Mit einer symbolträchtigen Aktion werben die Architects for Future in ihrer Ausstellung „Fix it!“ für einen sorgsamen Umgang mit wertvollen Ressourcen. Foto: Roberto Bulgrin

Die Esslinger Architekten-Initiative wirbt mit der Ausstellung „Fix it!“ dafür, bestehende Gebäudesubstanz im Sinne der Umwelt möglichst zu sanieren.

Rund 100 000 Tonnen Bau- und Abbruchabfälle fallen jedes Jahr alleine in Esslingen an – umgerechnet sind das in jeder Minute etwa 190 Kilogramm. Die Architects for Future werben für einen sorgsameren Umgang mit wertvollen Ressourcen, und sie setzen sich für einen nachhaltigen Wandel in der Baubranche ein: Bestandsgebäude sollen nicht einfach abgerissen, sondern besser ganzheitlich saniert werden, damit sollen Klimaschutz und -resilienz gestärkt werden. Mit einer Ausstellung unter dem Titel „Fix it! – Umbau statt Abriss“, die bis 9. November im ehemaligen Modehaus Kögel in Esslingen zu sehen ist, möchte die ehrenamtliche Architekten-Initiative ihr Anliegen unterstreichen und positive Beispiele präsentieren, die zeigen, wie bestehende Bausubstanz besser genutzt werden kann.

 

„Fix it!“ ist eine Wanderausstellung, die durch zahlreiche Städte quer durch die Republik tourt. Die Esslinger Gruppe der Architects for Future zeigt diese Schau, die die Anliegen der Europäischen Bürgerinitiative HouseEurope unterstützt, in Zusammenarbeit mit dem Bund Deutscher Architekten. Zentrales Anliegen von HouseEurope sind neue EU-Gesetze, die Sanierungen und Umbauten bestehender Gebäude einfacher, günstiger und sozialer machen sollen. Es gehört zum Konzept dieser Wanderausstellung, dass die lokalen Veranstalter den allgemeinen Teil durch konkrete Beispiele vor Ort ergänzen – in Esslingen rückt zum Beispiel die geplante Umnutzung des bisherigen Hochschul-Areals an der Flandernstraße in den Fokus.

Beispielhaftes Esslinger Hochschul-Areal

Wenn die Hochschule von dort in die Weststadt umzieht, übernimmt die Stadt das 70 000 Quadratmeter große Areal. Wesentliche Teile der heutigen Hochschulgebäude sollen künftig als Wohn-, Arbeits- oder Freizeitbereiche genutzt werden. Inzwischen ist klar: Bestehende Gebäude werden so weit wie möglich erhalten, teils aufgestockt und mit Neubauten kombiniert. Ganz anders hatte der Landkreis vor Jahren entschieden, als er trotz mancher Kritik einen Abriss des bestehenden und den Bau eines neuen Landratsamtes beschlossen hatte.

Mit einer Schubkarrenprozession machten die engagierten Architekten auf ihre Anliegen aufmerksam. Foto: Roberto Bulgrin

Die Architects for Future wollen mit der Ausstellung „Fix it!“ zeigen, dass es auch anders geht. Sie beklagen, dass auch in Esslingen „jedes Jahr Gebäude abgerissen werden, die mit überschaubarem Aufwand umgebaut und weiter genutzt werden könnten“. Und sie zeigen auch eine ganze Reihe „ermutigender Beispiele von erfolgreichen Sanierungsprojekten, die zeigen, welches Potenzial im Gebäudebestand steckt“ – frei nach dem schwäbischen Motto „Des isch no guat, des kommt net weg.“

Zusätzlich bereichert wird die Schau, die mit einer symbolträchtigen Schubkarrenprozession vom Bahnhofsvorplatz durch die Innenstadt zum Kögel-Gebäude eröffnet wurde, durch Arbeiten der Künstler Margit Schranner und Wolfgang Scherieble, die sich auf ihre Weise mit dem Wert bestehender Räume und deren neu definierten Nutzungsmöglichkeiten kreativ auseinandersetzen.

Kurzvorträge in der Mittagspause

Arbeiten der Künstler Wolfgang Scherieble und Margit Schranner bereichern die Ausstellung. Foto: privat

Die Ausstellung ist bis 9. November täglich von 11 bis 18 Uhr im früheren Modehaus Kögel geöffnet. Wer sich vertieft mit der Frage auseinandersetzen möchte, warum der Erhalt bestehender Gebäude meistens besser fürs Klima ist als Abriss und Neubau, hat dazu in verschiedenen Vorträgen Gelegenheit: Die Zukunft der Flandernhöhe beleuchten die Architects for Future am Mittwoch, 5. November, ab 18 Uhr in kurzen Vorträgen und einer Gesprächsrunde, die zeigen soll, welche Chancen sich dort für die Stadtgesellschaft auftun. Und für diejenigen, die ihre Mittagspause gerne mal ein wenig anders gestalten wollen, gibt es von Montag bis Freitag, 3. bis 7. November, täglich um 12.30 Uhr einen „Info-Snack“: Unter dem Motto „Nachschlag“ informieren Mitglieder der Esslinger Ortsgruppe der Architects for Future sowie weitere Experten über einzelne Aspekte ihrer angestrebten Bauwende.