Im Zentrum von Oberesslingen ist der Hainbach bereits renaturiert. Foto: Horst Rudel

Ein renaturierter Hainbach nützt nicht nur Blumen und Amphibien, sondern vor allem dem Menschen.

Esslingen - Der Hainbach wird die nächsten zwei Jahrzehnte die wichtigste Reserve der Stadt sein, wenn es um Ausgleichsmaßnahmen nach dem Naturschutzgesetz geht. Das wurde in der jüngsten Sitzung des technischen Ausschusses der Stadt Esslingen deutlich.

Der stattliche Bach war in den letzten Jahrzehnten den Stadtplanern immer bloß im Weg gewesen. Sie hatten ihn verdohlt, zugebaut und zubetoniert, und auf der letzten Strecke seines Weges von Wäldenbronn nach Oberesslingen ganz im Kanal verschwinden lassen, als Teil des Abwassersystems im Industriegebiet. Aus heutiger Sicht ist es geradezu erstaunlich, mit welcher Gründlichkeit die Planer alter Schule versucht haben, den Hainbach zu vernichten.

17 Zonen für die Natur

Es ist das Verdienst von Katja Walther, Sachbearbeiterin am Esslinger Stadtplanungsamt, sich Gedanken gemacht zu haben, wo überall der Hainbach wieder zutage treten kann. Dabei geht es längst nicht nur um den Schutz von Bachblumen und Amphibien, vor allem der Mensch soll der Nutznießer der Renaturierung sein. Katja Walter hat 17 Zonen entlang des ganzen Bachbetts ausgewiesen, die als Naherholungsfläche oder als Fuß- und Radweg dienen sollen, nur ganz wenige Retentionsflächen sind dabei, in denen der Bach ungestört über die Ufer treten kann. Ein Phänomen, das in Zeiten des Klimawandels künftig häufiger vorkommen könnte.

Ebenso wird die Renaturierung dem hitzegeplagten Esslingen zugute kommen, da in einem freigelegten Bachbett leichter kalte Luft von den Schurwaldhöhen zu Tal fließt. Ein Problem bei der Renaturierung sind natürlich die Flächen. Zwar sind schon etliche Flächen in städtischer Hand, aber die Stadt muss noch etwa doppelt so viel dazu erwerben, um alle 17 Projekte ausführen zu können. Auch die Kosten hat Katja Walther schon berechnet. Von den etwa 9,3 Millionen Euro Investition bekommt die Stadt voraussichtlich etwa 7,9 Millionen an Förderung von Land und Bund erstattet, etwa 1,4 Millionen Euro bleibt an der Stadt hängen.

In seiner Beschlussvorlage formulierte das Stadtplanungsamt mehrere große Ziele für die nächsten 20 Jahre. Ein Ziel ist es, einen durchgängigen Weg für Fußgänger und Radfahrer im gesamten Tal zu schaffen. Damit nicht noch mehr Fläche unnötig versiegelt wird, denkt die Stadt hier an einen Naturpfad. Ein weiteres Ziel ist die Naherholung, die alten und jungen Menschen gleichermaßen zuteil werden soll. Das bedeutet, dass es im ganzen Tal immer wieder Stellen geben muss, wo das Wasser leicht zugänglich ist und wo man sich auch aufhalten kann.

Besonders Schulkinder, die ja heute schon vielfach Bachpatenschaften übernommen haben, sollen hier einen Lernort finden, wo sie das Ökosystem Bach erforschen können. Der neue renaturierte Hainbach soll auch aktiv zum Hochwasserschutz beitragen. Die Stadt hat schon etliche Retensionsflächen ausgewiesen, doch reicht das noch nicht. In Zukunft werden entlang des Hainbachs weitere Überflutungsmulden und Rückhalteräume gebaut.

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