Die Schularbeit wird ausgebaut – allerdings erst zum Schuljahr 2018/2019. Foto: Pascal Thiel

Vom Schuljahr 2018/2019 an wird das Angebot, das Schülern den Alltag erleichtern soll, verdoppelt. Der Plan ist gut, meinen die Grünen, hat aber einen Fehler.

Esslingen - Die Aussagen der Stadtverwaltung sind eindeutig: „Ja, es gibt akuten Handlungsbedarf“, hat der Esslinger Sozialbürgermeister Markus Raab in der Sitzung des Ausschusses für Bildung, Erziehung und Soziales eingeräumt. Dennoch hat der Vorschlag der Stadt, die Jugendsozialarbeit erst mit Beginn des Schuljahrs 2018/2019 an den Esslinger Gymnasien zu stärken, eine Mehrheit bekommen.

Grüne, Linke und Für Esslingen hatten sich dafür stark gemacht, die Stellen bereits mit Beginn des kommenden Schuljahrs zu besetzen. Sie haben dafür aber keine Mehrheit im Ausschuss zusammenbekommen. Die FDP hat sich dann zwar dem Kompromissvorschlag, zumindest vom 1. Januar 2018 an die Stellen zu schaffen, angeschlossen. Aber auch dieser Vorstoß scheiterte am Widerstand aus den Reihen der SPD, der CDU und der Freien Wähler.

Bisher Halbtagsstellen an Gymnasien

Die Jugendsozialarbeit ist Anfang 2011 an Esslinger Realschulen und Gymnasien eingeführt worden. Die vier Gymnasien wurden zunächst von einer einzigen 75-Prozent-Kraft betreut, die beiden Realschulen erhielten jeweils eine 75-Prozent-Kraft. Schnell wurde klar, dass der Unterstützungsbedarf größer war: Zum Schuljahresbeginn 2012/2013 wurden die Stellenanteile an den Realschulen auf jeweils 100 Prozent erhöht. Alle vier Gymnasien erhielten jeweils eine Halbtagsstelle.

Mittlerweile ist das Angebot der Schulsozialarbeit ein wesentlicher Baustein des schulischen Angebots geworden – und wird immer stärker nachgefragt. Deshalb haben die Leiter der Gymnasien im November 2016 beantragt, das Angebot zu verdoppeln. Diesem Wunsch kommt der Esslinger Gemeinderat nun nach – allerdings erst zum Schuljahr 2018/2019.

Nachfrage steigt aus vielen Gründen

Die Direktoren der Gymnasien hatten argumentiert, dass die zunehmende Heterogenität der Schülerschaft, der wachsende Leistungsdruck und die zunehmende Nachfrage nach Ganztagesbetreuung dazu führen, dass die Jugendsozialarbeiter immer mehr gefordert sind. Die Zeit werde für Einzelfallhilfe ebenso gebraucht wie für die Entwicklung präventiver Maßnahmen, um Probleme frühzeitig zu erkennen.

Wörtlich heißt es in der Vorlage: „Eine verlässliche Beziehungsarbeit, die zeitnahe Bearbeitung von Krisenfällen und die hohe Komplexität von Einzelfällen benötigen mehr Zeit und Präsenz an der Schule.“ In einer Stellungnahme begrüßen die Grünen die nun getroffene Entscheidung: „Wir freuen uns, dass nun wenigstens ab dem Schuljahr 18/19 die notwendige Aufstockung der Schulsozialarbeit an Gymnasium erfolgt“, sagt die Stadträtin Brigitte Häfele: „Wie man aber bei einem ,akuten Handlungsbedarf’ erst in anderthalb Jahren reagieren kann, ist uns unbegreiflich.“ Die Grünen sind der Meinung, dass „auch in Zeiten der Haushaltskonsolidierung finanzieller Spielraum für die notwendigen sozialen Belange gegeben sein“ müsse.

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