Vor fast sieben Jahren hat Alexa Heyder ihre Stelle als Leiterin des Esslinger Kulturamts angetreten – jetzt ist sie überraschend ausgeschieden. Foto: Roberto Bulgrin

Überraschender Abgang in Esslingen: Kulturamtsleiterin Alexa Heyder verlässt ihr Amt. Aus dem Gemeinderat kommt Kritik am Vorgehen der Stadt.

Die Nachricht kam offenbar für viele überraschend: Die bisherige Esslinger Kulturamtsleiterin Alexa Heyder scheidet zum 30. September aus ihrem Amt aus. Sie befindet sich bereits seit Ende vergangener Woche im Urlaub. Bis Ende September leitet nun Bürgermeister Yalcin Bayraktar das Kulturamt kommissarisch. Manches Gemeinderatsmitglied sieht das Vorgehen der Rathausspitze in der Sache kritisch – und hätte sich mehr Beteiligung gewünscht.

 

Die städtische Sprecherin Nicole Amolsch teilt mit: „Frau Heyder hat sich entschieden, das Kulturamt Esslingen zu verlassen, um neue berufliche Wege einzuschlagen.“ Und: „Frau Heyder scheidet zum 30. September aus und befindet sich aktuell im Urlaub.“ Heyder, die seit Oktober 2019 das Esslinger Kulturamt leitete, ist telefonisch im Rathaus nicht erreichbar – auf E-Mail-Anfragen kommt eine automatisierte Antwort zurück mit dem Hinweis, dass sie vom 27. März bis zum 30. September diesen Jahres nicht im Büro sei.

Überraschende E-Mail: Kulturamtsleiterin verlässt Esslinger Rathaus

Mehrere Mitglieder des Gemeinderats berichten, sie hätten erst durch eine E-Mail des Oberbürgermeisters Matthias Klopfer am 26. März erfahren, dass die Kulturamtsleiterin ihre Stelle verlasse – und seien von dieser Nachricht überrascht worden. Von verschiedenen Seiten wird kolportiert, dass Stadtverwaltung und Kulturamtsleiterin sich einvernehmlich auf einen Auflösungsvertrag geeinigt hätten – genauere Gründe kenne man nicht.

Der CDU-Fraktionschef Tim Hauser berichtet: „Wir haben Spannungen wahrgenommen, können diese jedoch nicht näher bewerten.“ Sowohl seitens der Stadt als auch von Alexa Heyder aus habe ein Interesse daran bestanden, das Vertragsverhältnis zu beenden, so Hauser. Annette Silberhorn-Hemminger, Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, sagt: „Für mich kam das überraschend, ich wusste von nichts.“ Auch Martin Auerbach, Chef der Fraktion Linke/Für, betont: „Uns hat die E-Mail vom Oberbürgermeister kalt erwischt.“ Ebenso Hermann Beck (WIR/Sportplätze erhalten): „Das war nicht absehbar.“

Esslinger Stadträte kritisieren eine mangelnde Beteiligung

Die Sache an sich, also dass man sich auf Wunsch einer oder beider Seiten auf die Beendigung eines Arbeitsverhältnisses einigt, wird nicht kritisiert. Wohl aber die Art und Weise: „Aus unserer Sicht wurde der Gemeinderat sehr spät über eine Personalentscheidung von erheblicher Tragweite informiert“, kritisiert etwa Rena Farquhar, Vorsitzende der Fraktion FDP/Volt. Auch Martin Auerbach betont: „Laut Hauptsatzung müsste der Gemeinderat beteiligt werden.“ Zumal zu bedenken sei: „Hier werden sechs Monatsgehälter bezahlt ohne Leistung – und das bei knappen Kassen.“ Wohlgemerkt gehe es ihm bei seiner Kritik explizit nicht um die Person der Kulturamtsleiterin, sondern ausschließlich um das Verfahren.

Ähnlich sieht es Hermann Beck: Er frage sich, warum die Stadt bis Ende September zahle. „So viel Urlaub kann man gar nicht haben, was steckt dahinter?“, fragt Beck. Hier hätte der Gemeinderat beteiligt werden müssen, findet auch Beck – zumal in der aktuell finanziell höchst schwierigen Zeit. Wenn nicht umgehend die Einbindung des Gemeinderats in Aussicht gestellt werde, werde man das Prozedere vom Regierungspräsidium Stuttgart als Aufsichtsbehörde prüfen lassen, betonen Auerbach und Beck.

Am Vorgehen der Stadt gibt es kritik. Foto: borisb17 - stock.adobe.com

Carmen Tittel, Fraktionschefin der Grünen, sieht hingegen überhaupt kein Problem: Sie fühle sich ausreichend informiert und die Zustimmung des Gemeinderats sei eine reine Formalie – schließlich könne sich jeder Mitarbeitende beruflich weiterentwickeln, wie er wolle. Aus dem Rathaus heißt es, man wolle nun die Wiederbesetzung der Kulturamtsleitung auf den Weg bringen. Über Wiederbesetzungen bei Amtsleitungen entscheide grundsätzlich der Gemeinderat. „Wir werden eine entsprechende Vorlage ins Gremium einbringen“, so die Sprecherin Nicole Amolsch.