Der Andrang war groß, als die CDU-Ratsfraktion zum Lokaltermin an der Sulzgrieser Straße bat. Foto: Roberto Bulgrin

Seit Jahren ist die Verkehrssituation in der Sulzgrieser Straße für viele im Esslinger Norden ein Ärgernis. Jüngste Maßnahmen der Stadt haben den Unmut noch verstärkt.

Die Verkehrssituation in der Sulzgrieser Straße ist für viele Bürger seit Jahren ein Ärgernis. Zuletzt hatte die Stadt versucht, durch provisorisch geänderte Verkehrsmaßnahmen Abhilfe zu schaffen, doch viele Anwohner sind überzeugt, dass dadurch nur wenig besser, vieles dafür jedoch umso schlechter geworden ist. Entsprechend groß war der Unmut, als die CDU-Ratsfraktion nun zum Lokaltermin bat. Dass die Christdemokraten rund 120 Interessierte zählten, ließ ahnen, wie sehr das Thema den Menschen im Esslinger Nordwesten auf den Nägeln brennt. Viele machten ihrem Ärger Luft und untermauerten ihre Kritik mit Beispielen aus dem Alltag. Für CDU-Fraktionschef Tim Hauser ist klar: „Dieser Verkehrsversuch ist gescheitert.“

 

Zahlreiche Bürger hatten die CDU-Ratsfraktion zuletzt um Unterstützung gebeten – viele monierten, dass sie im Rathaus keine Resonanz gefunden hätten. Dass die Stadt erklärte, sie habe auf Drängen vieler Anwohner reagiert, ließ Hauser nicht gelten: „Anwohner haben konkrete Vorschläge gemacht und sich zum Beispiel optische Signale gewünscht, die jedoch von der Stadt nicht aufgegriffen wurden. Stattdessen wurden bauliche Maßnahmen ergriffen, die die Verkehrsprobleme noch verschärfen.“ Aus zahlreichen Zuschriften und Anrufen hat die CDU den Eindruck gewonnen, dass die von der Stadt als Verkehrsversuch deklarierten Maßnahmen ins Leere laufen.

Kritik an fehlendem Gesamtkonzept

Wenn Busse durchfahren, kann es an den provisorischen Engstellen knifflig werden. Foto: Roberto Bulgrin

So führen die provisorisch aufgestellten „Leitschwellen“ nach Einschätzung vieler Menschen in RSKN zu erheblichen Störungen des Verkehrs. „Durch häufiges Abbremsen und erneutes Anfahren steigen sowohl Lärm- als auch Abgasbelastungen deutlich an“, bemängelt die CDU. An den Engstellen komme es regelmäßig zu Unsicherheiten und gefährlichen Situationen im Begegnungsverkehr. Die Stadt habe durch eine Vielzahl von Eingriffen wie wiederholte Bauarbeiten, verbreiterte Gehwege, Poller oder geänderte Vorfahrtsregelungen „frühere Entscheidungen mehrfach relativiert oder konterkariert“. Ein schlüssiges Gesamtkonzept sei nicht erkennbar. Sinnvoll sei in Rüdern die deutliche Verbreiterung des Gehweges. Auch die Einführung von Tempo 30 zwischen Kirche und Bürgerhaus sowie die angepasste Parkregelung in diesem Bereich bewerten die Christdemokraten positiv. Weitere künstliche Verengungen oder provisorische Schikanen seien jedoch weder sinnvoll noch zweckmäßig.

Deshalb hat die CDU den Rückbau der provisorischen Maßnahmen und den Verzicht auf weitere bauliche Veränderungen in der Sulzgrieser Straße beantragt. Diese Nachricht fand bei vielen Beifall. Wiederholt war von „Trauerspiel“ und „Verschwendung von Steuergeldern“ die Rede. „Wenn der Lokaltermin nicht schon zur Mittagszeit angesetzt worden wäre, wären noch viel mehr erboste Bürger gekommen“, war sich ein Anwohner sicher.

