Die Geigerin Sabine Brodbeck lebt in Esslingen und unterrichtet an der Jugendmusikschule in Aichwald. Den Weg zu ihrem Instrument ist sie konsequent gegangen, der Geigensolist Carlo Chirappa hat sie geprägt. Nun will sie ihre Begeisterung an den Nachwuchs weitergeben.
Esslingen - Sabine Brodbeck ist in der regionalen Musikszene eine gefragte Geigerin. Und sie weiß: „Auf der Barockgeige mit ihrem gegenüber der modernen Violine kürzeren Bogen sind die virtuosen Passagen Alter Musik wesentlich einfacher zu spielen.“ Die Musikerin wohnt in Esslingen-Zell und unterrichtet an der Jugendmusikschule Aichwald. Kürzlich konnte man sie in einem Meisterkonzert in der Kirchheimer Stadthalle hören. Begleitet vom Orchester Concerto imperiale, das auf Alte Musik spezialisiert ist, spielte die Geigerin dort zusammen mit ihrem Mann Tilman Aupperle den Solopart in einem Doppelkonzert des italienischen Barockmeisters Antonio Vivaldi.
Der Opa öffnete ihr die Tür zur klassischen Musik
Schon früh kam Sabine Brodbeck in Kontakt mit der Musik. Im Elternhaus sei viel gesungen worden, und durch das Hören unterschiedlichster Tonaufnahmen habe sie klassische Musik aller Genres kennengelernt. Besonders gerne hat sie bereits in jungen Jahren Musik von Johann Sebastian Bach gehört – sehr zur Freude ihres Großvaters, wie Sabine Brodbeck verrät: „Mein Opa, ein Bäckermeister, hatte in seinem Schallplattenschrank sämtliche Aufnahmen des renommierten Stuttgarter Dirigenten und Bach-Experten Helmuth Rilling.“
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Ein Schlüsselerlebnis hatte Sabine Brodbeck im Alter von sieben Jahren, als sie in einem Konzert des Plochinger Kammerorchesters ein Mozart-Violinkonzert hörte. Danach stand für sie fest: „Ich werde Geigerin.“ Doch ihre Mutter, die sich selbst früher auf der Violine versucht hatte, riet ihr erst einmal ab: „Das Instrument ist viel zu schwer zu erlernen.“ Enttäuscht wandte sich Sabine Brodbeck deshalb erst einmal der Blockflöte zu und lernte später Klavier. Doch ihre heimliche Liebe blieb die Geige. Deshalb war die Freude groß, als ihr Traum doch noch in Erfüllung ging und sie nach der Grundschule an der Musikschule Plochingen mit dem Geigenspiel anfangen durfte.
Die Violine ist ein Teil von ihr
Im Unterricht bei Friedeborg Künstner, mit der sie bis heute befreundet ist, machte sie schnelle Fortschritte. Als Künstner die Musikschule Plochingen verließ, wechselte Sabine Brodbeck zu Friedrich Rüstig, einem früheren Geiger des Radiosinfonieorchesters Stuttgart. Die Begegnung mit ihm hat die damals 16-Jährige vollends bestärkt: „Die Violine war zu einem Teil von mir geworden. Und da ich noch viel lernen wollte, machte ich nach dem Abitur am Plochinger Gymnasium 1989 die Aufnahmeprüfung an der Stuttgarter Musikhochschule.“
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Die talentierte Musikerin wurde aufgenommen und zunächst von Gerhard Voss, ehemals Mitglied im berühmten Melos-Quartett, und später von Christian Sikorski geigerisch weiter geformt. „Nach der Diplomprüfung brauchte ich Luftveränderung“, erinnert sich Sabine Brodbeck. Der weitere Weg führte sie nach Mailand, wo sie beim renommierten Geigensolisten Carlo Chirappa Unterricht nahm. „Carlo war ein Glücksfall für mich“, sagt sie heute rückblickend. Sie schätzt Chirappa als einen außergewöhnlichen Menschen, Musiker und Pädagogen, bei dem die individuelle Persönlichkeit und Ausdruckskraft der Studenten im Focus steht. Er habe stets vor der ganzen Klasse unterrichtet. „So hat jeder von jedem gelernt. Das hat meiner eigenen Unterrichtstätigkeit wesentliche Impulse gegeben“, erzählt Sabine Brodbeck. Nach Privatunterricht und drei Jahren Studium bei Chirappa am Konservatorium in Lugano legte sie die Künstlerische Reifeprüfung ab und wurde Assistentin ihres Professors. Damals sei sie mit der historisch informierten Aufführungspraxis in Berührung gekommen, erzählt sie. Und da Brodbeck noch tiefer in die Materie eintauchen wollte, studierte sie anschließend bei dem Professor Anton Steck an der Musikhochschule Trossingen Barockgeige.
Seit 1999 unterrichtet Brodbeck an der Musikschule Aichwald
Die vielfältigen musikalischen Erfahrungen kommen der Geigerin heute bei ihren zahlreichen Konzertverpflichtungen zugute, aber auch ihre Schülerinnen und Schüler profitieren davon. Seit 1999 unterrichtet sie an der Jugendmusikschule Aichwald. Neben der Violine steht auf der Agenda der Musiklehrerin die musikalische Früherziehung. „Die Arbeit an der Jugendmusikschule macht riesigen Spaß. Wir haben eine dufte Schulleiterin und ein tolles Lehrerkollegium“, sagt Brodbeck begeistert. Sie liebt Kinder und deren Begeisterungsfähigkeit, Ehrlichkeit und Fantasie. Das Credo der Musikpädagogin: „Ich möchte den Schülern eine solide technische Grundlage vermitteln. Ebenso wichtig sind jedoch der persönliche Aspekt und die Motivation. Man muss bei den Eleven die Liebe zur Musik wecken.“
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Bleibt der viel beschäftigten Musikerin neben Beruf und Familie noch Zeit für Hobbys? „Gelegentlich muss ich auch runterkommen“, sagt Sabine Brodbeck schmunzelnd. Entspannung findet sie beim Wandern, und auch das Lesen von Biografien und Romanen sorgt für Entspannung. Ihre Spezialität: „Im Sommer liebe ich es, am Ofen in unserem Garten knusprige Pizza zu backen.“
Alte Musik
Aufführungspraxis
Die „historisch informierte Aufführungspraxis“, die Sabine Brodbeck schätzt, will die Musik vergangener Epochen mit einem authentischen Instrumentarium, historischer Spieltechnik und dem Wissen um die damals üblichen Gestaltungsmittel wiedergeben: Man möchte dem Klangspektrum jener Zeit möglichst nahekommen. Ursprünglich bezog sich der Begriff auf die vor 1800 entstandene Musik. Seit einigen Jahren beschäftigt sich die historische Aufführungspraxis zudem mit der Musik der Romantik und des frühen 20. Jahrhunderts.
Barockvioline
Dieses Instrument ist der Vorläufer der heute gebräuchlichen modernen Violine. Die Blütezeit der Barockvioline war in den Jahren zwischen 1580 und 1800. Das Instrument hat weder Kinnhalter noch Schulterstütze und ist mit Darmsaiten bezogen. Gegenüber dem heute üblichen Kammerton von 440 Hertz wird die Barockvioline tiefer gestimmt. Der Klang des Streichinstruments wird als weich, transparent und silbrig beschrieben.