In einer Gemeinschaftsschule kommt es vor allem auf heterogene Schülerschaft an. Foto: dpa

Die CDU in Esslingen kämpft für den Erhalt von Realschule, Werkrealschule sowie Gymnasien und gegen die Gemeinschaftsschule mit einer gymnasialen Oberstufe. Warum?

Esslingen - Für den Erhalt von Realschule, Werkrealschule sowie Gymnasien und gegen die Gemeinschaftsschule mit einer gymnasialen Oberstufe kämpft die Esslinger CDU. Sie hatte zur Podiumsdiskussion am Dienstag im Alten Rathaus keinen einzigen Befürworter der Hochschulreife via Gemeinschaftsschule eingeladen. Gegenrede gab es nur aus dem etwa 50 Personen bestehenden Zuhörerkreis, der zumeist aus Lehrern, Gemeinderäten und engagierten Eltern bestand. Es war auch eine Gegenveranstaltung zu einer vorhergehenden Diskussionsrunde der SPD, bei der nur die Befürworter das Sagen hatten.

Der Philologenverband rät ab

Am deutlichsten und vielleicht auch am provokantesten formulierte Ralf Scholl, der Landesvorsitzende des Philologenverbandes, die Haltung des Podiums. „Eine gymnasiale Oberstufe an der Gemeinschaftsschule ist sinnlos und nutzlos“, sagte er. Er riet allen Eltern ab, ihre Kinder an solch einer Gemeinschaftsschule anzumelden, vor allem deswegen, weil die Oberstufen zu klein seien. Die Schulen könnten aus Lehrermangel gar nicht alle Kurse anbieten. Ein komplizierter Stundenplan und Fahrten zu anderen Schulen kämen da auf die Schüler zu. Außerdem gebe es in Baden-Württemberg bereits genügend Angebote über den zweiten Bildungsweg, an denen man das Abitur nachholen könne.

Dem pflichtete Karin Broszat bei, die Landesvorsitzende des Realschullehrerverbandes. Warum sich die Gemeinschaftsschule in Baden-Württemberg nicht durchgesetzt habe, liege an den Eltern. Sie hätten ihre Kinder eben unverdrossen an den Realschulen angemeldet.

Helmut Kleinböck, der Landesvorsitzende des Berufschulverbandes, ärgerte sich darüber, dass die Gemeinschaftsschulen vom Land mehr Geld bekommen hätten als die beruflichen Schulen, obwohl diese Schulen mit ihrem Maschinenparks einen höheren Finanzbedarf hätten. Für jene, die nicht den Weg über ein allgemeinbildendes Gymnasium einschlügen, sei das berufliche Gymnasium der Hauptweg zur Hochschulreife, den 30 Prozent aller Studenten in Baden-Württemberg einschlügen.

Spätestens da rumorte es in Teilen des Publikums mit Kopfschütteln und Gegenreden. Ein älterer Mann sagte, dass Länder, in denen es eine Grundschule bis zur achten Klasse und damit ein viel längeres gemeinsames Lernen gebe, in der Pisa-Stude vergleichsweise gut dastünden. Eine Frau insistierte: „Es geht hier nicht darum, dass die alten Schulen ihre Pfründe verteidigen. Geben Sie der Gemeinschaftsschule eine Chance!“, forderte sie. Klar war, die Eltern empfinden eine Gemeinschaftsschule mit Oberstufe als Bereicherung der Esslinger Schullandschaft.

Zu wenig Schüler

Nicht nur Meinungen wurden an diesem Abend präsentiert, sondern auch Zahlen. Nach den Erkenntnissen von Karin Broszat sei die Schülerzahl an den Gemeinschaftsschulen insgesamt zu niedrig. Nach ihren Erkenntnissen sei bereits die Hälfte aller Gemeinschaftsschulen im ganzen Land nicht mehr genehmigungsfähig.

Was die gymnasiale Oberstufe betrifft, gibt es in Baden-Württemberg nur Erfahrungen in den beiden Gemeinschaftsschulen in Konstanz und in Tübingen. Hier zeigte sich, dass nur zwei Drittel aller Kinder, die für die gymnasiale Oberstufe vorgesehen waren, tatsächlich auch zugelassen wurden. Eine Tatsache, die den Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer veranlasste, sich per Brief an das Kultusministerium zu wenden, mit der Forderung, die Kriterien zur Zulassung zu ändern. Das Esslinger Podium jedenfalls hätte ihm diese Forderung nicht erfüllt. Die Ansprüche des traditionellen Gymnasiums sollten erhalten bleiben.

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