Die Göppinger Band Firephoenix gilt als Geheimtipp in der Metal-Szene. Foto: Roberto Bulgrin

Musik genießen, Party machen und dabei Gutes tun – damit punktet das Esslinger Benefiz-Festival Rock for one World. Am Wochenende rockten vier Bands für die gute Sache.

Rockmusiker und ihre Fans lassen es gerne krachen, doch viele von ihnen haben auch ein großes Herz – und einen langen Atem. Seit 2005 gibt es in Esslingen alle Jahre wieder das Benefiz-Festival Rock for one World (ROW), und auch wenn das Organisationsteam schon so manchen Schicksalsschlag wegstecken musste, sind die Macherinnen und Macher so engagiert wie eh und je. Und ihre Fans kommen noch immer so zahlreich wie beim ersten Mal. So war das auch am Wochenende, als vier Metal-Bands im Jugend- und Kulturzentrum Komma einen Abend lang für den guten Zweck losrockten.

 

Die Tickets waren schon Wochen vorher vergriffen, die Spendenkasse klingelte munter. Und während die Fans Party machten und einen mitreißenden Abend genossen, war das Organisationsteam guten Mutes, dass der Reinerlös nach dem Kassensturz sogar das Rekordergebnis vom vergangenen Jahr toppen könnte.

2005 feierte Rock for one World Premiere. Damals erlebte der Musiker Ralf Schulz den Tsunami in Thailand hautnah mit, und als er heil zurück in Esslingen war, wollte er für die Opfer etwas tun. Als Schlagzeuger der Bands Tyran’ Pace und Sinner konnte er einige der wichtigsten Bands dieser Szene für ein Benefiz-Festival gewinnen. Seither gibt es jedes Jahr Rock for one World. Fast 200 000 Euro wurden seither an Spenden für soziale Einrichtungen und Zwecke mobilisiert.

Alle engagieren sich für die gute Sache

Die Esslinger Band Targa eröffnete das Festival. Foto: Roberto Bulgrin

Die Bands spielen ohne Gage, die Kosten für An- und Abreise sowie Übernachtungen werden von Sponsoren übernommen. Auch das Catering wird gespendet, eine Küchencrew sorgt für das leibliche Wohl. „Das große Engagement von Helfern, Bands, Sponsoren und Publikum ist nur möglich, weil alle für die Idee brennen, etwas Gutes zu tun“, sagt Steffen Würtele, der inzwischen zusammen mit Kevin Wagner für das Festival verantwortlich zeichnet. So war es auch möglich, über die Jahre so manchen Schicksalsschlag wegzustecken: Ralf Schulz’ Tod riss 2014 eine tiefe Lücke, doch mit Stanislaw „Stani“ Szczepaniak und Klaus „Metal Dad“ Wagner übernahmen zwei seiner Weggefährten die Festivalleitung. Als auch diese beiden 2024 binnen weniger Wochen überraschend gestorben sind, war es für das Organisationsteam und für Wagners Kinder keine Frage, dass sie das Festival weiterführen.

Am Wochenende ist die nächste Auflage von Rock for one World erfolgreich über die Bühne gegangen. Einer von denen, die kräftig mit angepackt haben, ist Oliver Löffler, der wie immer am Zapfhahn dafür sorgte, dass nie Mangel an kühlen Getränken herrschte. Diesmal war er beim ROW doppelt gefragt: am Tresen und als Gitarrist und Frontmann der Metal-Band Targa, die das Festival eröffnete und das Publikum mit ihrem energiegeladenen, treibenden Metal-Sound und ihrer Bühnenpräsenz im Handumdrehen auf Betriebstemperatur brachte. „Ein ganz starker Auftakt“, fand nicht nur Veranstalter Steffen Würtele – auch die Zuhörer waren sofort aus dem Häuschen. Und mit der Band Firephoenix, die ihren Sound als Heavy- und Powermetal beschreibt, ging es anschließend im selben Tempo weiter. Die Göppinger Band gilt als Geheimtipp in der Szene, Kenner und Liebhaber beschreiben ihren Sound als „eine Mischung aus komplexen Songstrukturen, virtuosen Instrumentaleinlagen und dennoch einem gesunden Grad an Catchiness“.

Das nächste Festival kann kommen

Ein starkes Team sorgt hinter den Kulissen für ein gelungenes Festival. Foto: privat

Eigens aus Italien war die Band Alterium mit ihrer Sängerin Nicoletta Rosellini angereist. Ihre Musik, die klassische Power-Metal-Elemente mit modernen Einflüssen verbindet, hat Alterium Auftritte in ganz Europa und inzwischen sogar über dem großen Teich beschert. Die dicksten Lettern auf dem Veranstaltungsplakat waren diesmal der Gruppe Motorjesus aus Mönchengladbach vorbehalten, die anschließend bis zum großen Finale um Mitternacht auf der Bühne den Ton angab. Für viele der Musiker, Helfer und Zuhörer war das ROW 2026 damit allerdings noch nicht zu Ende: Wer weiterfeiern und auf den Benefiz-Erfolg anstoßen wollte, war anschließend noch im Eisbär-Keller am Marktplatz an der richtigen Adresse. Und alle waren sich einig, dass es auch 2027 ein Festival Rock for one World geben soll.