Nadja und Greta Thelau sowie Andreas Kars (von links) haben gemeinsam mit vielen Mitstreitern am Samstag Müll in der Innenstadt eingesammelt. Foto: Michael Steinert

Mehr als 3000 Menschen haben sich am Samstag an der Aktion „ES putzt“ beteiligt. Sie sammelten im gesamten Esslinger Stadtgebiet Unrat ein, den Mitmenschen zuvor achtlos weggeworfen hatten.

Esslingen - Das Kaugummipapierchen hier, der leere Pappbecher dort: Die Freiwilligen bei der 20. Frühjahrsaktion „ES putzt“ hatten am Samstag in Esslingen alle Hände voll zu tun. Stolze 107 Personen haben sich allein auf der Liste von Dagmar Bahr vom Bürgerausschuss Innenstadt angemeldet. „Es sieht ganz gut aus“, sagt sie, umgeben von Helfern in gelben Westen, während der Ausgabe der Arbeitsmaterialien auf der Maille. Stadtweit haben sich mehr als 3000 Menschen zur Putzete angemeldet.

Die Maille ist ein Hotspot der Vermüllung

Die Maille ist vor allem während der wärmeren Monate des Jahres ein Hotspot der innerstädtischen Vermüllung. Und die Optik des herumliegenden Unrats ist nur der harmlosere Teil des Problems. In unmittelbarer Umgebung der Spielplätze liegen regelmäßig Glasscherben. Offenbar werden geleerte Bier-, Sekt- und Wodkaflaschen nicht nur stehen gelassen, sie werden auch noch zertrümmert, was das Aufsammeln erschwert. Und dass sich spielende Kinder an den Scherben verletzten können, stört die Schmutzfinken scheinbar nicht.

Wie die Stadt dauerhaft sauberer werden könnte, darauf gibt es keine einfache Antwort. „Die Putzintervalle der Stadt werden ständig erhöht“, erklärt Joachim Blessing. Er ist ebenfalls vom Bürgerausschuss Innenstadt und koordiniert an diesem Vormittag gemeinsam mit Dagmar Bahr die Aktion im Zentrum. Warum so viele Menschen ihren Müll einfach in der Parkanlage liegenlassen, ist Blessing ein Rätsel. Mülleimer gibt es genug. Vielleicht sollte der Müll einfach einmal einige Tage nicht mehr eingesammelt werden, damit die Nutzer des Parks die Konsequenzen ihres Handelns selbst zu spüren bekommen. Andererseits würde eine vermüllte Maille dem Image der Innenstadt und den örtlichen Einzelhändlern schaden, gibt Joachim Blessing zu bedenken.

Bestraft werden könnte es schon heute, wenn jemand seinen Müll einfach auf den Boden wirft. Ob allerdings auch regelmäßig kontrolliert und Strafzettel ausgestellt werden, dahinter setzen sowohl Joachim Blessing als auch Dagmar Bahr ein großes Fragezeichen. „Es wird zu wenig kontrolliert“, ist Blessing überzeugt.

Im Jahr zuvor wurden 40 Kubikmeter Müll eingesammelt

Ein Ansatzpunkt für weniger Müll ist die Putzaktion „ES putzt“. Im vergangenen Jahr wurden bei der Aktion 40 Kubikmeter Müll in ganz Esslingen eingesammelt. Dass der Reinigungseffekt nicht lange anhält, ist den Teilnehmern bewusst. „Es hält einen Tag“, sagt Bahr. „ES putzt“ soll vor allem eine Bewusstseinsänderung bewirken. Zahlreiche Gruppen haben sich für die Aktion allein in der Innenstadt angemeldet. Unter ihnen sind der Türkische Kulturverein, die Ahmadiyya-Gemeinde, der Kindergarten Beutauklinge, der CDU-Stadtverband, das interkulturelle Netzwerk BuntES und die Esslinger Bildungsinitiative.

Unter den Helfern ist auch die Esslinger Ortsgruppe von Greenpeace. Für deren Sprecher Adrian Möss ist auch die zunehmende Verbreitung von Wegwerfartikeln eine Ursache der innerstädtischen Vermüllung. „Es gibt immer mehr Plastik-To-Go-Becher“, klagt er. Vom Kaffee, über den Salat zum Mittagessen bis zum Brötchen werden viele Produkte mit Einmalverpackungen verkauft. „Das Problem ist, dass zu viel Müll produziert wird“, erklärt Möss.

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