Die Schlager-Combo „Ela und die Herzensbrecher“ plant eine Straßenmusik-Tour für den Amsel-Verein. Sängerin Ela Kirchner genießt das Leben trotz der Diagnose Multiple Sklerose.
In ihrem gemeinsamen Zuhause im Esslinger Stadtteil Sirnau sind Ela Kirchner und Buddy Bosch derzeit eifrig am Planen: Die Sängerin und der Musiker werden im Frühjahr mit ihrer Combo „Ela und die Herzensbrecher“, die sich den Schlagern der 50er- und 60er-Jahre verschrieben hat, für den guten Zweck auf die Straße gehen. Aus Anlass des Welt-Multiple-Sklerose-Tages am 30. Mai werden sie an vier Tagen in verschiedenen Städten Straßenmusik machen.
Die Spenden aus dem Hut, den das Quartett herumgehen lässt, erhält die „Aktion Multiple Sklerose Erkrankter, Landesverband Baden-Württemberg e.V.“ – kurz Amsel. „Wir möchten mit dieser kleinen Straßenmusiktour auch für die Krankheit Multiple Sklerose sensibilisieren“, sagt Frontfrau Ela Kirchner, die seit vielen Jahren an dieser chronischen Entzündungserkrankung leidet, die die Nerven des Gehirns und des Rückenmarks angreift.
„Ich hatte immer das Gefühl, ich muss das geheim halten – und das hat mir nicht gut getan.“
Ela Kirchner hat im Jahr 2004 die Diagnose MS erhalten
Die Sängerin, die die Diagnose 2004 erhalten hat, hat ihre Erkrankung lange verschwiegen: „Ich habe mit Nachteilen gerechnet, im persönlichen Umfeld, im beruflichen Bereich, auf der Bühne. Ich hatte immer das Gefühl, ich muss das geheim halten – und das hat mir nicht gut getan.“ Erst als ihre Gehbehinderung nicht mehr zu übersehen war, ging sie in die Offensive und machte ihre Erkrankung öffentlich. „Das war für mich eine Offenbarung. Offen darüber zu reden, mit meiner Geschichte anderen Mut und Kraft und Zuversicht zu geben – das bedeutet mir viel“, sagt sie heute. Ganz selbstverständlich engagiert sie sich in der Esslinger Amsel-Kontaktgruppe: „Hier kommen Betroffene und Angehörige ins Gespräch, hier werden Fragen beantwortet und Tipps gegeben. Man unterstützt sich, aber wir haben auch einfach zusammen Spaß.“
Esslinger Sängerin muss inzwischen im Sitzen auftreten
Weil ihr längeres Stehen schwer fällt, sitzt Ela Kirchner auf der Bühne mittlerweile vor dem Mikrofon. Mit ihrer Gesangslehrerin hat sie daran gearbeitet, dass sie auch im Sitzen immer ausreichend Raum, Freiheit und Atem fürs kraftvolle Singen hat. Für längere Gehstrecken ist sie seit einiger Zeit auf den Rollstuhl angewiesen: „Die Angst vor dem Rollstuhl hing immer wie ein Damoklesschwert über mir. Heute kann ich sagen: Der Rollstuhl ist nicht das Ende, sondern ein ganz neuer Anfang“, strahlt sie übers ganze Gesicht und erzählt von Konzertbesuchen, Ausflügen, Abenden auf dem Weihnachtsmarkt und Training im Fitnessstudio, wo sie sich gerade auf ihren ersten Hyrox-Wettkampf vorbereitet, bei dem sie ihre Kraft und Ausdauer unter Beweis stellen will. Begeistert erzählt sie: „Ich habe in speziellen Rollstuhlkursen gelernt, aktiv zu fahren. Das erhöht die Selbstständigkeit und ermöglicht mehr Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.“ Buddy Bosch, mit dem sie seit fünf Jahren verheiratet ist und den man als Musiker von der Kehrwoch-Mafia, den Muggabatschrn und der Schwobakomede kennt, ergänzt: „Der Rollstuhl eröffnet ganz neue Möglichkeiten. Wir haben dadurch viel Freiheit wiedergewonnen.“
Das Ehepaar, das auch als Duo „Buddy & Ela“ mit schwäbisch neu betexteten 50er- und 60er-Jahre-Songs erfolgreich ist, will Erkrankte und ihre Angehörigen ermutigen: „Im Gespräch mit anderen Betroffenen erfahren wir immer wieder von Ängsten und Verunsicherung: Wie geht es weiter? Was kommt auf mich zu? Wir zeigen: Es geht anders weiter, aber es geht weiter. Wir lassen uns durch MS nicht aufhalten. Man kann auch weiter Freude im Leben haben und Dinge tun, die Spaß machen.“ Mit ihrem neuen Projekt „Ela und die Herzensbrecher“ sind die beiden gemeinsam mit ihren beiden Mitstreitern Hardy Fritsch und Manne Stauss richtig durchgestartet mit Konzerten in ausverkauften Hallen, begeisterten Kritiken, Radio-Interviews, einem TV-Auftritt bei Andy Borgs „Schlagerspaß“ und mehr als 100 000 monatlichen Streams ihrer Songs.
