Mit seinem vielfältigen Engagement hat Wolfgang Drexler in seiner politischen Laufbahn vieles bewegt und erreicht. Foto: dpa

Der Esslinger Ehrenbürger Wolfgang Drexler feiert am Sonntag seinen 80. Geburtstag. Er hat die Stadt mit seiner aufrechten Haltung über Jahrzehnte hinweg geprägt.

Es gibt nicht viele Menschen, die Esslingen so nachhaltig geprägt haben wie Wolfgang Drexler. Er war Stadt- und Kreisrat, Landtagsabgeordneter und in vielen Ehrenämtern aktiv. Vor allem aber gehört er zu jenen Politikern, die über Bürgernähe nicht nur schwadronieren, sondern sie tatsächlich leben. Das hat ihm Lob, Respekt und Anerkennung eingebracht – und die Esslinger Ehrenbürgerwürde. Seit einem Schlaganfall kann er Politik nicht länger in der vordersten Reihe machen. Doch sein Rat und seine Erfahrung sind bis heute gefragt – zumindest bei denen, die Politik mit Bodenhaftung machen und nicht nur davon reden. Am Sonntag feiert Drexler seinen 80. Geburtstag. Viele werden ihm bei einem städtischen Empfang die Ehre erweisen und sich dankbar an all das erinnern, was der überzeugte Sozialdemokrat für seine Heimatstadt und ihre Menschen geleistet hat.

 

„Als Politiker muss man die Stadt und die Menschen mögen und Freude daran haben, mit ihnen zu reden und für sie da zu sein“, hat Drexler gerne betont. „Die Leute haben ein feines Gespür dafür, ob man das wirklich so lebt. Für mich war es immer die größte Freude, mich für gute und wichtige Anliegen einzusetzen.“ So hat er das stets gehalten – ob in der Politik oder in seinen zahlreichen Ehrenämtern. Drexler hat stets Haltung bewiesen. Was er sagt, das meint er, und was er verspricht, das hält er. Ein Demokrat, der seine Überzeugungen lebt. Das haben die Menschen gespürt und ihm immer wieder ihr Vertrauen geschenkt.

Drexlers politisches Engagement hatte bei den Pfadfindern begonnen und hat sich später beim Kreisjugendring fortgesetzt. Er hat in jungen Jahren Kontakte nach Polen und Israel aufgebaut und mit beiden Ländern einen wegweisenden Austausch aufgebaut. Drexlers politische Heimat waren einst die Jusos, bis heute ist es die SPD. „Ich bin in den 70er-Jahren in Esslingen in eine gesellschaftspolitische Auseinandersetzung gekommen, die sich später vor allem an der Kultur entzündet hat“, hat er sich vor Jahren erinnert. „Wenn es Anfang der 80er-Jahre um Dieselstraße oder Kommunales Kino ging, sind im Gemeinderat oft die Fetzen geflogen. Trotzdem saß man hinterher über alle Fraktionsgrenzen hinweg zusammen und konnte sich in die Augen schauen. So wurde Vertrauen aufgebaut. Man konnte sich besser in die andere Seite hineinversetzen.“

Über alle Parteigrenzen hinweg geschätzt

Kein Wunder, dass Drexler nicht nur im eigenen Lager geschätzt und von vielen auch vermisst wird. Nicht von ungefähr meinten manche nach dem SPD-Debakel bei der Landtagswahl, dass Drexlers Partei heute anders dastehen würde, wenn sie mehr Menschen wie ihn in verantwortlicher Position hätte.

Die Nähe zu anderen Menschen ist Wolfgang Drexler wichtig. Foto: Michael Steinert

Wolfgang Drexler ist Politiker durch und durch. Er hat einen klaren Kompass, ist streitbar, wenn es sein muss, und weiß genau, was Politik tun muss, damit das Bekenntnis zu Frieden, Freiheit, sozialer Gerechtigkeit, Demokratie und Bürgernähe jeden Tag aufs Neue gelebt wird. Wenn sein Engagement gefordert war, und das war es in unterschiedlichsten Bereichen von Gesellschaft und Politik, dann konnte er andere begeistern mit seinem schier unermüdlichen Elan. Und weil jeder wusste, dass er sich selbst am allerwenigsten schont, folgten ihm viele gern und halfen, die Stadt, den Landkreis und das ganze Land ein bisschen besser zu machen.

