Ende April legte die Stadt Esslingen eine grobe Sparliste vor. Inzwischen geht es ans Eingemachte. Manches leuchtet ein, anderes wird weh tun, kommentiert Johannes M. Fischer.
Eine Hausbesitzerin in Esslingen wundert sich: Vor ihrem Grundstück verläuft ein zwei bis drei Meter breiter Grünstreifen der Stadt, der in der Vergangenheit auch mehrmals im Jahr gemäht wurde. In diesem Jahr auch, allerdings auf eine kuriose Weise: Entlang des Zaunes verläuft ein Streifen in der Breite eines Rasenmähers, der Rest blieb stehen. Ein Problem erkennt die Esslingerin darin nicht, aber irgendwie seltsam mutet das Bild schon an, weil sich der Sinn, sofern es einen gibt, nicht auf Anhieb erschließt. Schon gar nicht, weil wenige Tage später der Rest des Grünstreifens ebenfalls gemäht wurde.
Möglicherweise ist diese seltsame und unentschlossene Art zu mähen schon so eine Art Vorbote dessen, was noch kommt: Die Stadt versucht in den kommenden Jahren auf vielerlei Art und Weise Geld einzusparen. Wie genau, offenbart sie gerade in den Ausschüssen der Stadt, wo die Amtsleiter die Verkleinerung der Ämter und der Arbeit vorstellen. Über das Ratsinformationssystem gibt es einen öffentlichen Zugang zu den Unterlagen, die zwar nicht bis ins letzte Detail Auskunft über die Sparmaßnahmen geben, aber dennoch ein klares Bild zeichnen.
„Einsparungen durch Forcierung ökologischer Aufwertungen“
Vieles wird abgeschafft, wo man sich fragt, wozu es überhaupt da war. Anderes fällt weg, wo sich die Geister scheiden werden. Beispiel Grünschnitt: Da werden in einer der Präsentationen zwei Bilder gezeigt: ein pingelig geschnittener Rasen und eine bunte Wiese. Darüber steht: „Einsparungen durch Forcierung ökologischer Aufwertungen“. Einige werden das gut finden, bei anderen hinterlässt die Umdeutung von Sparmaßnahmen in einen vermeintlich ökologischen Nutzen wohl ein paar Fragezeichen auf der Stirn. Wieder andere werden es kritisch sehen und darin eine Verwahrlosung des Straßenbildes erkennen.
Schließlich wird es auch Maßnahmen geben, die deutlich spürbar sind und entweder direkt ans Geld gehen oder die allgemeine Lebensqualität in der Stadt verschlechtern. So heißt es: „Was gut besucht ist, wird gut gepflegt – vor allem die Grünanlagen in der Tallage“. Was das im Umkehrschluss bedeutet, kann sich jeder selber ausrechnen und wenn nicht, wird es vermutlich schon bald erkennbar werden. Ebenfalls ein wiederkehrendes Muster: Beratungen werden reduziert, etwa bei Immissionsschutzfragen und Serviceleistungen im Bereich der Geodaten. In Fällen wie diesen kann sich jede Bürgerin und jeder Bürger selbst fragen, ob beziehungsweise wann er oder sie eine solche Beratungsleistung in Anspruch genommen hatte und in Zukunft vermissen wird.
Eines ist klar: Am Sparen kommt die Stadt nicht vorbei. Sie kann dabei überflüssigen Ballast abwerfen. Dennoch wird es für die Bürger der Stadt wichtiger denn je, zu beobachten, was passiert: Wenn eine Stadt in einer gewissen Notlage zeigt, dass sie imstande ist zu handeln, ist das grundsätzlich gut. Aber nicht in jedem Detail durchdacht und sinnvoll. Sicherlich freut sich das Rathaus über jede Anregung von draußen.