Auch auf der Deponie Ramsklinge kassiert der Landkreis, wenn auch nur die Miete. Den Strom erntet ein Investor. Foto: Horst Rudel/Archiv

Die Vereine, die für den Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Esslingen Altpapier sammeln, bekommen einen Zuschlag. Und der Landkreis freut sich über die Rendite, die seine Photovoltaikanlagen einspielen.

Esslingen - Die Altpapiersammlung ist ein fester Termin im Jahreskalender der mittlerweile 106 Vereinen im Kreis Esslingen. Ein Termin, der mit einem dicken roten Ausrufezeichen versehen sein dürfte, denn im vergangenen Jahr hat sich der Einsatz der Altpapiersammler besonders gelohnt. Der Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises hat, zusätzlich zu der Garantievergütung von 35 Euro pro Tonne, einen Bonus von 15 Euro pro Tonne ausgeschüttet.

„Die Vereine partizipieren am erfreulich hohen Marktpreis für Altpapier“, sagt der AWB-Geschäftsführer Manfred Kopp. In den Jahren zuvor hatte der Bonus lediglich zehn Euro betragen. Unterm Strich haben die Vereine im vergangenen Jahr rund 100 000 Euro eingenommen. „Den Bonus haben sich die Vereine verdient. Sie können sich aber auch in schlechten Zeiten auf den Garantiepreis von 35 Euro verlassen, selbst wenn wir draufzahlen müssten. Schließlich wollen wir, dass die Vereine bei der Stange bleiben“, sagt Kopp. Die Liste der Papiersammler, auf die sich der Abfallwirtschaftsbetrieb schon seit Jahre verlässlich stützen kann, bildet laut Kopp die bunte Vereinslandschaft im Kreis Esslingen ab. Von der DLRG über das evangelische Jugendwerk, den Liederkranz, die Fußballjugend bis hin zur Jugendfeuerwehr sind Helfer unterwegs, um Altpapier zu sammeln.

Am Abfallwirtschaftsbetrieb bleiben pro Tonne Altpapier 50 Euro hängen

Die Vereinsmitarbeiter haben im vergangenen Jahr 5466 Tonnen bereit gestellte Zeitungen und Kartonagen vom Straßenrand weggesammelt. An den Recyclinghöfen sind im gleichen Zeitraum 5270 Tonnen abgeben worden. Den Löwenanteil des Altpapieraufkommens sammelt der Abfallwirtschaftsbetrieb über die Papiertonne ein. Knapp 30 000 Tonnen Altpapier sind im vergangenen Jahr in die blauen Tonnen der Haushalte gesteckt worden. „Der Bruttoerlös für eine Tonne hat im Jahr 2016 rund 90 Euro betragen. Davon bleiben nach Abzug der Logistikkosten etwa 50 Euro bei uns hängen“, sagt Kopp.

Das verkaufte Altpapier werde über verschiedene Verwertungskanäle in die ganze Welt hinaus, bis China, verschickt – nicht selten auch für Zwecke, die sich dem Laien nicht auf den ersten Blick erschließen. „Ich weiß, dass nicht mehr benötigte Frachtschiffe auf ihrem letzten Weg zum Abwrackplatz mit Altpapier beladen werden, damit sie für die Überfahrt den nötigen Tiefgang haben“, sagt Kopp.

Weg vom reinen Entsorger, hin zum Versorger

Die Jahresbilanz des Abfallwirtschaftsbetriebs macht nicht nur den Vereinen große Freude. Seit Jahren sorgt der Rechenschaftsbericht Kopps, ebenso wie der seines im Juli 2013 in Ruhestand gegangenen Vorgängers Rolf Hahn, im zuständigen Kreistagsausschuss für Technik und Umwelt für zufriedene Gesichter. Das hängt eng zusammen mit der Ausrichtung des Betriebs vom reinen Entsorger weg, hin zu einem Versorger.

Die Fotovoltaik-Anlagen, mit deren Bau und Betrieb der AWB vor gut zehn Jahren auf dem Dach des Kompostwerks in Kirchheim Neuland beschritten hat, spülen inzwischen reichlich Geld in die Kasse. Das in Anlagen auf dem Kompostwerk-Dach, auf der Plochinger Deponie Weißer Stein und eines kreiseigenen Gebäudes in der Kirchheimer Seminarstraße investierte Geld verzinst sich pro Jahr im Schnitt mit vier Prozent. „Hätten wir das Geld auf der Bank, würden wir gar nichts bekommen“, sagt Kopp. Auf drei Hektar der stillgelegten Flächen der Deponie Weißer Stein produzieren die Fotovoltaik-Module eine Leistung von rund 1,5 Megawatt. Über Umwege profitiert der Abfallwirtschaftsbetrieb auch von der Sonnenenergie, die auf der Deponie Ramsklinge bei Filderstadt eingefangen wird. Dort erntet ein Investor, der AWB kassiert lediglich die Miete.

Unterm Strich können die AWB-Kunden im Kreis Esslingen auch im kommenden Jahr mit gleichbleibenden Müllgebühren rechnen. Das ist umso erfreulicher, als dass der Kreis Esslingen in der vom baden-württembergischen Umweltministerium geführten Rangliste der Müllgebühren den ehrenvollen letzten Platz belegt.

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