Bereits jetzt müssen die Autofahrer in der Geiselbachstraße langsam fahren, damit der Kanal nicht einstürzt. Foto: Horst Rudel

Unter der Geiselbachstraße bröckelt es. Das hundert Jahre alte Gewölbe über dem Kanal gibt nach und würde in den nächsten Jahren einstürzen. Die geplante Sanierung bedeutet aber, dass die Straße rund 15 Monate gesperrt werden muss.

Esslingen - Von oben sieht man nicht allzu viel: Nur dass sich hin und wieder mal ein Schlagloch senkt, oder dass der Asphalt Risse bekommt. Die meisten Autofahrer wissen zwar, dass die Geiselbachstraße zu den Hauptverkehrsstraßen in Esslingen zählt, den wenigsten aber dürfte bewusst sein, dass die Straße ein mehr oder weniger überbauter Kanal ist. Ein Kanal, der vor 100 Jahren gemauert wurde, und der jetzt am Ende seiner Lebensdauer angelangt ist. Nach Schätzungen der Fachleute wird er vermutlich nicht einmal mehr den Winter 2019/2020 überstehen. Deswegen muss er für sieben Millionen Euro saniert werden und bleibt vom nächsten Jahr an für 15 Monate gesperrt.

Der Kanal wird komplett überflutet

Was der Esslinger Tiefbauamtsleiter Uwe Heinemann in der Sitzung des Bauausschusses am Montag zeigte, war erschreckend. Steine des Gewölbes hängen heraus, Mörtel hat sich aufgelöst, der Sandstein bröckelt. Die mit der Inspektion beauftragte Firma ISAS hat zwar die unzähligen Schäden akribisch aufgelistet, aber Heinemann verzichtete darauf, sie alle zu benennen.

Bereits jetzt wird der Kanal bei sehr starkem Regen komplett überflutet, die 200 Anschlussleitungen, die in den Kanal dringen, sind ebenfalls stark schadhaft und viele davon müssen erneuert werden. Immerhin entwässert der Geiselbach das gesamte Gebiet zwischen den Stadtteilen Rüdern, Neckarhalde und Hohenkreuz.

In den nächsten Tagen beginnen die Vorarbeiten. Vom 14. bis zum 16. Februar wird die Geiselbachstraße gesperrt, und mit Baustahlmatten abgedeckt, die ­asphaltiert werden. Damit bleibt der Kanal stabil genug, um die kommende Zeit zu überstehen. Wenn die Planungen abgeschlossen sind, immerhin müssen die 200 Anschlüsse, die von den Häusern und den Kanaldeckeln kommen, eingemessen werden, wird die Geiselbachstraße vom 19. März an eine Einbahnstraße. Talwärts kann man dann noch fahren, bergauf muss man über den Hirschlandkopf. Im Juni nächsten Jahres wird die Straße 15 Monate lang komplett gesperrt.

Die Bauarbeiten lassen sich nicht beschleunigen

Die Bauarbeiten lassen sich nicht beschleunigen. Wegen der Wohnhäuser am Straßenrand dürfen die Bauarbeiter nicht in drei Schichten arbeiten. Sie könnten es auch nicht, weil ihnen die Leute dazu fehlen. Überdies hat die Stadt auch nicht das Geld, um Sonderschichten zu finanzieren. In den 15 Monaten sind auch mögliche Unterbrechungen mit eingeplant. Zum einen hat wie bei allen Bauarbeiten in der Esslinger Altstadt das Denkmalamt ein Wörtchen mitzureden, zum anderen muss die Baustelle ruhen, wenn es stark regnet, und der Kanal wieder überflutet wird. Die Baukosten belaufen sich auf rund 7,2 Millionen Euro, davon entfallen 2,3 Millionen auf den Straßenbau und 4,9 Millionen auf die Kanalsanierung.

Besonders kompliziert ist es, den Busverkehr aufrecht zu erhalten. Hier sind die Planungen noch nicht abgeschlossen, wie Uwe Heinemann ausführte. Eine Möglichkeit wäre, die Busse auf einer separaten Busspur entlang der Umleitungsstrecke fahren zu lassen, eine andere Möglichkeit wäre, die Busse über Obertürkheim und Uhlbach zu lenken – vorausgesetzt die Stuttgarter Stadtverwaltung kann sich mit dem Plan anfreunden.

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