Esslingen/Ostfildern Wertschätzung für das Ehrenamt

Von Wolfgang Berger 

Ehrenamtliche des  Freundeskreises Asyl Ostfildern kümmert sich um Flüchtlinge. Foto: Horst Rudel
Ehrenamtliche des Freundeskreises Asyl Ostfildern kümmert sich um Flüchtlinge. Foto: Horst Rudel

Der „Staatsanzeiger“ zeichnet zwei Initiativen aus dem Landkreis als „Leuchttürme der Bürgerbeteiligung“ aus. Sie engagieren sich in der Flüchtlingshilfe.

Esslingen/Ostfildern - Ein zweiter und ein dritter Platz: Zwei Initiativen für Flüchtlinge in den Städten Esslingen und Ostfildern haben es beim Wettbewerb „Leuchttürme der Bürgerbeteiligung: Kultur des Miteinanders – gelebte Gemeinschaft“ des „Staatsanzeigers“ aufs Treppchen geschafft. Verbunden damit sind Geldpreise, vor allem aber eine Wertschätzung des Engagements in der Flüchtlingshilfe.

Flüchtlinge lernen demokratische Spielregeln kennen

Der zweite Platz in der Kategorie Städte mit mehr als 75 000 Einwohner geht an den Arbeitskreis Miteinander.Bürgerengagement für Asylsuchende Esslingen Innenstadt/Weststadt. Etwa 60 Ehrenamtliche betreuen hier rund 100 Asylbewerber, die im Containerdorf in der Fleischmannstraße untergebracht sind. Das Projekt „Das Miteinander gestalten“ konzentriert sich auf die Vermittlung der deutschen Sprache und demokratischer Spielregeln.

Die Flüchtlinge werden als künftige Bundesbürger angesehen. „Daher ist es wichtig, dass sie frühzeitig die demokratischen Formen der Mitbestimmung und der Konfliktlösung lernen und leben“, erklärt Josef Schreiber, der gemeinsam mit Gerhard Rais die Sprachgruppe leitet.

Kulturzentrum soll Treffpunkt für alle werden

Zusammen mit den Ehrenamtlichen haben die Asylbewerber in der Fleischmannstraße einen Camprat gegründet, der die Interessen von Flüchtlingen nach außen vertritt und präventiv wirken soll, damit Konflikte in der Gemeinschaftsunterkunft erst gar nicht entstehen oder schon in einem frühen Stadium beigelegt werden. Geplant ist ein Kulturzentrum, das im Containerdorf eingerichtet werden soll. Es soll ein Ort gleichzeitig des Lernens, der Information und der Kommunikation sein. Vom 23. September an lädt die ehrenamtliche Initiative die Esslinger Bürger zu der Programmwoche „Kein Mensch ist illegal“ auf.

Ein Ort des Lernens und der Begegnung ist auch das inzwischen abgeschlossene Projekt Wifibox gewesen, mit dem der Freundeskreis Asyl Ostfildern beim Wettbewerb in der Kategorie Städte von 20 000 bis 75 000 Einwohner den dritten Platz erreicht hat. Im Scharnhauser Park konnten in der von der Firma DAT gesponserten Anlaufstelle 21 Monate lang Flüchtlinge die Wifibox nutzen. Abends hatten die Container mehrere Stunden lang geöffnet. Freies Wlan gab es täglich von 7 bis 22 Uhr. Die regelmäßig bis zu 30 Besucher surften nicht nur privat im Internet, sondern nutzten die Infrastruktur um die deutsche Sprache zu lernen. Das konnten die Männer direkt am PC mit einer speziellen Lernsoftware tun.

Asylbewerber lernen am Computer Deutsch

Die Wifibox war darüber hinaus auch Schnittstelle für viele Alltagsfragen. Die Ehrenamtlichen vom Freundeskreis Asyl halfen beispielsweise bei der Vorbereitung auf Anhörungen, beim Schreiben von Lebensläufen und Bewerbungen oder engagierten sich in der Hausaufgabenbetreuung und bei der Wohnungssuche.

„Wir haben mit einer Auszeichnung gar nicht wirklich gerechnet“, sagt Nathalie Stengel-Deroide, die bei der Stadt Ostfildern die Flüchtlingshilfe koordiniert und ein Scharnier zwischen Haupt- und Ehrenamt bildet. Natürlich freue sich der Freundeskreis über die mit dem Preis verbundenen 500 Euro – im Falle Esslingens sind es 1000 Euro. Am wichtigsten sei die Auszeichnung aber als Zeichen der Wertschätzung. Der Einsatz der Ehrenamtlichen für eine gute Sache werde damit für die Öffentlichkeit sichtbarer.

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