So sah das Freya-Bad aus. Der Spültisch wurde hochgeklappt, darunter befand sich die Badewanne. Foto: Marion Brucker

Die Esslinger Flaschnerei Frey baute in der Nachkriegszeit eine bahnbrechende Erfindung in unzählige Wohnungen ein: das Küchenbad Freya. Es kombinierte Spültisch und Badewanne.

Ulrich Frey erinnert sich noch ganz genau, wie er das letzte Freya-Bad in der Werkstatt der Firma Frey am Roßmarkt 5-7 in Esslingen Anfang der 1980er Jahre zusammengebaut hat. „Damals war ich ein junger Kerl“, sagt der heute 62-Jährige. Er habe am Ende seiner Schulzeit die Schreinerei ausgeräumt und sei dabei auf die Bauteile gestoßen. Sein Ahne Carl Frey hatte die 1876 gegründete Flaschnerei Anfang der 1930er Jahre durch Kauf eines Schreinerbetriebs erweitert. Er legte damit den Grundstein für zwei Handwerke unter einem Dach und für eine bahnbrechende Erfindung: Ein platzsparendes Küchenbad.

 

Das Sanitärunternehmen hatte bereits 1934 die in den Unterschrank einer Spüle eingebaute Badewanne auf den Markt gebracht. Nach dem Zweiten Weltkrieg boomte die Erfindung wegen des Mangels an Wohnraum. Vor allem die Flüwo, die 1948 gegründete „Gemeinnützige Flüchtlings-Wohnungsbaugenossenschaft Stuttgart eGmbH“, habe es in Esslingen in ihre Wohnungen eingebaut. „Aber auch europaweit erfreute sich das Bad großer Nachfrage“, erklärt Ulrich Frey, der 2022 den Betrieb an die Firma Zeller Gebäudetechnik aus Esslingen-Berkheim verkauft hat. Selbst in einem Freya-Bad gebadet hat er nie.

Nach dem Spülen steigt die Hausfrau in die Badewanne

In mehreren Ausführungen gab es das Küchenbad, je nach Platz in einer Länge von 150 Zentimetern und einer Breite von 74,5 Zentimetern als Sitzbadewanne oder in einer mit 174,5 Zentimetern und 74,5 Zentimetern Breite als normal lange Badewanne. Paul Altenburger, ehemals Prokurist bei Frey und mit dem Verkauf der Firma an Zeller dort in der Geschäftsleitung für Sanitär zuständig, hat einen Werbeprospekt von damals aufgehoben: Vorne zeigt er eine Hausfrau, die am Spültisch steht und gerade mit dem Abwasch fertig ist. Sie öffnet nun die Abtropffläche, klappt sie nach oben und auf dem dritten Foto sitzt sie gut gelaunt in der Badewanne, die sich unter ihrem Spültisch befindet.

Paul Altenburger und Matthias Zeller im Präsentationsraum der Firma Zeller & Frey Foto: Marion Brucker

Als Altenburger 1997 zu Frey kam war die Zeit des Freya-Bades vorbei. Ihm sei es im Original meist beim Rausreißen begegnet. Aber es gab auch Ausnahmen „Ich habe immer wieder ältere Damen gehabt, die gekommen sind, weil der Schlauch vom Spülbecken kaputt war.“ Mitarbeitende der Firma Frey hätten den Schlauch gereinigt und geklebt, die Kundinnen ihn nach ein paar Stunden wieder abgeholt. Irgendwann wurde der zum Reparieren benötigte Gummischlauch nicht mehr produziert.

Heute ist wohl kein Küchenbad mehr in einer Wohnung erhalten

Altenburger ist kein Küchenbad bekannt, das heutzutage noch in einer Wohnung benutzt wird. „Es würde heute keinerlei Kundenansprüchen mehr genügen, da man sich im Prinzip nur baden oder ganz vorsichtig kniend abduschen konnte. Ansonsten stand die ganze Küche unter Wasser“, sagt Altenburger. Und, so glaube er, es möchte auch keine Familie mehr die Küche als Mittelpunkt zum Baden haben.

„Das war wirklich direkt in der Nachkriegszeit, die Notlösung, einfache Wohnungen, wo es kein Bad gab, mit einer Dusche und Bademöglichkeit auszustatten“, meint er. Es sei die große Errungenschaft gewesen, in der Wohnung zu baden. In den 1960er Jahren verschwand das Freya-Bad komplett vom Markt. Es folgte die Phase, in der normale Bäder eingebaut wurden.

Badewannen werden nur noch selten eingebaut

Heutzutage sieht das Baden anders aus. „In 80 bis 90 Prozent der Bäder kommen die Badewannen raus und die Dusche rein“, erklärt Matthias Zeller, Geschäftsführer der Firma Zeller & Frey. Wannen würden nur noch installiert, wenn der Kunde explizit diesen Wunsch äußere und gerne bade, so wie Zellers neun und elf Jahre alten Kinder. Ein ganz großes Argument der Kunden gegen die Badewanne sei die Einstiegshöhe. „Die Leute achten heute viel früher darauf, dass ihr Bad altersgerecht und möglichst barrierefrei ist. Selbst jüngere Menschen. Da reiche ein Kreuzbandriss oder eine Knie-OP und es sei ein riesiges Hindernis, in eine Badewanne zu steigen“, sagt Altenburger.

Deshalb seien Badewannen entweder in klassischen Mietwohnungen zu finden, die an Familien mit Kindern vermietet würden, oder in Bädern, in denen Badewanne und Dusche gleichzeitig passten. Ansonsten seien Badewannen extrem selten geworden.

Duschen ist nicht unbedingt wassersparender als baden

Ums Wasser sparen gehe es beim Einbau einer Dusche nicht. Eine Badewanne benötigt Altenburger zufolge zwischen 120 bis 170 Liter Wasser, beim Duschen würden pro Minute ungefähr zwölf Liter verbraucht. Bei zehn Minuten duschen, ist der Wasserverbrauch gleich. Und dann lachen beide, als Zeller sagt: Früher konnte man schon sparen, wenn man die Kinder hintereinander in einer Wanne badete. Aber die Zeiten sind wie auch die des Freya-Bads vorbei.

Unternehmen mit Tradition

Gründung
August Hermann Frey gründete 1876 das Familienunternehmen am Roßmarkt. Er verlegte Wasserleitungen in Küchen. Von 1890 bis 1909 führte der Bruder des Gründers Gotthilf Frey die Firma weiter. 1909 folgte Carl Frey dem Vater in der zweiten Generation.

Innovation
Anfang der 1930er Jahre übernahm Carl Frey eine Mosterei und Schreinerei. Der Grundstein für das Freya-Bad war gelegt. 1952 führte sein Sohn Gotthilf Frey den väterlichen Betrieb weiter, neun Jahre später Albert R. Frey. Dieser hatte nicht nur von 1945 bis 1947 seine Ausbildung gemacht, sondern ging nach einer verkürzten Lehrzeit in die USA und arbeitete dort als Flaschner, bevor er nach der Meisterprüfung den elterlichen Betrieb übernahm. Damals spezialisierte sich die Firma auf Neubau und Altbausanierung sowie Wartung von Industrieanlagen.

Verkauf
Die letzte Generation war Ulrich Frey. Als jüngstes von vier Kindern trat er in die Fußstapfen seiner Vorfahren und übernahm 1994 die Firma. 2022 verkaufte er sie, nachdem keine seiner vier Töchter sie weiterführen wollte, an die Firma Zeller aus Berkheim. Sie firmiert heute unter dem Namen Zeller & Frey.