Der Umgang mit jungen Auszubildenden im Handwerk wird in Sozialen Medien oft angeprangert. Zwei Betriebe aus dem Kreis Esslingen zeigen, dass es auch anders geht.
Zwei Traditionsbetriebe aus dem Kreis Esslingen sind mit bundesweiten Preisen für ihre Nachwuchsarbeit ausgezeichnet worden. Das bundesweite Netzwerk Schulewirtschaft Deutschland würdigte das laut Mitteilung „herausragende Engagement“ der Schreinerei für Möbel und Innenausbau Ehle aus Deizisau und der E. Scharpf Holzbau aus Esslingen in der Kategorie kleine Betriebe bis 100 Beschäftigte.
„Wir laden Schulklassen zu uns in die Werkstatt ein, gehen aber auch an Schulen und auf Berufsmessen, um das Handwerk zu präsentieren“, sagt Katja Ehle. Die Förderung von Nachwuchs ist für die Schreinerei-Chefin eine Herzensangelegenheit. Seit 120 Jahren gibt es den Traditionsbetrieb, erst lange in Esslingen, nun schon seit 31 Jahren in Deizisau. „Wir vergessen unsere Tradition nicht, nehmen sie aber in die Zukunft mit“, so Ehle. Ein eigener Instagram-Account, moderne Arbeitsmaschinen vor Ort und ein wertschätzender Umgang: Ein Besuch in dem Betrieb macht deutlich, dass auch junge Menschen hier angesprochen werden sollen.
Image-Probleme im Handwerk
Preisträger Holzbau Scharpf aus Esslingen hat mit der Firma Hekate ein interaktives Format zur Berufsorientierung entwickelt, das bei Schülerinnen und Schülern der Jahrgangsstufe neun Interesse am Handwerk wecken soll. „Durch Mitmachen statt Zuschauen, durch offene Gespräche auf Augenhöhe mit Azubis – und durch einen erlebnisorientierten Zugang, der den Funken für ein tolles Berufsbild überspringen lässt“, erklärt der Traditionsbetrieb.
Mitmachen, Gespräche auf Augenhöhe, Wertschätzung. Es sind Begriffe, die beiden Handwerksfirmen wichtig sind. Und das nicht ohne Grund: „Das Handwerk kämpft mit Image-Problemen“, heißt es von Holzbau Scharpf. Comedy-Formate aber auch Erfahrungsberichte in den Sozialen Medien prangern die aus Sicht vieler jungen Menschen schlechten Arbeitsbedingungen in Handwerksbetrieben immer wieder an. Die Preisträger aus Esslingen und Deizisau zeigen mit ihrem Engagement um den Nachwuchs, dass es auch anders geht.