„Demokratie wird von Politikern repräsentiert, und denen begegnet man am besten auf lokaler Ebene“, hat Drexler gern betont. Jedes Anliegen hat er ernst genommen, und egal, ob er einen Bürgerentscheid zum Erfolg geführt hat oder ob er Anwohnern half, die Sitzbank an einer Bushaltestelle auf verträgliche Höhe zu bringen – jeder hat gespürt, dass da ein Politiker am Werk ist, der nicht nur Interesse vorgibt, sondern sich ernsthaft um die Menschen und deren Sorgen, Nöte und Bedürfnisse kümmert. Ganz besonders galt das in „seinem“ Stadtteil im Esslinger Norden, wo er für viele der „Bürgermeister von Wäldenbronn“ war. Wolfgang Drexler gilt als begnadeter Motivator, dem es gelingt, Probleme zu lösen, indem er Menschen zusammenbringt.

Engagiert für eine tolerante und solidarische Gesellschaft

Der erfolgreiche Bürgerentscheid 2019 war einer der größten politischen Erfolge von Wolfgang Drexler (rechts). Foto: Ines Rudel

„Esslingen ist ein gutes Pflaster zum Mitmachen“, hat er gern erklärt. Das hat sich beim Umbau der Alten Kelter in Wäldenbronn, dem Kauf einer neuen Thora-Rolle für die jüdische Gemeinde und vielen anderen Themen gezeigt. Bis heute ist er überzeugt, dass die Stadt nur erfolgreich sein kann, wenn sie die Menschen wirklich respektiert und mitnimmt. Seit seinem Schlaganfall im März 2021 ist Wolfgang Drexler nicht mehr an vorderster politischer Front präsent. Doch er verfolgt das aktuelle Geschehen so aufmerksam wie eh und je, für viele ist er ein wichtiger Berater mit sicherem Instinkt für das, was die Menschen bewegt und was sie von der Politik erwarten. „Ich habe mich immer für eine tolerante, weltoffene und solidarische Gesellschaft eingesetzt“, hat Drexler an seinem 70. Geburtstag erklärt. Und viele wünschen sich zu seinem 80. Geburtstag, dass er Esslingen und seinen Menschen noch lange erhalten bleibt.

Stationen eines engagierten Lebens

Biografisch
 Wolfgang Drexler (Jahrgang 1946) war Amts- und Oberamtsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Stuttgart. Für die SPD saß er von 1971 bis 2021 im Kreistag, von 1975 bis 2021 im Esslinger Gemeinderat. Er war drei Jahrzehnte lang Landtagsabgeordneter sowie einige Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD im Landtag, Landtagsvizepräsident und Generalsekretär der Landes-SPD. Drexler hat sich vielfältig engagiert – ob als Vorsitzender des Kreisjugendrings, des Fördervereins Esslingen-Nord und des FC Esslingen, als Sprecher des Bahnprojekts Stuttgart 21 oder als Präsident des Schwäbischen Turnerbunds. 2018 war er Initiator des Bürgerentscheids zur Stadtbücherei, der ein klares Votum für die bis heute nicht umgesetzte Modernisierung und Erweiterung des Bebenhäuser Pfleghofs gebracht hatte. Er hat den Unterstützerkreis „Jüdische Kultur in Esslingen“ ins Leben gerufen und eine Spendenaktion für eine Thora-Rolle für die jüdische Gemeinde initiiert.

Ausgezeichnet
 Drexler wurde 2013 mit dem Verdienstorden des Landes ausgezeichnet, seit 2022 ist er Esslinger Ehrenbürger. 2022 erhielt Drexler die Willy-Brandt-Medaille, im selben Jahr wurde er Ehrenvorsitzender der SPD Esslingen. 2024 wurde ihm die Otto-Hirsch-Auszeichnung für seinen unermüdlichen Einsatz für die christlich-jüdische Zusammenarbeit verliehen.