Quer durch die Republik finden viele Ärzte und Apotheker keine Nachfolger mehr. Die Esslinger CDU sieht die Stadt in der Pflicht, zu helfen und vorausschauend zu planen. Foto: privat

Apotheken schließen und Ärzte tun sich immer schwerer, Nachfolger für ihre Praxen zu finden. Die CDU im Esslinger Gemeinderat will solchen Entwicklungen nicht tatenlos zuschauen und sieht die Stadt in der Pflicht, zu helfen und vorausschauend zu planen.

Die medizinische Versorgung zählt zu den großen Herausforderungen für die Gesellschaft der Zukunft. Die Probleme zeigen sich immer deutlicher: Apotheken verschwinden, Arztpraxen müssen schließen, weil sich keine Nachfolge findet. Die Esslinger CDU-Ratsfraktion macht in einem Antrag an den Gemeinderat Vorschläge zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und der pharmazeutischen Infrastruktur vor Ort, und sie fordert die Stadtverwaltung zum Handeln auf.

 

„Gerade eine Stadt wie Esslingen, die zurecht stolz ist auf ihr hervorragendes Klinikum, ist in der Pflicht, auf alle Bereiche der Gesundheitsversorgung zu achten und alles zu tun, was ihr möglich ist. Da sehen wir noch Luft nach oben“, sagt CDU-Fraktionschef Tim Hauser. Mit ihrer Initiative wollen die Christdemokraten „sicherstellen, dass Esslingen eine flächendeckende und bedarfsgerechte Gesundheitsversorgung erhält, die mit dem Wachstum der Stadt in Einklang steht und eine hohe Lebensqualität für alle Einwohner garantiert“. Dabei gehe es um bestehende Strukturen ebenso wie um die Stadtentwicklung: „Mit dem Wachstum einzelner Stadtteile durch Projekte wie das Tobias-Mayer-Quartier und das Hochschulareal auf der Flandernhöhe sowie insgesamt steigenden Einwohnerzahlen wird eine zukunftsfähige Gesundheitsversorgung zunehmend wichtiger“, heißt es im Antrag. Für geplante Wohnquartiere seien frühzeitige Weichenstellungen zur Gesundheitsversorgung und Apothekenansiedlung essenziell. Parkmöglichkeiten in unmittelbarer Nähe seien ebenfalls nötig.

„Versorgungslage hat sich in Esslingen verschlechtert“

Zuletzt ging der Trend nach Einschätzung der CDU in die falsche Richtung: „Die Versorgungslage hat sich verschlechtert. Viele Haus- und Fachärzte stehen kurz vor dem Ruhestand und finden aufgrund des Ärztemangels und der anspruchsvollen Arbeitsbedingungen kaum Nachfolger. Die Folgen sind Aufnahmestopps und weite Wege für Patienten, die gerade für ältere oder mobilitätseingeschränkte Menschen schwer zu bewältigen sind.“ Die CDU fordert eine Analyse der Versorgungssituation und Vorschläge der Verwaltung, was zu tun ist. Für Hauser ist klar: „Die Stadt hat eine Verantwortung, die gesundheitlichen Belange der Bürgerinnen und Bürger in ihren Planungsprozessen angemessen zu berücksichtigen und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit sich Ärzte und Apotheker gerne hier ansiedeln.“

Ein möglicher Weg ist nach Einschätzung der CDU die Schaffung von Gesundheitshäusern in stark wachsenden und unterversorgten Stadtteilen wie der Pliensauvorstadt, Hegensberg und Liebersbronn oder Wiflingshausen. „Diese Gesundheitshäuser könnten durch die Stadt geförderte, bezahlbare Räumlichkeiten für Hausärzte, Fachärzte, Apotheken, Physiotherapie und weitere medizinische Dienstleistungen bieten“, heißt es in dem Antrag.

Esslingen soll Apotheken besser unterstützen

Ein weiteres Anliegen ist die Sicherstellung der Apothekenversorgung vor Ort. CDU-Stadträtin Sabine Mickeler nennt viele Esslinger Apotheken, die in den letzten Jahren für immer geschlossen haben. „Die Versorgung durch eine Apotheke vor Ort ist zwingend notwendig“, erklärt Mickeler, die in Neuhausen eine Apotheke betreibt. „Dadurch haben die Menschen ein niederschwelliges Angebot, sich von Angesicht zu Angesicht professionell beraten zu lassen. Apotheken sind ein zentrales Bindeglied zwischen Patienten, Arztpraxen und Krankenhäusern und spielen bereits jetzt eine wichtige Rolle in der Prävention von Krankheiten sowie bei Impfungen, etwa gegen Grippe und Corona.“ Solche pharmazeutischen Dienstleistungen müssten noch stärker ausgebaut werden. Angesichts des Apothekensterbens in Esslingen soll die Verwaltung aufzeigen, was die Stadt tun könnte, um bestehende Apotheken zu unterstützen und Anreize für Neugründungen zu schaffen.