Es geht mal wieder um den Alicensteg – jetzt um die Frage, ob der Radschnellweg über die Brücke führen soll oder nicht. Foto: /Ines Rudel

Noch immer wird an der Route für die Radverbindung auf Esslinger Gemarkung getüftelt. Jetzt geht es um die Streckenführung zwischen Alicensteg und Stuttgart. Während verschiedene Varianten erarbeitet werden, wird die Planung für den Neckaruferpark vorangetrieben.

Esslingen - Die Planung der Radschnellweg-Trasse auf Esslinger Gemarkung ist immer noch nicht in trockenen Tüchern. Zwar hat der Mobilitätsausschuss im Dezember für die Vorzugstrasse zwischen Deizisau und Alicensteg grünes Licht gegeben, doch jetzt steht noch die Entscheidung über die weitere Streckenführung auf Esslinger Gemarkung bis nach Stuttgart aus. Diese hat auch Auswirkungen auf den geplanten Neckaruferpark, schließlich würde eine Radroute am Nordufer diesen durchqueren. Ungeachtet dessen wird die Planung für den Bau des Parks weiter vorangetrieben.

 

Bislang sei es noch kein Problem, dass die Radtrasse noch geprüft werde, sagt Baubürgermeister Hans-Georg Sigel. Denn aktuell seien noch viele technische Fragen in Bezug auf den Neckaruferpark zu klären, die nichts mit dem Radschnellweg zu tun hätten, etwa zum Thema Hochwasserschutz. Zudem wolle sich der Bund als wichtiger Förderer des Neckaruferparks in nächster Zeit einen detaillierten Überblick über die konkreten Vorhaben dort und deren Kosten verschaffen – auch das werde noch etwas Zeit in Anspruch nehmen. Im Übrigen sei die Route für den Radschnellweg in den Planungen für den Park berücksichtigt. Daher könne mit dem Bau des Neckaruferparks begonnen werden – sollte die Radtrasse doch nicht durch den Park führen, werde es dort eben einen schmaleren Radweg und mehr Grün geben.

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Unterdessen heißt es vom Regierungspräsidium Stuttgart (RP), das den Radschnellweg federführend plant, dass man bis zum Sommer eine eingehende Betrachtung der verschiedenen Varianten für den Abschnitt zwischen Alicensteg und Stuttgarter Gemarkung erarbeiten wolle. Grundsätzlich in Betracht kämen dabei eine Führung des Radschnellwegs nördlich oder aber südlich des Neckars sowie Flussquerungen an verschiedenen Stellen.

Der Esslinger Mobilitätsausschuss hat mit seinem Ja zur Vorzugsvariante der Planer nämlich nur einer Trasse am Südufer des Neckars von Deizisau bis zum Alicensteg zugestimmt. Damit war jedoch noch kein grünes Licht für die Ertüchtigung des Alicenstegs verbunden. Denn vor allem die SPD drängte darauf, die Vor- und Nachteile eines Brückenschlags weiter neckarabwärts zuvor eingehend zu untersuchen. Daher einigte man sich im Mobilitätsausschuss darauf, die weitere Streckenführung zwischen Alicensteg und Markungsgrenze Stuttgart erst nach einem detaillierten Variantenvergleich der Möglichkeiten auf der Süd- und Nordseite festzulegen.

Welche Route ist besser für die Radler?

Nicolas Fink, SPD-Fraktionschef im Esslinger Gemeinderat, betont: „Bei diesem auf Langfristigkeit angelegten Projekt sollte man keinen Fehler machen.“ Zwar spreche für die Führung des Radschnellwegs über den Alicensteg, dass die Sanierung oder der Neubau des Stegs dann wohl vom Land mitfinanziert werde. Aber angesichts möglicherweise massiver Eingriffe in den Merkelpark sowie des großen Platzverbrauchs durch den Radschnellweg im recht schmalen neuen Neckaruferpark, der eigentlich als Naherholungsgebiet vorgesehen sei, sei es wichtig, auszuloten, ob nicht doch eine bessere Route für die Radler möglich sei.

Zudem müsse die Frage erlaubt sein, ob es nicht Brückenbauwerke gebe, die wichtiger seien und mehr Potenzial hätten als der Alicensteg, so Fink. Um das beurteilen zu können, bedürfe es aber vertiefter Darstellungen. Gleichwohl könne die SPD nicht die Augen davor verschließen, dass die Machbarkeitsstudie für den Radschnellweg keine ideale Route über die Pliensauvorstadt ausweise. Insofern spreche durchaus einiges dafür, den Radschnellweg über einen sanierten oder aber neuen Alicensteg zu führen.

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Für das RP zeichnet sich nach eigenen Angaben schon jetzt ab, dass bei einer Trasse durch die Pliensauvorstadt die Qualitätsstandards für Radschnellverbindungen nicht eingehalten werden könnten. Zu groß schätzt man hier die Zeitverluste wegen zahlreicher Kreuzungen, Konflikten mit dem Autoverkehr sowie Engstellen ein. Hinzu komme, dass man am Südufer teilweise ein Landschaftsschutzgebiet queren müsse. Bei einer Route über den Alicensteg hingegen könnten Synergien genutzt werden, da der sanierungsbedürftige städtische Steg ohnehin erneuert werden solle. Zudem könne mit der Weiterführung nördlich des Neckars der Bahnhof Esslingen als multimodaler Umsteigepunkt wesentlich besser an die Radschnellverbindung angebunden werden als bei einer Trasse entlang des Südufers.

Dennoch wolle man auf Wunsch aus Esslingen noch im ersten Halbjahr dieses Jahres eine eingehenden Betrachtung der möglichen Varianten für die Strecke zwischen Alicensteg und Stuttgarter Markung vorlegen, heißt es aus dem RP. Was dann daraus wird, bleibt abzuwarten.

Die Projekte

Radschnellweg
 Der Radschnellweg RS 4 ist eines von drei Pilotprojekten des Landes Baden-Württemberg. Er ist mit einer Länge von etwa 20 Kilometern geplant und soll von Reichenbach über Plochingen und Esslingen nach Stuttgart führen. Schon lange wird mit den betroffenen Kommunen um die beste Trassenführung gerungen. Auf Esslinger Gemarkung hatte man zunächst eine Route am Nordufer von Altbach bis in die Innenstadt favorisiert, Ende des vergangenen Jahres aber auf die Vorzugstrasse südlich des Neckars zwischen Deizisau und dem Alicensteg umgeschwenkt. Nun geht es um die Fortführung vom Alicensteg nach Stuttgart.

Neckaruferpark
 Seit zwei Jahrzehnten gibt es Überlegungen, die Esslinger Weststadt mit einem Park am Neckarufer aufzuwerten. Lange fehlten jedoch die Voraussetzungen dafür. Erst seit die Stadt im Jahr 2018 ein etwa zwei Hektar großes Gelände von der Bahn erwerben konnte, geht es bei dem Projekt voran. Für die Umgestaltung der Fläche in ein Naherholungsgebiet kalkuliert die Stadt 8,7 Millionen Euro ein, der Bund hat 2,4 Millionen Euro Zuschuss zugesagt.