Eine akustische Herausforderung steht den Esslinger Musikern bevor
„Ela und die Herzensbrecher“ werden für die Amsel übrigens zum ersten Mal Straßenmusik machen: Handgemacht, ohne Technik, nur mit Stimme und – rein akustisch – Gitarre, Akkordeon und Bass. „Da zeigt sich, ob man es kann“, grinst Buddy Bosch, der früher schon als Straßenmusiker unterwegs war. „Bei vier Gesangsstimmen muss man gut aufpassen, dass man aufeinander hört, dass die tiefen Männerstimmen die Frauenstimme nicht übertönen. Die Instrumente müssen dynamischer gespielt werden als auf der Bühne oder im Studio. Auf der Straße ist jeder kleine Fehler zu hören. Und man muss die Leute überzeugen, stehen zu bleiben, sonst gehen sie einfach weiter.“ Sie freuen sich auf die kleine Straßenmusik-Tournee, bei der sie einmal mehr zeigen wollen, was sie draufhaben, wie Buddy Bosch betont: „Heute hört man immer häufiger durch Künstliche Intelligenz generierte Musik. Wir spielen zu 100 Prozent live, wir beherrschen unsere Instrumente und unsere Stimmen. Und wir lieben, was wir tun. Unsere Musik kommt von Herzen.“
Eine Krankheit mit 1000 Gesichtern
Multiple Sklerose
MS ist eine chronisch-entzündliche Nervenerkrankung, die das Zentrale Nervensystem betrifft. Entzündungsherde treten dabei an unterschiedlich vielen (multiplen) Orten auf und können zur Narbenbildung (Sklerose) führen. MS kann bisher nicht geheilt, aber behandelt werden. Die Erkrankung verläuft bei jedem Menschen unterschiedlich. Deshalb wird MS auch „die Krankheit mit den 1000 Gesichtern“ genannt. Je nachdem, welche Nervenfasern betroffen sind, treten unterschiedlichste Beschwerden auf.
Straßenmusik-Tour
„Ela und die Herzensbrecher“ werden am 27. Mai in Stuttgart bei der Informationsveranstaltung zum Welt-MS-Tag vor der BW-Bank zu hören sein, bevor sie am 28. Mai in Villingen und in Rottweil, am 29. Mai in Horb und in Rottenburg und am 30. Mai in Kirchheim und in Esslingen als Straßenmusiker aufspielen.
Konzert
Wer das Quartett mit seinen Songs aus den 50er- und 60er-Jahren von Peter Alexander, Connie Francis, Caterina Valente und vielen anderen vorher noch einmal live erleben möchte, hat am 17. Januar um 20 Uhr im Schlachthofbräu Nürtingen die Gelegenheit dazu. Tickets dafür gibt es bei Reservix, weitere Informationen unter: www.ela-herzensbrecher.de