Der Esslinger Wochenmarkt hat eine Tradition bis ins Jahr 866. Bei Wind und Wetter stehen die Händler am Marktplatz und bieten Lebensmittel an. Foto: Horst Rudel

Die Ritterstraße als neuer Ausweichstandort für den Wochenmarkt kommt bei den Händlern gut an. Wenn nur die Falschparker nicht wären.

Esslingen - Die freundliche Obsthändlerin brachte es neulich auf den Punkt: „Irgendwie ist die Ritterstraße heimeliger.“ Damit ist wohl das neue Esslinger Wochenmarktgefühl exakt beschrieben. Was zunächst als Ausweichquartier für die Bahnhofstraße geplant war, entwickelt sich zur Zeit zu einem soliden dritten Marktstandort für Esslingen.

Der Hauptstandort ist nach wie vor der Marktplatz. Doch in den letzten Jahren mehren sich dort immer mehr die sommerlichen Aktivitäten. Nicht nur das Zwiebelfest, sondern auch das Marktplatzturnier vertreibt den Markt von seinem angestammten Platz. Der nächste Termin steht auch schon fest, das ist das Kulturfest „Stadt der Frauen – Stadt im Fluss“, vom 28. bis 30. September, das den Marktplatz beansprucht. Normalerweise weicht der Markt dann in die Esslinger Bahnhofstraße aus, doch hier machte die Baustelle der Kreissparkasse Esslingen-Nürtingen den Markthändlern einen Strich durch die Rechnung. Seit mehr als zwei Jahren wird dort an der neuen Hauptstelle gebaut, weswegen ein Bauzaun bis weit in die Bahnhofstraße ragt, der die Flächen blockierte.

Ein guter und schöner Standort

Im Jahr 2016, so erinnert sich der Esslinger Ordnungsamtsleiter Gerhard Gorzellik, hatte man eine Art geteilter Markt versucht und die Stände teils auf dem Bahnhofsvorplatz untergebracht teils in der oberen Bahnhofstraße. Doch bewährt hat sich das Konzept nicht, die meisten Leute hätten in der oberen Bahnhofstraße wieder umgedreht, anstatt weiter zum Bahnhofsplatz zu gehen.

Am Standort Ritterstraße sind nun alle Händler wieder vereint. Joachim Koschu, Sprecher der rund 30 Esslinger Marktbeschicker, hält die Ritterstraße für einen „guten und schönen Standort“. Allerdings sei man nur im alten Ausweichquartier Bahnhofstraße abgesichert. Würde man die Ritterstraße als dauerhaftes Ausweichquartier wählen, würde das einen großen Verwaltungsakt nach sich ziehen, mit etlichen gemeinderätlichen und behördlichen Entscheidungen.

Ein Problem haben die Marktbeschicker in der Ritterstraße allerdings: die Falschparker. Obwohl es keine ausgewiesenen Parkplätze gibt, würden dort immer wieder Autos am Straßenrand stehen. Das bedeutet, dass das Ordnungsamt an den Markttagen vielfach Autos abschleppen muss. Die Marktbeschicker können dann erst dementsprechend spät aufbauen und später mit dem Verkauf beginnen – mit den entsprechenden Einbußen am Umsatz. „Dabei haben wir am Eingang der Ritterstraße das größte Parkhaus in Esslingen“, sagt Joachim Koschu, der sich über das Verhalten der Parker nur wundern kann. Ebenfalls etwas schwieriger als in der Bahnhofstraße ist es, in der Ritterstraße, den Markt aufzubauen, weil es nur eine Zu- und eine Abfahrt gibt, weswegen die Wagen der Händler sehr diszipliniert ein und ausfahren müssen.

Zur Weihnachtszeit wird es eng

Für den Ordnungsamtsleiter Gerhard Gorzellik sind das lösbare Probleme, vor allem habe es in den Anfangszeiten in der Bahnhofstraße ebenfalls Probleme mit der Anfahrt und den Parkern gegeben. Was allerdings ein großer Nachteil für die Ritterstraße sei: in der Weihnachtszeit sei die Straße durch den Adventsmarkt belegt und falle als Ausweichquartier flach.

Warum sich die Akteure so sehr um den Esslinger Wochenmarkt bemühen, ist für Außenstehende vielleicht verwunderlich. Der Markt ist jedoch die älteste Esslinger Institution überhaupt und wird bereits im Jahr 866 in einer Urkunde erwähnt. Die beiden Markttage mittwochs und samstags gibt es seit 1522. Heutzutage werden am Marktplatz von 7 Uhr bis 12.30 Uhr vor allem Blumen und Lebensmittel verkauft.

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