Mit einem Empfang im Alten Rathaus würdigte die Stadt Esslingen ihren Ehrenbürger. Wolfgang Drexler und Günther H. Oettinger nahmen die Politik in die Pflicht.
Großer Bahnhof für den Esslinger Ehrenbürger Wolfgang Drexler: Zahlreiche Gäste aus Politik, Vereinsleben und Gesellschaft erwiesen dem langjährigen Landtagsabgeordneten, Stadt- und Kreisrat bei einem Empfang aus Anlass seines 80. Geburtstags die Ehre.
Und nicht nur die Festreden des früheren CDU-Ministerpräsidenten und EU-Kommissars Günther H. Oettinger sowie des Oberbürgermeisters Matthias Klopfer, sondern auch zahlreiche Gespräche am Rande des Empfangs im Alten Rathaus ließen ahnen, dass Drexler für viele weit mehr ist als ein hoch respektierter Politiker: Auch wenn er nach einem Schlaganfall nicht mehr im Tagesgeschäft steht, wird er geschätzt als kämpferischer, bürgernaher und zugewandter Demokrat.
OB Matthias Klopfer bescheinigte dem Jubilar während der Feierstunde, die vom Klezmerquartett Jontef musikalisch bereichert wurde, Drexler habe Politik stets mit Herz, Verstand und unermüdlichem Einsatz gemacht. In kontroversen Debatten habe er klare Haltung bewiesen und doch nie seinen Humor verloren. Die Stadt sei ihm nicht nur ein Lebensort, sondern eine Lebensaufgabe – kommunalpolitisches Handeln sei für ihn die Grundlage der Demokratie. So habe er sich mit ganzer Kraft für ein modernes, weltoffenes, solidarisches und tolerantes Esslingen eingesetzt. Sein Engagement zeige bis heute in vielen Bereichen positive Wirkung – allen voran im kulturellen Leben der Stadt.
Oettinger spricht in Esslingen
Günther H. Oettinger erinnert sich noch gut an viele gemeinsame Jahre in der Landespolitik – und an all das, was Drexler für seine Stadt, das Land und die ganze Republik geleistet hat. Unter Drexlers Regie habe die SPD bei den Landtagswahlen 2001 33,3 Prozent der Stimmen geholt – ein Ergebnis, von dem die heutigen Sozialdemokraten im Land nur noch träumen können.
Den großen Zuspruch, den die SPD damals fand, macht Oettinger nicht zuletzt an Persönlichkeiten wie Wolfgang Drexler fest, die aufrecht, verlässlich und immer nah bei den Menschen gewesen seien und die ein feines Gespür hatten für das, was die Bürger bewegt: „Typen wie ihn würde man heute mehr denn je brauchen.“ Nachdem er seit Drexlers Sechzigstem bei jedem runden Geburtstag die Laudatio gehalten habe, versprach der Ex-Ministerpräsident augenzwinkernd, auch beim 90. Geburtstag des Ehrenbürgers zu sprechen.
Wolfgang Drexler verhehlte nicht, dass ihm Oettingers Worte gut getan haben: „Er hätte gerne noch etwas weitermachen können.“ Der Jubilar unterstrich sein politisches Credo: Esslingen müsse alles tun, um seinem Ruf als Europastadt, Friedensstadt und Stadt der Verständigung gerecht zu werden. Als Beitrag dazu sieht Drexler die von ihm initiierte Spendenaktion für eine Thora-Rolle für die jüdische Gemeinde, die die Stadtgesellschaft geeint hatte.
Drexler mahnt die Politik
Denen, die heute in politischer Verantwortung stehen, schrieb Drexler ins Stammbuch: „Vertrauen in Politik und Politiker wird nicht durch Parteiprogramme und auch nicht über soziale Medien erreicht, sondern durch persönliche Begegnungen. Die Menschen müssen spüren, dass man sich für sie und ihre Meinung interessiert und dass man sich um die Dinge bemüht, die sie bewegen.“
Politik beweist sich für Drexler nicht in wohlfeilen Reden, sondern in konkretem Handeln. Dass er damit nie falsch lag, zeigen seine Wahlerfolge. Drexler sieht es mit Sorge, wenn sich die politischen Kräfte der Mitte zu wenig um die Sorgen, Wünsche, Anliegen und Bedürfnisse der Menschen kümmern. Sie ernst zu nehmen stärke die Demokratie und könne helfen, rechtsextremen Kräften das Wasser abzugraben.
Dass viele seiner Geburtstagsgäste das genau so sehen, zeigte nicht nur der spürbar herzliche Schlussapplaus für Drexler, sondern auch ein Überraschungskonzert des Musikvereins Wäldenbronn zu seinen Ehren vor dem Alten Rathaus. Ob all der lobenden Worte versäumte es der Geehrte nicht, seiner Frau Ella zu danken, ohne die sein Engagement nicht möglich gewesen wäre und die ihm mehr denn je zur Seite steht: „Ihr kann ich gar nicht genug danken für alles, was sie für mich tut.“