Die Esslingerin Louisa Kilgus arbeitet als Traurednerin europaweit. Sie erklärt, warum eine gute Rede 40 Arbeitsstunden erfordert und wie sie authentische Zeremonien gestaltet.
Sie bringt die Gäste zum Lachen, rührt sie zu Tränen und sorgt für jede Menge Gänsehautmomente. Mit einer ausgewogenen Mischung aus Leichtigkeit, Tiefe und ganz viel Gefühl macht Louisa Kilgus als Rednerin die freie Trauung für das Brautpaar zum unvergesslichen Ereignis. Die Esslingerin ist seit Jahren eine gefragte Traurednerin – bei der rustikalen Hochzeit im schwäbischen Schrebergarten ebenso wie bei der glamourösen Feier auf einem italienischen Landsitz.
Ihre allererste Traurede hielt Louisa Kilgus auf der Hochzeit ihrer Cousine: „Das Brautpaar war begeistert, die Gäste hatten Spaß und ich fühlte mich wohl. Gleich danach kamen aus der Festgesellschaft zwei verlobte Paare auf mich zu, die mich als Hochzeitsrednerin haben wollten“, erinnert sie sich an ihre Anfänge 2017. Im Jahr darauf nutzte sie die Elternzeit nach der Geburt ihres ersten Kindes, feilte an ihrem Konzept und gründete die Reden-Manufaktur „Lo(u)ve“, „vier Fünftel Love und ein U, das den Unterschied macht“. Ihre Entscheidung, nicht in ihren Beruf als studierte Werbetexterin in einer renommierten Kreativagentur zurückzukehren, hat sie nicht bereut: Mittlerweile hat sie drei Mitarbeiter in Esslingen und eine Niederlassung in Kassel, sie plant eine weitere Dependance im Allgäu, und sie ist selbst im Sommer jedes Wochenende auf Hochzeiten als Rednerin unterwegs – in ganz Deutschland, in Italien, Österreich, Griechenland und Spanien.
2500 Euro für eine Traurede
Wer nicht kirchlich gebunden ist, kann für die Hochzeitsrede einen Profi wie Louisa Kilgus verpflichten, die etwa 40 Arbeitsstunden in jede einzelne Traurede investiert. Ihre Preise macht sie transparent: „Das kostet bei uns etwa zweieinhalbtausend Euro, das ist eine Stange Geld. Aber das Brautpaar erhält eine ganz persönliche, maßgeschneiderte Rede“, betont die 40-Jährige, die jedes Mal einen möglichst authentischen Text zusammenstellt, in dem weder Floskeln noch Versatzstücke aus dem Baukasten eines Trauredners Platz haben.
Vor dem Vertragsabschluss gibt’s ein etwa einstündiges Beschnuppern im Büro am Esslinger Rossmarkt oder online: „Man muss sich sympathisch sein, das ist die Voraussetzung“, betont Louisa Kilgus, die zugewandt, herzlich, empathisch und an ihrem Gegenüber interessiert ist. Etwa ein halbes Jahr vor der Hochzeit findet dann bei einem gemütlichen Essen ein drei- bis vierstündiges ausführliches Gespräch statt. „Ich erfahre, wie das Paar sich kennengelernt hat. Ich achte auf Zwischentöne. Ich beobachte, wie die beiden miteinander umgehen. Gab es in der Beziehung auch kritische Momente, aus denen sie gestärkt hervorgegangen sind? Die Paare wissen, dass eine Ehe auch Arbeit bedeutet. Auch das hat Platz in einer Traurede.“ Sie erfragt auch ganz Alltägliches, zum Beispiel, was im Kühlschrank nicht fehlen darf, und sie studiert die Lebensläufe und Stammbäume vorab: „Ich werde in eine mir fremde Gesellschaft mit oft hundert Gästen eingeladen, da hilft mir dieses Vorwissen, um nicht ins Fettnäpfchen zu tappen.“
Auch bei freien Trauungen gibt es oft bekannte Rituale
