Die Bebauung mit den Punkthäusern und dem Lidl-Markt gruppiert sich um einen zentralen Quartiersplatz. Foto: Entwurf: Pesch Partner Architekten Stadtplaner/Lidl

Die Stadt Esslingen und der Einzelhandelsriese Lidl gehen neue Wege. Geebnet hat sie das Stuttgarter Architekturbüro Peschke Partner, das den städtebaulichen Entwurf für den Schulterschluss zwischen Handel und Wohnen gefertigt hat.

Esslingen - Die Stadt Esslingen und das Handelsunternehmen Lidl gehen auf dem Nürk-Areal in der Pliensauvorstadt neue Wege. Auf einem rund 10 500 Quadratmeter großen Gelände entsteht nicht nur ein neuer Lidl-Markt, sondern ein ganzes Stadtviertel mit Drogeriemarkt, Aufenthaltsbereich, 400 Tiefgaragenstellplätzen und rund 180 Wohnungen. Wenn alles nach Plan verläuft, dann werden bis zum Jahr 2024 am Fuß des Zollbergs – keine zehn Gehminuten vom Esslinger Bahnhof entfernt – bis zu 400 Menschen leben.

Fliesen Nürk zieht in das Industriegebiet Neckarwasen

Frank Nürk, der das nach dem dort 1924 gegründeten Fliesenhandel benannte Gelände an Lidl verkauft hat, wird mit seinem Unternehmen in einen Neubau in das Industriegebiet Neckarwiesen ziehen. Der Umzug in das neue Gebäude in der Röntgenstraße ist im ersten Halbjahr 2020 geplant.

Die äußere Form für den städtebaulichen Schulterschluss zwischen Wohnungsbau und Einzelhandel in der rund 6500 Einwohner zählenden Pliensauvorstadt hat das Stuttgarter Architekturbüro Pesch Partner vorgegeben, das sich in einem von der Stadtverwaltung und Lidl gemeinsam ausgeschriebenen Wettbewerb gegen sieben weitere Büros durchgesetzt hat. „Die Kombination von Einzelhandel und der gesellschaftlichen Aufgabe des Wohnungsbaus ist eine völlig neue Entwicklung“, sagt Jörg Aldinger, der als Vorsitzender des Preisgerichts am Donnerstag die Siegerarbeit vorgestellt hat. Seinen Worten zufolge ist Pesch Partner die Verschmelzung der scheinbar antipodischen Positionen – hier der belastbare Lidl-Markt mit seinen funktionellen Bedürfnissen, dort ein den städtebaulichen Ansprüchen gerecht werdender Wohnungsbau – am besten gelungen. „Da kommen zwei Welten zusammen“, schwärmt Jörg Aldinger.

Lidl will Nachbesserungen bei der Sichtbarkeit

Der Schulterschluss scheint so gut gelungen zu sein, dass der Investor sich inzwischen sogar Sorgen um seine Sichtbarkeit macht. „Das ist ein Lidl-Standort mit begleitendem Wohnen, nicht Städtebau mit Lidl drin“, stellt Thomas Ertl, der zuständige Bereichsleiter Immobilien der Lidl-Vertriebs GmbH fest. Aus seiner Sicht besteht hier der einzige Nachbesserungsbedarf in der ansonsten hoch gelobten Arbeit der Architekten.

Dazu besteht noch reichlich Gelegenheit. Sowohl aus städtebaulicher, als auch aus wirtschaftlicher Sicht sind nach Einschätzung beider Partner noch weitere Planungsschritte nötig, um die bestmögliche Nutzbarkeit für beide Seiten zu erreichen. Parallel zur Verfeinerung der Planung leitet die Stadt Esslingen ein Bebauungsplanverfahren für das Areal ein. Beides, weitere Planung und Bebauungsplanverfahren, mündet in den Bauantrag, den das Unternehmen im Frühjahr 2020 stellen will. Im Jahr darauf werden die Abrissbagger anrücken.

Fertigstellung im Jahr 2014 angestrebt

„Wenn wir dann noch zweieinhalb Jahre Bauzeit rechnen, ist das Jahr 2024 ein realistischer Zeithorizont für die Fertigstellung“, sagt Ertl. Der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger ist voll des Lobes über die bisherige Zusammenarbeit mit der Handelskette. „Hier geht es nicht nur um eine Verkaufsstelle, sondern um nachhaltige Stadtentwicklung“, sagt der Rathauschef. Für die Pliensauvorstadt sei dieses Projekt ein weiterer Baustein, um die durch das Programm Soziale Stadt ausgelöste positive Entwicklung des Stadtteils erfolgreich fortzusetzen – und für die Stadt Esslingen zeige das Projekt exemplarisch, wie trotz knapper Flächen ein nachhaltiger und interessanter urbaner Nutzungsmix zwischen Wohnen und Gewerbe erreicht werden könne.

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