Der Vorstand des Fördervereins der Esslinger Stadtbücherei war vor zwei Jahren angetreten, sich für eine zukunftsfähige Bibliothek starkzumachen. Weil er zuletzt kaum mehr in Erscheinung trat, gab es nun von den Mitgliedern die Quittung.
Es war ein Erdbeben, das den Förderverein der Esslinger Stadtbücherei erschüttert hat. Allzu groß war die Enttäuschung über einen Vorstand, der in der aktuellen Debatte über die Zukunft der Bibliothek weder öffentlich noch gegenüber den Mitgliedern groß in Erscheinung getreten war. Dass sich der Frust darüber nun entladen hat, ist symptomatisch für die seit fast drei Jahrzehnten schwelende Diskussion über die Erweiterung einer Bücherei, die von den Bürgern trotz schwieriger Rahmenbedingungen hoch geschätzt wird. Und die dafür vom OB zu hören bekommt, dass der Handlungsbedarf dann ja offenbar gar nicht so groß sein könne.
Kein klärendes Wort
Nach dem Bürgerentscheid 2019, der viele im Rathaus in seiner Deutlichkeit überrumpelt hat, schien alles klar zu sein. Doch im Mai 2022 kam die nächste Klatsche. Und diesmal könnte sich die Hoffnung auf eine größere Bibliothek vollends erledigt haben. Dass manche Bürger mittlerweile resigniert haben, weil sie nicht das Gefühl haben, dass ihr Wort sonderlich viel gilt, macht der Kommunalpolitik vieles leichter – vertrauensbildend ist es jedoch nicht. Dass man denen, die sich für die Bücherei einsetzen, Egoismus vorwirft, hat Öl ins Feuer gegossen. Viele, die sich dafür starkmachen, sind selbst auf eine öffentliche Bibliothek gar nicht angewiesen. Aber sie sind überzeugt, dass solche Orte immer wichtiger werden. Nicht nur der Bücher und Medien, sondern vor allem der Menschen wegen. Ein klärendes Wort des Fördervereins hätte gutgetan.
Das Büchereiteam könnte einiges über die Zukunft und die wachsende Bedeutung von Bibliotheken erzählen. Doch wenn bei öffentlichen Anhörungen oder im Ratssaal über die Bibliothek diskutiert wird, ist die Expertise der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kaum gefragt. Und keiner fragt, was es für sie heißt, immer wieder mit viel Engagement an Zukunftskonzepten zu arbeiten, die am Ende Makulatur sind. Es erfordert wenig Fantasie, um sich vorzustellen, dass sie sich mehr Wertschätzung wünschen würden. Von der Stadt und vom Vorstand des Fördervereins. Mit dessen neuem Führungsteam kann es auch da nur besser werden.