Eine Woche später gibt es für Braut und Bräutigam jeweils noch eine E-Mail mit Fragen, die jeder für sich schriftlich beantwortet. Und Louisa Kilgus nimmt Kontakt zu den Trauzeugen auf: „Dieser Blick von außen ist sehr wertvoll und ermöglicht noch eine andere Perspektive. Außerdem erzählen sie oft wunderbare Anekdoten.“ Die freie Trauung selbst beginnt meist mit der Traurede: „Ich schaffe eine fröhliche, offene Atmosphäre, ein Gemeinschaftsgefühl“, erklärt Kilgus, die gerne vor Menschen spricht. Die freie Zeremonie, die keine staatlich oder kirchlich anerkannte Trauung ist, folgt oft dennoch traditionellen Ritualen: „Meistens nehme ich dem Paar noch einmal das Ja-Wort ab, es gibt erneut einen Ringtausch samt Kuss, oft werden Ehegelübde verlesen oder eine Art ‚Fürbitten‘ gesprochen, wenn Freunde gute Gedanken an das Paar richten.“
„Liebe ist ein verbindendes Element. Die Welt ist so verrückt geworden. Ich mag es, wenn sich eine ganze Festgesellschaft für zwei Menschen freuen kann.“
Louisa Kilgus, Hochzeitsrednerin
Dann folgt die eigentliche Traurede, die auch das Brautpaar erst an diesem Tag zu hören bekommt. Louisa Kilgus freut sich immer, wenn sich Hochzeitsgesellschaften besondere Dinge einfallen lassen: „Bei einer Braut, die leidenschaftliche Reiterin ist, kam das Pferd vorbei. Manchmal bringt der Nachwuchs, der geliebte Opa oder der Familienhund die Ringe nach vorne. Und manchmal gibt es eine Live-Schalte zur Oma, die altershalber nicht persönlich mit dabei sein kann.“
So etwas macht auch die Traurednerin glücklich: „Liebe ist ein verbindendes Element. Die Welt ist so verrückt geworden. Ich mag es, wenn sich eine ganze Festgesellschaft für zwei Menschen freuen kann.“
Louisa Kilgus schreibt übrigens nicht nur Traureden, sondern auch Trauerreden für Beerdigungen. „Das fühlt sich für mich sehr stimmig an. Das ist der Kreislauf des Lebens, und das Leben besteht nicht nur aus Zuckerguss.“
Der Trend zum Größer, Toller und Teurer
Hochzeitswetter
Jede Braut habe mindestens drei Wetter-Apps installiert, weiß Louisa Kilgus. „Und wenn am Hochzeitstag die Sonne nicht scheint, bricht eine Welt zusammen.“ Die Traurednerin schätzt entspannte Herbst- oder Winterhochzeiten: „Keine Wetterprobleme, man feiert sowieso drinnen. Keine Terminschwierigkeiten, tolle Dekomöglichkeiten und leckeres Essen.“
Heirats-Hype
„Champagner-Tower, Candy-Bar, Donut-Wall, Blumenwand, riesige Geschenktüten. Zusätzlich zum Fotografen und Videofilmer bucht man einen Content-Creator, der direkt von der Hochzeit in die sozialen Netzwerke postet“, erzählt Louisa Kilgus vom Aufwand, den manche Brautpaare betreiben.
Perfektionismus
Die Hochzeitsrednerin beobachtet manche Entwicklung durchaus kritisch: „Ob Junggesellinnenabschied oder Brautkleidkauf – alles wird inszeniert, alles muss die Hochzeiten der Freundinnen übertreffen. Oft kann die Braut vor lauter Anspannung nichts essen. Und nicht selten muss sich die Braut übergeben, weil sie dem Druck nicht mehr standhält. Ich rate meinen Paaren, sich zu besinnen: Ist es das, was euch glücklich macht? Denn eigentlich geht es doch um die Liebe, die an diesem Tag gefeiert werden soll.“ Nähere Informationen unter: www.its-louve.de