Die einjährige Testphase ist bald beendet, ob die Ritterstraße in der Esslinger City dann weiterhin eine Fußgängerzone bleibt, entscheidet der Gemeinderat im März. Die Rathausspitze ist dafür. Doch bei den Einzelhändlern gehen die Meinungen auseinander.
Esslingen - Die Ritterstraße soll keine abweisende Festung werden – im Gegenteil. Vor einem Jahr wurde die wichtige Innenstadtachse mit Amtsgericht, Württembergischer Landesbühne, Technischem Rathaus und vielen Einzelhandelsgeschäften zunächst für eine Erprobungs- und Übergangsphase in eine Fußgängerzone umgewandelt. Bei Geschäftsleuten, Anwohnern, Einzelhändlern und Autofahrern stieß das Durchfahrtsverbot auf Kritik, auch die Aufenthaltsqualität wurde bemängelt, eine optische Aufwertung angemahnt. Über die Zukunft der Ritterstraße werde der Gemeinderat nun im März entscheiden, kündigte die Stadtverwaltung an.
Arbeit an Abschlussbericht
Fußgängerzone oder nicht Fußgängerzone – das ist mit Blick auf die Ritterstraße die entscheidende Frage. Die Rathausspitze bezieht klar Position: „Ziel der Verwaltung ist es, einen Beschluss zur dauerhaften Einrichtung der Ritterstraße als Fußgängerzone herbeizuführen“, sagt die Leiterin des Oberbürgermeisterbüros, Nicole Amolsch. Ein Abschlussbericht, in dem „Aussagen zu den Ergebnissen und Erfahrungen der bisher durchgeführten Maßnahmen“ festgehalten werden sollen, werde derzeit erstellt. Im Herbst des vergangenen Jahres seien umfassende Befragungen und Untersuchungen durchgeführt worden: „Dabei ging es – neben der verkehrlichen Situation – auch um die Akzeptanz der neuen Fußgängerzone bei den Händlern, Bewohnern und Besuchern, um ein ganzheitliches Meinungsbild zu der städtebaulichen und verkehrlichen Situation in der östlichen Altstadt zu bekommen.“ Ein ausführlicher Bericht über die Ergebnisse werde dem Ausschuss für Technik und Umwelt des Gemeinderats im Frühjahr vorgelegt. „Es ist vorgesehen, auch 2022 und in den Folgejahren die temporären Aktionen und Aktivitäten in der Ritterstraße fortzuführen und weiter auszubauen, um die Zeit bis zu einer finalen Umgestaltung der Ritterstraße zu überbrücken – vorausgesetzt, der Ausschuss stimmt der dauerhaften Einrichtung der Fußgängerzone zu“, so Amolsch. Kritik war auch an den versenkbaren Poller auf Höhe des Technischen Rathaus geübt worden. Es habe in den ersten Wochen Anlaufschwierigkeiten gegeben, räumt Amolsch ein. Doch inzwischen funktionierten die Durchfahrbarrieren weitgehend zuverlässig. „Ab und zu treten noch Probleme mit der automatischen Kennzeichenerfassung auf, und es muss dann manuell nachgesteuert werden.“ Die Poller seien aber aus Gründen des Terrorschutzes und wegen der Uneinsichtigkeit einiger Verkehrsteilnehmer alternativlos. Erst durch den Einbau der Poller sei es gelungen, die Autofahrer von einer Einfahrt in die Ritterstraße abzuhalten. „Allein das Aufstellen von Schildern, verbunden mit sporadischen Kontrollen, war nicht zielführend“, so Amolsch.
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Bei den Einzelhändlern stoßen die Überlegungen der Stadt für die Ritterstraße auf ein geteiltes Echo. Laut Alexander Kögel, Modehändler und Vorsitzender der City-Initiative, nehmen seine Kollegen in der Altstadt unterschiedliche Standpunkte zu der Fußgängerzone ein: „Die Händler aus der Küferstraße erleben die ,autofreie Zone’ als sehr positiv.“ Die Geschäftsleute aus der Ritterstraße, rund um den Postmichelbrunnen und am Hafenmarkt hätten hingegen eine andere Position. Sie könnten der Testphase nichts Positives abgewinnen. Ein Stein des Anstoßes bleibt die optische Ausgestaltung der Straße: „Konsens ist, dass deutlich mehr versprochen als umgesetzt wurde. Es fehlt nach wie vor ein konkreter Zeit- und Kostenplan für die Neugestaltung des Stadteingangs Ritterstraße und der Ritterstraße selbst“, sagt Kögel. Die Händler würden zudem Plätze vermissen, die zum Verweilen einladen. Erwünscht seien grüne Oasen, eine gastronomische Außenbestuhlung und eine bessere „Bespielung“.
Die Stadtverwaltung verweist dagegen auf ihre Bemühungen, die Ritterstraße zu verschönern. Bunte Kunststoffsessel und das Grünprojekt „Stadtoase“ seien als vorübergehende Maßnahmen der Einstig in weitere Veränderungen gewesen. Die Pläne eines Anfang 2021 beauftragen Landschaftsarchitekturbüros seien im Oktober in einer Planungswerkstatt vorgestellt worden, bei der die Teilnehmenden ihre Wünsche äußern konnten. An der „Aufhübschung“ der Straße werde weiter gearbeitet: „Nachdem die Ritterstraße außerhalb der Lieferzeiten deutlich vom motorisierten Individualverkehr entlastet ist, soll nun der Fokus verstärkt auf ihren künftigen Charakter als Fußgängerzone gelegt und aufgezeigt werden, wie die Aufenthalts- und Erlebnisqualität verbessert und der Fuß- und Radverkehr gestärkt werden kann“, so Amolsch.
Die Ritterstraße als Fußgängerzone
Die Vorgeschichte
Die Ritterstraße wurde Anfang Februar 2021 vorübergehend als Fußgängerzone ausgewiesen. Ein Grund für die Probephase war auch, dass die Fraktionen von SPD und Freien Wählern im Gemeinderat ihre Zustimmung zur dauerhaften Einrichtung an eine bauliche Umgestaltung geknüpft haben.
Die Gründe
Als Gründe für die gewünschte Umwandlung der Ritterstraße in eine Fußgängerzone nannte die Stadtverwaltung eine Verringerung des Parksuchverkehrs und der Verkehrsbelastung in der östlichen City sowie eine Steigerung der Aufenthaltsqualität und der Attraktivität der wichtigen Einkaufsstraße.
Die Poller
Als unterstützende Maßnahme wurden auf der Höhe des Technischen Rathauses versenkbare Poller eingebaut. Sie sollen nach Angaben der Stadt der Verhinderung von Terroranschlägen dienen. Zudem sollen sie eine verkehrslenkende Funktion haben und eine Einfahrt außerhalb der Lieferzeiten verhindern.