Als Bürger und Kommunalpolitiker ist Andreas Koch stolz auf seine Stadt. Foto: Roberto Bulgrin

Mehr als drei Jahrzehnte lang hat Andreas Koch als Ratsherr die Esslinger Stadtpolitik wesentlich geprägt. Zum Jahresende musste sich der dienstälteste Stadtrat aus gesundheitlichen Gründen zurückziehen. Der Abschied ist ihm nicht leicht gefallen.

Mehr als drei Jahrzehnte lang hat er die Esslinger Kommunalpolitik wie nur wenige geprägt, und wenn er auf seine Zeit im Gemeinderat zurückblickt, fallen ihm drei Begriffe ein: „Zuversicht, Stolz und Dank.“ 1991 war Andreas Koch erstmals gewählt worden, 21 Jahre lang hat er später die SPD-Fraktion geführt und mit seiner Arbeit über die Stadt hinaus gewirkt. Nun musste sich der einstige Gemeinde- und Rundfunkpfarrer schweren Herzens aus der Ratsrunde verabschieden. Eine Parkinson-Erkrankung zwang Esslingens dienstältesten Stadtrat, sein Amt zum Jahresende niederzulegen. Und wer ihn kennt, der weiß, dass dem Sozialdemokraten der Abschied aus dem Rathaus nicht leicht fiel. Lange Jahre hat die Kommunalpolitik sein Leben bestimmt – und er hat die Geschicke der Stadt mit bestimmt. Ehrenamtliches Engagement ist für ihn eine selbstverständliche Bürgerpflicht.

 

Andreas Koch ist ein Mann der geschliffenen Formulierung

Andreas Koch war schon immer ein politischer Mensch, der auch als Theologe stets nah bei den Menschen und ihren alltäglichen Anliegen und Sorgen sein wollte. Die geschliffene Formulierung ist ihm eigen – Freunde haben ihm den Ehrentitel „Goldschmied der Worte“ verliehen, den er nicht ungern hört. Und so, wie ein Goldschmied mit Akribie an seinen Werken arbeitet, so merkt man auch Andreas Kochs Beiträgen an, dass jedes Wort sorgsam bedacht und abgewogen ist.

Andreas Koch hält eine Laudatio auf Wolfgang Drexler. Foto: Roberto Bulgrin

Mitglied der SPD war er schon als Pfarrvikar in Albstadt-Tailfingen. Dort hätte man ihn gerne für den Gemeinderat nominiert, doch an eine Kandidatur war in dem konservativ geprägten Ort nicht zu denken. Nach seinem Wechsel an die Esslinger Johanneskirche kam Koch eher zufällig zur Kommunalpolitik: Eine Pumpe im Kinderbecken des Freibads war defekt, der Gemeinderat mochte das nötige Geld für eine neue nicht investieren, und plötzlich fand sich Andreas Koch in einer Bürgerinitiative wieder, die den Gemeinderat zum Umdenken bewegte. Dieses Engagement war Wolfgang Drexler, den viele als Inbegriff einer bürgernahen Esslinger Sozialdemokratie schätzen, nicht verborgen geblieben. „Er hat mich von einer Kandidatur überzeugt“, erinnert sich Koch. Und jeder weiß, dass es nicht einfach ist, sich Drexlers Überzeugungskraft zu entziehen.

Ehrenamt stößt an Grenzen

Dass ihm Drexler den zeitlichen Aufwand einer Gemeinderatstätigkeit vielleicht nicht ganz authentisch geschildert hatte, hat Andreas Koch schon nach den ersten Sitzungsrunden registriert. „Mit manchen meiner Stadtratskolleginnen und -kollegen habe ich mehr Lebenszeit verbracht als mit meinen Kindern, und das ehrenamtlich“, bekannte Koch bei seiner Verabschiedung im Dezember. Und er verhehlte auch nicht, dass das Ehrenamt angesichts komplexer Themen und Sitzungen, die früh beginnen, lange dauern und spät enden, „zunehmend an Grenzen stößt“. Und dennoch ist er überzeugt, dass es sich lohnt, sich für Esslingen und die Demokratie einzusetzen.

