regionalen Szene live erleben möchte, ist bei den Open-Air-Konzerten am Dulkhäusle richtig. Seit 2015 gibt es im Herbst Maximilian Merkles internationales Jazzfestival, das zur festen Größe geworden ist. So soll das auch in diesem Jahr sein, wenn das Jazzfestival vom 1. bis zum 22. Oktober über die Bühne geht. „Wegen Corona war die Programmplanung nicht ganz einfach“, verrät Merkle. „Aber am Ende ist es eine runde Sache geworden.“
Hohe Qualität, stabile Preise
Es ist eine Herausforderung, in Zeiten einer Pandemie ein Festival auf die Beine zu stellen: Wer international gefragte Stars engagieren möchte, braucht einigen Vorlauf. Die langfristige Planung wird jedoch erschwert, weil keiner so recht weiß, was Corona bis zum Herbst noch bringen wird. Und auch das Publikumsverhalten ist nicht ganz einfach zu kalkulieren, zumal viele angesichts steigender Preise in allen Bereichen mehr als früher auf ihren Geldbeutel achten müssen. Maximilian Merkle setzt auf stabile Eintrittspreise – 38 Euro im Vorverkauf (ermäßigt 20 Euro) sind fast durchweg das Maß der Dinge. Und er setzt auf musikalische Qualität. Deshalb darf sich das Publikum auf eine illustre Gästeliste einstellen, die einmal mehr Merkles Handschrift trägt: Jazz ist seine Leidenschaft, durch seinen Beruf im Musikmanagement verfügt er über die nötigen Kontakte in der Branche. Und weil es sich unter Musikerinnen und Musikern herumgesprochen hat, dass das Festival wohl organisiert ist und mit einem ebenso anspruchsvollen wie fachkundigen Publikum aufwartet, rennt Merkle auch bei den Größen der Szene offene Türen ein.
Zum Auftakt des kommenden Festivals sind am 1. Oktober mit dem Saxofonisten Sandi Kuhn und dem Pianisten Volker Engelberth zunächst zwei baden-württembergische Jazzpreisträger zu hören, die zusammen mit dem Bassisten Jens Loh und dem Schlagzeuger Daniel Mudrack auf der Bühne stehen. Für den zweiten Teil des Abends hat sich ein New Yorker Quartett um die Schlagzeuger-Legende Billy Hart angesagt, dessen musikalische Finesse auch Jazz-Größen wie Wayne Shorter und Miles Davis zu schätzen wussten. In Esslingen ist er zusammen mit dem Pianisten Ethan Iverson, dem Saxofonisten Mark Turner und dem Bassisten Ben Street zu hören – Musiker, die zur Elite der New Yorker Jazzszene gehören.
Piano im Fokus
Das zweite Festival-Wochenende steht dann ganz im Zeichen des Klaviers: Vijay Iyer, der erst kürzlich von der Jazz Journalists Association zum Pianisten des Jahres gewählt wurde, wird am 7. Oktober in der Esslinger Stadtkirche St. Dionys auftreten. Tags darauf erklingen kubanische Rhythmen in der Stadtkirche, wenn der Pianist Gonzalo Rubalcaba und die Sängerin Aymée Nuviola als kongeniales Duo zu erleben sind.
Enrico Pieranunzi eröffnet am 13. Oktober das dritte Festival-Wochenende. Der Pianist hat sich im Jazzkeller bereits einen Namen gemacht – zuletzt mit seinem Quartett. Diesmal beweist er seine Klasse als Solist. Mit Katherine Zyabluk präsentiert Maximilian Merkle am 14. Oktober in der Württembergischen Landesbühne zunächst eine junge Pianistin, deren Eigenkompositionen sich zwischen Debussy und Monk bewegen. Seit Beginn des Krieges adaptiert sie verstärkt ukrainische Volkslieder. Im zweiten Teil des Abends verbindet das Quarteto Afro-Cubano des kubanischen Pianisten Omar Sosa klassische kubanische Musikstile wie Danzon und Cha-Cha-Cha mit Traditionen afrikanischer Musik. Am 15. Oktober verspricht der südafrikanische Pianist Abdullah Ibrahim in der Stadtkirche St. Dionys einen stimmungsvollen Abend. Zu Ende geht das dritte Festival-Wochenende am 16. Oktober mit dem tunesischen Oudspieler Dhafer Youssef und seinem Trio, das sein Projekt „Sounds of Mirrors“ ins Neckar Forum mitbringt.
Vielfalt ist Trumpf
Zum Abschluss des Jazzfestivals präsentiert die französische Sängerin Leïla Martial am 22. Oktober mit ihrem Trio „BAA BOX“ im Kulturzentrum Dieselstraße eine charmante und komödiantische Performance, die einmal mehr beweisen soll, wie abwechslungsreich und immer wieder überraschend der zeitgenössische Jazz doch sein kann.
Infos zum Jazzfestival Esslingen
Der Initiator
Maximilian Merkle ist in Esslingen aufgewachsen und lebt mittlerweile in Berlin, wo er als Jurist im Musikmanagement arbeitet. Dennoch war es für ihn klar, dass er sein Festival in seiner Heimatstadt aus der Taufe heben will. „Ich bin Esslinger, und ich fühle mich der Stadt, ihrem Publikum und ihrer Jazzszene verbunden.“
Das Festival
Merkle hat das Jazzfestival Esslingen 2015 auf den Weg gebracht, um der Jazzstadt Esslingen und ihrer langen Tradition die Ehre zu erweisen. Mit dem Bassisten und Komponisten Eberhard Weber war von Anfang an ein Weltklasse-Musiker an Bord, der als Schirmherr für den hohen musikalischen Anspruch der Veranstaltung steht.
Die Tickets
Eintrittskarten gibt es unter www.jazzfestival-esslingen.de/tickets-vvk/ im Vorverkauf.