Esslingen Landkreis kritisiert Schulplanung der Stadt

Von Wolfgang Berger 

An den Gemeinschaftsschulen wird auf gemeinsames Lernen Wert gelegt. Foto: dpa
An den Gemeinschaftsschulen wird auf gemeinsames Lernen Wert gelegt. Foto: dpa

Der vorgesehene Ausbau der Gemeinschaftsschulen gefährde die beruflichen Gymnasien, warnt das Landratsamt. Die Esslinger Stadtverwaltung hingegen sieht in der Einführung einer gymnasialen Oberstufe kein Problem.

Esslingen - Völlig unterschiedlicher Ansicht sind der Landkreis und die Stadt Esslingen mit Blick auf die geplante Neuausrichtung der Gemeinschaftsschulen in Esslingen. Die Stadt plant die Einführung einer gymnasialen Oberstufe, damit künftig auch an Gemeinschaftsschulen das Abitur erlangt werden kann. In einem Schreiben an das Esslinger Rathaus äußert das Landratsamt jetzt jedoch „erhebliche Einwände“ gegen das Vorhaben.

Teure und überflüssige Doppelstruktur befürchtet

Durch die Einführung einer Sekundarstufe II an den Gemeinschaftsschulen der Stadt Esslingen „würde eine kostenintensive und überflüssige Doppelstruktur geschaffen“, schreibt Thomas Eberhard, Dezernent für Infrastruktur im Kreis Esslingen, an Bernd Berroth, den Leiter des Amts für Bildung und Betreuung der Stadt Esslingen. „Dies würde die beruflichen Schulen erheblich beeinträchtigen und aller Voraussicht nach zu einem Verlust von Angeboten an den kreiseigenen Schulen führen“, so Thomas Eberhard weiter.

Zudem gebe es für die Einführung einer dreizügigen gymnasialen Oberstufe an den Gemeinschaftsschulen vom Schuljahr 2021/2022 an „keine Notwendigkeit“. Denn an den beruflichen Gymnasien des Landkreises Esslingen würden „die vielfältigsten Profile und Vertiefungsschwerpunkte im Bereich der Oberstufe in erreichbarer Nähe angeboten“.

Lehrer sind im Bereich Naturwissenschaft knapp

Alle Abgänger der Esslinger Gemeinschaftsschulen könnten an den beruflichen Gymnasien aufgenommen und zu einem erfolgreichen Abschluss geführt werden, argumentiert das Landratsamt. „Schließlich zeichnen sich die beruflichen Gymnasien gerade durch das Berücksichtigen der unterschiedlichen Bedürfnisse der heterogenen Schülerschaft besonders aus“, schreibt Thomas Eberhard.

Der Dezernent nennt noch einen weiteren Aspekt. Bereits heute sei die Lehrergewinnung ein erhebliches Problem. Gerade in den naturwissenschaftlichen Bereichen könnten bei weitem nicht alle Stellen qualifiziert besetzt werden. „Bei der Einführung eines weiteren Angebotes durch die Stadt Esslingen würde sich dieser Zustand erheblich weiter zuspitzen“, warnt Thomas Eberhard.

Tübingen und Konstanz haben es vorgemacht

Im Esslinger Rathaus sieht man hingegen keine negativen Auswirkungen oder gar eine existenzielle Bedrohung der Esslinger allgemeinbildenden oder beruflichen Gymnasien. „Eine Gefährdung unserer Gymnasien können wir definitiv ausschließen, und vor dem Hintergrund steigender Schülerzahlen in den nächsten Jahren müssen wir eher für eine Entlastung insbesondere in den Gymnasien sorgen“, entgegnet Bernd Berroth. Der Esslinger Kulturbürgermeister Markus Raab verweist auf mehrere Rechenmodelle der Esslinger Stadtverwaltung. Das Ergebnis: „Empirisch kann eine Gefährdung der Gymnasien schlicht ausgeschlossen werden.“

Eine Überraschung ist für die Stadt die Ablehnung durch den Landkreis nicht. Letztlich müsste das Kultusministerium entscheiden. Und da ist Markus Raab nicht bange. Denn in Konstanz und Tübingen habe das Ministerium bereits die gymnasiale Oberstufe an Gemeinschaftsschulen genehmigt – trotz des Widerstands seitens der beruflichen Gymnasien. Raab geht davon aus, dass im Fall Esslingens analog verfahren würde.

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