Wenn das Land aus der Berufseinstiegsbegleitung aussteigt, stehen die Hilfsangebote im Kreis Esslingen auf der Kippe.
Schon wieder soll an Schülern mit Förderbedarf gespart werden. Anette Lang vom Beruflichen Ausbildungszentrum (BAZ) Esslingen hält es für keine gute Idee, dass das Land Baden-Württemberg aus der Finanzierung der Berufseinstiegsbegleitung aussteigen will. Lang arbeitet als Bereichsleiterin des BAZ. Hier hat man sich die Förderung leistungsschwacher Jugendlicher auf die Fahnen geschrieben.
Zu den zahlreichen Angeboten gehört auch die erwähnte Berufseinstiegsbegleitung. Hier geht es um Hilfen, die Schülerinnen und Schülern beim Übergang von der Schule ins Berufsleben oder auf eine weiterführende Schule unter die Arme greifen. Wenn das Land seinen Anteil von bisher 25 Prozent nicht mehr bezahlen will, sei das Programm im Kreis Esslingen infrage gestellt, fürchtet Lang, die diesen Schritt als verantwortungslos geißelt. Bislang finanzieren neben der Agentur für Arbeit (50 Prozent) das Land und die Kommunen jeweils ein Viertel der anfallenden Kosten.
Nur noch vier Schulen profitieren
Betroffen seien rund 50 Schülerinnen und Schüler an vier Schulen. Dazu gehören die Seewiesenschule, die Schule Innenstadt und das Sonderpädagogische Bildungs- und Beratungszentrum Rohräckerschulzentrum Esslingen sowie die Ludwig-Uhland-Werkrealschule in Leinfelden-Echterdingen. Bis zum Programmwechsel 2020 seien deutlich mehr Jugendliche an insgesamt 13 Schulen im Kreis begleitet worden. Als sich dann bereits der Bund mit seinen Mitteln aus dem Europäischen Sozialfonds aus der Finanzierung verabschiedete, schrumpfte der Kreis der Schüler. Lang ist dankbar, dass die Kommunen Esslingen und Leinfelden-Echterdingen für den Bund damals in die Bresche gesprungen sind, doch auch in vielen anderen Orten gebe es Jugendliche, die diese Hilfe dringend nötig hätten und seither darauf verzichten müssen. Die Zielgruppe sind Jugendliche, die nicht aus eigenem Antrieb vorankommen, denen die familiäre Unterstützung auf ihrem Weg fehlt und solche, die das hiesige Bildungssystem nicht so gut kennen, erklärt die Fachfrau. Beim Programm Berufseinstiegsbegleitung kann es um die Wahl einer passenden weiterführenden Schule gehen oder direkt um einen Ausbildungsplatz. Es gebe nicht wenige Jugendliche, denen es nicht klar sei, wie sie an einen Praktikumsplatz gelangen können, zu welchem Zeitpunkt sie sich bewerben müssen und dass es wichtig ist, nach einer Bewerbung am Ball zu bleiben und nachzuhaken.
Das Hilfsprogramm bietet hier Einzelberatung während des letzten Schuljahres und sechs Monate danach, beispielsweise zu Beginn einer Ausbildung. Das sichere einen guten Übergang, erklärt Lang. Die Begründung der Landesregierung, das Programm greife nicht, sei unverständlich. Hier berufe man sich auf alte Zahlen von einer Evaluation aus dem Jahr 2014. Lang fordert stattdessen eine neue Untersuchung. Diese würde mit Sicherheit zeigen, wie viele junge Menschen profitierten. Alleine aus dem zehnköpfigen Schülerkreis der Seewiesenschule in Esslingen, die vom BAZ betreut werden, hätten sechs einen Ausbildungsvertrag in der Tasche, das sei ein sehr guter Wert.