Der Malkasten wird von vielen geschätzt. Weil ein Mitbewerber schließt, denken viele irrtümlich, dass auch die Tage des Fachgeschäfts in der Küferstraße gezählt seien.
Seit 1998 empfiehlt sich der Malkasten am Esslinger Wolfstorturm als Fachgeschäft für Kunstprofis, Hobbykünstler, Kreativbegeisterte, Schüler und Studenten. Viele wissen nicht nur das reichhaltige Angebot zu schätzen, sondern auch den fachkundigen und freundlichen Service, der für Inhaberin Claudia Nerger zum Geschäftsprinzip gehört. Doch neuerdings plagen das Malkasten-Team Sorgen. Seit die Nachricht die Runde gemacht hat, dass die Bastelecke am Schelztorturm demnächst schließen wird, sind manche Malkasten-Kunden verunsichert: „Immer wieder kommen Menschen vorbei und wollen sich von uns verabschieden, weil sie glauben, dass wir gemeint wären“, erzählt Claudia Nerger. „Dabei kann bei uns von Schließung überhaupt keine Rede sein. Wir wollen noch lange für unsere Kundschaft da sein.“
Als sich der erste Stammkunde bedauernd bei Claudia Nerger verabschieden wollte, dachte die Malkasten-Chefin noch an ein harmloses Missverständnis: „Was in der Zeitung über die Schließung der Bastelecke stand, war absolut korrekt formuliert. Ich wäre nicht im Entferntesten auf die Idee gekommen, dass jemand diese Worte missverstehen und denken könnte, dass wir aufhören würden.“
Doch als immer mehr Kunden vorbeikamen, um Lebewohl zu sagen, wurde es Claudia Nerger zusehends mulmig: „Die meisten laufen nicht automatisch bei uns vorbei, da unser Geschäft am Ende der Küferstraße liegt, wo nicht ganz so viel Laufkundschaft unterwegs ist. Bei uns kommen viele ganz gezielt vorbei – nicht nur aus Esslingen, sondern auch aus dem Esslinger Umland. Wenn es sich erst mal herumsprechen sollte, dass wir angeblich schließen, kommen viele schon gar nicht mehr vorbei. Und wer nicht in den Laden kommt, bei dem können wir die Sache auch nicht richtigstellen.“
Wie kommt es zur Verwechslung?
Immer wieder fragt sich die Ladenbesitzerin, wie es zu diesem ärgerlichen Missverständnis kommen konnte. Liegt’s daran, dass beide Geschäfte an einem historischen Stadttor liegen – die Bastelecke am Schelztor Richtung Bahnhofstraße und der Malkasten am Wolfstor in der Oststadt? Liegt’s daran, dass beide zwar kein identisches, aber zumindest in Teilen ein ähnliches Sortiment haben? Oder sollte die Verwechslung etwa darin begründet sein, dass die Bastelecke früher eine Zeit lang just in denselben Räumen ihren Sitz hatte wie heute der Malkasten? Schwer vorstellbar, schließlich betreibt Claudia Nerger ihr Geschäft dort schon seit 28 Jahren. Trotzdem hat sie beobachtet: „Manche verwechseln uns bis heute.“
Damit das falsche Gerücht von der angeblichen Schließung des Malkastens nicht weiter die Runde macht, hat die Chefin ein großformatiges knallgelbes Plakat mit der Aufschrift „Wir schließen NICHT! Wir sind weiterhin für Euch DA!“ ins Schaufenster gehängt. Und sie hat den Eingang mit einer bunten Blumengirlande frühlingshaft dekoriert. Doch selbst das kann nicht jeden Zweifel beseitigen. „Eine Kundin kam vorbei und hat gefragt, warum wir uns noch solche Mühe machen“, erzählt Claudia Nerger. Lachen kann sie darüber nicht mehr.
Zurzeit sprechen die Malkasten-Chefin und ihr sechsköpfiges Team mit vielen ihrer Kundinnen und Kunden. Unermüdlich erklären die Damen, dass sie nicht im Traum daran denken, das Geschäft zu schließen. „Viele sind erleichtert und freuen sich, dass wir ganz selbstverständlich weitermachen“, erzählt Claudia Nerger. „Schließlich gibt es immer weniger Geschäfte mit unserem Sortiment.“ Früher gab’s noch Papier-Maier am Rathausplatz, Martin Lesnys Fachgeschäft für Schreibgeräte erst auf der Inneren Brücke und dann am Hafenmarkt, selbst Karstadt hatte eine große Schreibwarenabteilung. Doch die sind längst Geschichte. Umso mehr will sich Claudia Nerger mit ihrem Malkasten ins Zeug legen, damit kein weiteres Fachgeschäft verschwindet. Darum hofft sie, dass die falschen Gerüchte rasch verstummen.