Keinen leichten Stand hatte Anja Heller-Kemp vom Bürgerausschuss RSKN, die versicherte, ihr Gremium wolle weder für die eine noch für die andere Seite Partei ergreifen, sondern eine vermittelnde Rolle einnehmen und sich für eine sachlich-konstruktive Debatte einsetzen. Dass der Ausschuss die Maßnahmen ausdrücklich begrüßt habe, mochte sie nicht bestätigen – die Meinungen seien auch da geteilt. Man wolle jedoch dem Verkehrsversuch eine Chance geben. Gerade die Poller auf dem Gehweg hätten die Situation für Fußgänger sicherer gemacht. Heller-Kemp nahm die Verkehrsteilnehmer in die Pflicht – viele hielten sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen und Verkehrsregeln. Ihre Feststellung, es gebe im Stadtteil durchaus auch Zustimmung zu den Maßnahmen der Stadt, wurde von vielen jedoch mit Lachen quittiert. Ursula Merkle, früher selbst Stadträtin und Bürgerausschuss-Mitglied, betonte: „Ich erwarte vom Bürgerausschuss, dass er für die Bürger da ist. Deren Haltung ist eindeutig.“

„Verschärfte Situation für Fußgänger“

Die provisorischen Einbuchtungen haben sich nach Meinung vieler nicht bewährt. Foto: Roberto Bulgrin

Einig war man sich in dem Wunsch, dass Tempo 30 möglichst von allen in der Sulzgrieser Straße eingehalten werden muss. Doch die Art und Weise, wie die Stadt dafür sorgen wollte, führt nach den jüngsten Erfahrungen vieler nicht zum Ziel. Einengungen in der Fahrbahn führten zu Stop-and-go-Verkehr und während der Stoßzeiten zu Stauungen. Dass die Busfahrer, die die Sulzgrieser Straße passieren, mit den neuen Regelungen glücklich sind, wurde von vielen bezweifelt. Gerade im Begegnungsverkehr gehe es häufig allzu eng zu – immer wieder müssten Fahrzeuge auf den Gehweg ausweichen, was die Situation der Fußgänger zusätzlich verschärfe. Manche Anwohner schilderten plastisch, zu welch haarigen Situationen es in den letzten Wochen schon gekommen sei.

Auch wenn die Stadt für sich reklamiere, dass solche Verkehrsregelungen Sache der Verwaltung und nicht des Gemeinderats seien, sagte CDU-Fraktionschef Tim Hauser beim Lokaltermin zu, am Ball zu bleiben: „Als Stadträte ist es unsere Aufgabe, die Meinungen der Bürger aufzugreifen und gegenüber der Verwaltung zu vertreten. Das lassen wir uns nicht nehmen.“

Die jüngsten Entwicklungen

Probleme
 Nach zahlreichen Beschwerden aus der Bürgerschaft hatte die CDU im Januar 2025 „Maßnahmen zur Regelung des Parkens in der Sulzgrieser Straße zwischen Feuerwehr und Bürgerhaus“ gefordert. Die Stadtverwaltung hatte daraufhin im Juli Korrekturen angekündigt, die Ratsfraktionen aber auch wissen lassen, dass der Gemeinderat bei solchen verkehrsregelnden Maßnahmen nicht unmittelbar gefragt sei. Erst vor wenigen Tagen hatte Ordnungsbürgermeister Yalcin Bayraktar gegenüber den Fraktionen nochmals versichert, die umgesetzten Maßnahmen würden vom Bürgerausschuss begrüßt, auch der Städtische Verkehrsbetrieb sei damit sehr zufrieden.

Maßnahmen
Im Juli hatte die Verwaltung ihre Überlegungen zur Sulzgrieser Straße konkretisiert und unter anderem auf Höhe des Friedhofs eine Höchstparkdauer von zwei Stunden und in Fahrtrichtung Rüdern eine Verlängerung der Ausweichflächen für Busse angekündigt. Zudem entschied die Verwaltung, zwischen dem Bürgerhaus und der Uhlbacher Straße die Tempo-30-Zone durch wechselseitiges Parken und mit Einengungen durch Beete zu verdeutlichen und die beidseitige Einengung am Ortseingang Rüdern zurückzubauen.