Eine Überwachungskamera am Haus zeigt die Rehe in dem Esslinger Garten. Foto: privat

Drei Rehe spazieren durch den Garten eines Hauses in Esslingen. Der Besuch ist selten, sagt ein Experte. Eine Überwachungskamera nimmt die Szenen auf.

Es ist ein gewöhnlicher Morgen Anfang April in Esslingens Geschwister-Scholl-Straße. Im Haus von Familie Tsiakalos macht sich Frau Tsiakalos für die Arbeit bereit. Sie blickt aus dem Fenster – und erschrickt kurz, erzählt ihr Mann Kyriakos Tsiakalos. Warum? Durch den Garten des Hauses spazieren drei Rehe.

 

Oder sind es Junghirsche, rätselt der 61-Jährige? Zwei der drei Tiere haben Gehörn auf dem Kopf, wie auf den Aufnahmen von Überwachungskameras am Haus zu sehen ist. Thomas Hogenschurz, Sprecher der Jägervereinigung Esslingen, versichert: Es waren Rehe. „Zwei junge Böcke noch im Bast, und ein weibliches Stück – ohne Gehörn.“ Im Bast heißt, dass das Geweih noch nicht fertig ausgewachsen ist, erklärt der Experte. Der Bast ist eine Haut unter der sich das Geweih über die Monate hinweg bildet.

Rehe in Esslinger Gärten sind selten

Ob Junghirsch oder Reh: Für Familie Tsiakalos war es ein ungewöhnliches Schauspiel. Wildtiere habe das Paar zwar häufiger im Garten („wir haben einen Urwald“) aber diese drei Gäste seien bislang noch nicht zu Besuch gewesen. Dabei lebt die Familie seit 2011 in der Straße. „Direkt als ich eingezogen bin habe ich nachts die Haustür aufgemacht und einen Fuchs im Garten gesehen“, erzählt Kyriakos Tsiakalos. Auch Bussarde – „riesige Teile“ – hätten ihre Aussichtsposten auf den umliegenden Häusern und schon mehrere Tauben gerissen.

Trotzdem hat der 61-Jährige eine Vermutung, woher die drei Rehe stammen könnten: „Wahrscheinlich sind sie aus Richtung Jägerhaus aus den Wälder gekommen.“ Ein paar Minuten seien die Rehe im Garten gewesen, auf die dortige Hecke getroffen und wieder abgezogen. Ist das normal? „Dass sich Wildtiere in die Nähe von Häuser ‚verirren‘, kommt selten vor, ist aber nicht ungewöhnlich“, sagt Hogenschurz. „Die Wildtiere haben sich an Menschen gewöhnt und mögen das Nahrungsangebot in den Vorstadtgärten.“

Zwei der drei Tiere waren junge Böcke - sie befinden sich derzeit im Bast. Foto: privat

Was tun, wenn ein Reh im Garten ist?

Und wie sollte man sich verhalten, wenn ein Reh in den eigenen Garten läuft? Die Rehe richteten in der Regel keinen Schaden an, deshalb könne man sich ruhig „an ihrem Anblick erfreuen“. Wer dennoch Angst bekomme, könne die Tiere mit lautem Rufen leicht vertreiben. Anzuraten ist das aber weniger, da „das Wild dann oft panisch reagiert, auf die Straße läuft oder sich in Zäunen verfängt.“ Dann lieber selbst kurz erschrecken - und erfreuen.