Esslingen Mehrheit für das Dach in Sicht

Von Kai Holoch 

So soll das Dach des Büros Sobek aussehen. Foto: Rudel
So soll das Dach des Büros Sobek aussehen. Foto: Rudel

Die Chancen für ein Dach über dem zentralen Omnibusbahnhof in Esslingen steigen. Die Freien Wähler haben ihre Meinung geändert.

Esslingen - Es kann doch nicht sein, dass man an vielen Stellen in der Stadt um Beträge von 10 000 Euro ringt und dann ungeprüft ein Dach über dem Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) für 3,8 Millionen Euro bauen will.“ Noch immer ist Edward-Errol Jaffke, der stellvertretende Fraktionschef der CDU im Esslinger Gemeinderat, in Rage, wenn er an die Pläne der Stadtverwaltung denkt. „Auch wenn der Oberbürgermeister anderes behauptet: Wir wollen die Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs nicht im Regen stehen lassen. Aber wir wollen prüfen lassen, was es kostet, wenn man den gesamten neuen ZOB nicht komplett überdacht, sondern beispielsweise nur die Bahnsteige.“

Dass die Verwaltung eine solche von seiner Fraktion geforderte Berechnung bisher nicht vorgelegt habe, empfindet Jaffke als Affront – und will sich auch nicht mit der Begründung abspeisen lassen, man habe sich in diesem Punkt offenbar missverstanden. Zwar hat die Verwaltung nun eine entsprechende Berechnung bis zur nächsten Sitzung des Ausschusses für Technik und Umwelt (ATU) zugesagt. Jaffke und damit die gesamte CDU könnte dann allerdings in der Esslinger Kommunalpolitik ziemlich alleine mit der Forderung nach einer abgespeckten Lösung für das geplante ZOB-Dach stehen.

Freie Wähler sind für zeitnahen Bau

Denn die SPD und die Grünen haben sich schon seit Beginn der Diskussion hinter die Verwaltungspläne gestellt und eine komplette Überdachung des neuen ZOB beim Esslinger Bahnhof befürwortet. In der ATU-Sitzung am Montag scheinen nun auch die Freien Wähler zu der Erkenntnis gekommen zu sein, dass der zeitnahe Bau von ZOB und dem dazugehörenden Dach die für die Stadt beste Lösung ist. Zwar wollen die Freien Wähler erst heute in einer Fraktionssitzung über das Thema abschließend beraten, aber deren Fraktionschefin Annette Silberhorn-Hemminger betonte schon vorab: „Wir waren nie Gegner eines Dachs.“ Allerdings hätten die Freien Wähler von der Verwaltung wissen wollen, ob eine Verschiebung des ZOB-Baus eine Option wäre, um die Stadt in der momentan schwierigen Finanzsituation zu entlasten.

„Die wirklich gute und detaillierte Vorlage ist zwar ernüchternd für uns. Sie hat aber alle unsere Fragen beantwortet“, sagt die Fraktionschefin der Freien Wähler. Man habe erkennen müssen, dass der ZOB und das Dach nur zwei von vielen kleinen Bausteinen bei der Neugestaltung des Bahnhofareals inklusive der Südumfahrung seien. Einzelne Elemente später zu verwirklichen, sei mit erheblichen Mehrkosten verbunden. Annette Silberhorn-Hemminger: „Jetzt haben wir alle Fakten auf dem Tisch liegen und es sieht so aus, als ob der zeitnahe Bau die beste Lösung ist, auch wenn er wirtschaftlich nicht in die Gesamtsituation der Stadt passt.“

Ziel ist ein attraktiver Stadteingang

So sieht das auch der Fraktionschef des SPD, Andreas Koch. „So wie man kein Haus ohne Dach baut, kann man auch keinen ZOB ohne einen vernünftigen Regenschutz errichten.“ Für Koch ist auch der Aspekt wichtig, dass der Gemeinderat fraktionsübergreifend beschlossen habe, beim Bahnhof einen attraktiven Stadteingang für die täglich 35 000 Pendler zu schaffen. Deshalb dürfe es beim ZOB „keine Flickschusterei“ geben. Anders als es der CDU-Stadtverband behaupte, handele es sich beim geplanten Dach nicht um die „Realisierung eines Kunstwerks, sondern um einen vernünftigen Schutz der Menschen gegen die Unbilden der Witterung“. Zudem werde der Stadteingang aufgewertet.

Die Verwaltung hat errechnet, dass eine spätere Verwirklichung des Dachs Mehrkosten von 1,1 bis 1,3 Millionen Euro verursachen würde. Grund sind die Oberleitungen der Elektrobusse und die Beleuchtung, die mit dem Dach verbunden werden sollen. Bei einem späteren Bau müssten Provisorien geschaffen werden. Ein Verschiebung der Gesamtbaumaßnahme um sechs Monate würde bis zu 200 000 Euro mehr kosten, bei einer mehr als einjährigen Verzögerung fielen Mehrkosten zwischen einer halben und einen Million Euro an.

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