Das Kino auf der Burg ist ein Standbein des Kommunalen Kinos Esslingen. Foto: Michael Steinert

Seit 13 Jahren sind die Zuschüsse für die Esslinger Kulturinstitution eingefroren. Jetzt klafft eine große finanzielle Lücke.

Esslingen - Wir haben kein Beliebtheitsproblem, sondern schlicht zu wenig Geld.“ Stefan Hart, zusammen mit Sibylle Tejkl Geschäftsführer des Esslinger Kommunalen Kinos (Koki), bringt es auf den Punkt. Zuletzt im Jahr 2006 hat sich der Esslinger Gemeinderat bereit erklärt, das damals existierende finanzielle Loch in der Kasse des Kinos zu stopfen und eine die Existenz der Kulturinstitution bedrohende strukturelle Unterfinanzierung auszugleichen. Schon damals war das Koki auf trockene und warme Abende beim Open-Air-Kino auf der Burg angewiesen, um finanziell über die Runden zu kommen.

13 Jahre, etliche Tariferhöhungen und Kostensteigerungen sowie gesellschaftliche Veränderungen später steht das Koki Esslingen vor der gleichen Situation wie im Jahr 2006: Der gerade beendete Kassensturz für das Jahr 2018 hat ein Minus von rund 15 000 Euro ergeben – und das, obwohl das Kommunale Kino in den vergangenen drei Jahren beim Kinofestival auf der Burg vom Wetter geradezu verwöhnt worden ist.

Für Zukunftsinvestitionen reicht das Geld schon lange nicht mehr

2018 strömten allein rund 24 000 Filmfreunde zur sommerlichen Veranstaltungsreihe. Das sind ungefähr genauso viele, wie im restlichen Jahr zum anspruchsvollen Cineastenprogramm in der Spielstätte in der Esslinger Maille kommen. „Wir mögen uns gar nicht vorstellen, was passieren würde, wenn wir bei ,Kino auf der Burg‘ einmal richtig schlechtes Wetter hätten“, sagt Stefan Hart.

Diese Aussage lässt sich mit Zahlen belegen. Denn würden die eigentlich unkalkulierbaren Einnahmen des Kinosommers nicht in die Gesamtkalkulation des Koki-Etats einfließen, gäbe es schon jetzt dort ein Loch von 60 000 Euro pro Jahr. Eigentlich, so die Absichtserklärung des Gemeinderats im Jahr 2006, sollte das Koki die Überschüsse aus dem Kinofestival zurücklegen und für notwendige Sanierungen und Veränderungen einsetzen. Doch für solche Zukunftsinvestitionen reicht das vorhandene Geld schon lange nicht mehr.

Dafür gibt es mehrere Gründe: Stefan Hart rechnet vor, dass das Koki seinen Mitarbeitern die Löhne des öffentlichen Dienstes zahlen. Die sind in den vergangenen 13 Jahren jedoch um 31 Prozent gestiegen, ohne dass der Koki-Zuschuss erhöht worden sei. Aber auch gesellschaftliche Entwicklungen machen vor dem Koki nicht halt: Überhaupt kein Problem sei es, ehrenamtliche Mitarbeiter für den Einsatz beim Burg-Festival zum kostenlosen Mitmachen zu gewinnen. Schwierig bis fast unmöglich sei es hingegen, heute noch Menschen zu finden, die es sich leisten könnten, sich langfristig ehrenamtlich zu engagieren – sei es bei der Filmvorführung, sei es bei der technischen Unterstützung.

Das Land beteiligt sich an der Förderung

Um den Betrieb professionell aufrechtzuerhalten, hat das Koki vor einiger Zeit eine zusätzliche 50-Prozent-Stelle geschaffen, die man nun sogar auf 70 Prozent habe aufstocken müssen, erzählt Stefan Hart: „Das merken wir natürlich auch in unserem Etat.“

Immerhin scheint die Erkenntnis bei den Esslinger Stadträten zu wachsen, dass man die finanzielle Schieflage des Kommunalen Kinos beheben und die Einnahme- und Ausgabesituation wieder ins Lot bringen muss. Zwar müssen die Geschäftsführer des Koki demnächst erst einmal einen Tätigkeitsbericht vorlegen und das Zahlenwerk erläutern, im Kulturausschuss hat aber der Vorschlag der Verwaltung, im Doppelhaushalt 2020/2021 jeweils 40 000 Euro pro Jahr für das Koki einzustellen, großes Wohlwollen gefunden. Da sich das Land zu 33 Prozent an der Förderung der Kultureinrichtung beteiligt, wäre zunächst einmal das strukturelle Defizit in Höhe von 60 000 Euro behoben. Spätestens im Jahr 2032 wird in Esslingen dann wohl wieder über die Zukunft des Koki geredet.

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