„Vielleicht habe ich ja tatsächlich in meinen 30 Jahren im Gemeinderat etwas bewirken können“, blickt Andreas Koch zurück. Sein erster kommunalpolitischer Erfolg sei ein zusätzliches Waschbecken in der Kindertagesstätte Entengraben gewesen, sein vorerst letzter eine Fußgängerampel am Übergang in der Berliner Straße. Und irgendwo dazwischen sieht der gewiefte Taktiker die von der SPD angestoßene Vereinbarung mit den Wochenmarktbeschickern, bei besonderen Anlässen wie dem Mittelalter- und Weihnachtsmarkt den Marktplatz freizugeben, als seinen wohl größten Erfolg.

Auch Stadträte haben Träume

Vieles ist in den vergangenen drei Jahrzehnten bewegt worden, doch auch ein Stadtrat wie Andreas Koch hat seine (kommunalpolitischen) Träume: „dass im Jubiläumsjahr 2027 unser Marktplatz tatsächlich umgestaltet, die Schelztorhalle saniert und Esslingen wieder Gastgeber eines hochkarätigen Handballturniers ist“. Koch bedauert es, dass es in drei Jahrzehnten nicht gelungen ist, die Stadtbücherei trotz vieler Anläufe zukunftsweisend zu modernisieren. Klar ist für ihn nach dem eindeutigen Bürgerentscheid von 2019, dass eine Entscheidung darüber, mit welchem Standort es am Ende wirklich weitergehen soll, nicht an den Bürgerinnen und Bürgern vorbeigehen kann.

Wenn Andreas Koch an seine 33 Jahre im Gemeinderat zurückdenkt, erinnert er sich an Erfolge, an Rückschläge, an bereichernde und manchmal auch an weniger glorreiche Debatten. Er denkt an prägende Ratskolleginnen und -kollegen zurück, denen er Respekt zollt. Und er wirbt dafür, sich für eine bunte Stadt des Miteinanders einzusetzen: „Alles andere passt nicht zu Esslingen.“ Nun hoffe er, „dass es für Esslingen gut weitergeht“. Für alle, die seinen Rat und seine Erfahrung zu schätzen wissen, wird Andreas Koch gewiss ein wichtiger Ratgeber bleiben.

Andreas Kochs Kurzbiografie

Persönlich
 Andreas Koch wurde 1953 in Reutlingen geboren und ist in Metzingen aufgewachsen. Er hat evangelische Theologie in Tübingen, Chicago und Minneapolis/St. Paul studiert. Von 1982 bis 1985 war Koch Pfarrvikar in Albstadt-Tailfingen, anschließend von 1985 bis 1991 Pfarrer der Johanneskirchengemeinde in Esslingen. Von 1991 bis 2018 war Andreas Koch Rundfunkpfarrer, Redaktionsleiter sowie zeitweise Chef vom Dienst der Landeskirchlichen Pressestelle.

Politisch
Andreas Koch gehörte seit 1991 der Esslinger SPD-Ratsfraktion an, ab 1998 als deren Vorsitzender. 2019 gab er den Fraktionsvorsitz an Nicolas Fink ab. Dem Gemeinderat gehörte er weiter an. Im Oktober 2024 hat Koch Oberbürgermeister Matthias Klopfer gebeten, ihn aus gesundheitlichen Gründen zum 16. Dezember, dem Datum der letzten Gemeinderatssitzung 2024, von den Rechten und Pflichten eines Stadtrats zu entbinden. „In Anerkennung und Würdigung hervorragender Verdienste um die Stadt Esslingen am Neckar und ihrer Bevölkerung“ erhält Koch die städtische Ehrenplakette.