Ausbilder Martin Lubich (Mitte) mit Azubis in der Schreinerei des BAZ. Foto: BAZ

Seit 30 Jahren unterstützt das Berufliche Ausbildungszentrum (BAZ) Esslingen Jugendliche mit Problemen beim Einstieg in den Beruf. Erfolgsgeschichten gibt es viele.

Der Übergang von der Schule in Ausbildung und Beruf ist eine wichtige Weichenstellung. Vor allem für Jugendliche mit Lernbeeinträchtigungen oder schwierigen Startbedingungen ist dieser Weg oft steinig. Für sie ist das Berufliche Ausbildungszentrum (BAZ) Esslingen seit 30 Jahren ein Sprungbrett. Es bietet vielfältige Ausbildungsmöglichkeiten und individuelle Begleitung.

 

Eine Erfolgsgeschichte, die hier begann, ist die von Burcu Aydin. Sie arbeitet heute als Sozialpädagogin im BAZ. Angefangen hat sie vor Jahren mit einer regulären Friseurausbildung. „Als Alleinerziehende war das wegen der Arbeitszeiten aber sehr schwer“, erinnert sich die 32-Jährige. Sie sei deshalb kurz davor gewesen, alles hinzuwerfen. Im BAZ Esslingen konnte sie schließlich eine Ausbildung in Teilzeit absolvieren, die sie mit einer Belobigung abschloss. „Das BAZ hat mir viel gegeben, das war eine prägende Zeit“, blickt Burcu Aydin zurück. Ihre Ausbilderin war ihre größte Unterstützung. Auch in den Jahren, in denen sie später als Friseurin arbeitete, hielt sie Kontakt zu ihr.

So wertvoll ist eine Ausbildung für das spätere Leben

Irgendwann wollte Burcu Aydin mehr erreichen und Soziale Arbeit studieren. Dank ihrer Ausbildung und Berufstätigkeit war dies über den zweiten Bildungsweg auch ohne Abitur möglich. „Von Anfang an wollte ich in einer anderen Rolle zurück ins BAZ“, sagt sie. Dass es nach dem Studienabschluss mit einer Stelle geklappt hat, ist für sie wie ein „Jackpot“. Seit diesem Jahr hilft sie Schülerinnen und Schüler beim Übergang von der Schule ins Berufsleben.„Ich will ihnen vermitteln, dass sie ihre Chancen nutzen sollen, und zeigen, wie wertvoll eine Ausbildung ist, auch wenn man vielleicht am Anfang noch nicht so dafür brennt“, sagt sie. Ihr eigener Werdegang zeige, „dass mit einer Ausbildung als Basis Großes möglich ist“.

Rainer Lippmann, Burcu Aydin, Anette Lang, Roman Hanle ubd Friedemann Kuttler (von links) Foto: BAZ

Ausbildung als Voraussetzung für die Arbeitsmarktintegration

Insgesamt 1268 junge Menschen haben in den letzten 30 Jahren mithilfe des BAZ erfolgreich eine Ausbildung abgeschlossen. Aktuell sind knapp 130 in Ausbildung. „Es ist uns ein Herzensanliegen, für eine Welt einzutreten, in der keiner ausgegrenzt wird“, sagt Pfarrer Friedemann Kuttler, theologischer Vorstand der Diakonie Stetten, zu der das BAZ gehört. Teilhabe schließe auch den Beruf ein. Mit der Eröffnung des BAZ in der Urbanstraße gehörte man vor 30 Jahren bundesweit zu den Vorreitern einer wohnortnahen Ausbildung, betont Roman Hanle, der den Geschäftsbereich Berufliche Bildung der Diakonie leitet. Angeregt hatte das damals das Arbeitsamt. „Die Integration in den Arbeitsmarkt gelingt fast immer nur durch eine fundierte Ausbildung“, betont Rainer Lippmann, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit Göppingen, die die Arbeit des BAZ zu rund 80 Prozent fördert. Weitere zehn Prozent kommen vom Jobcenter, der Rest von der Stadt Esslingen, Bund, Land und Stiftungen.

30 Jahre BAZ Esslingen – Angebot wird breiter und Hilfe individueller

Das BAZ startete im Herbst 1995 mit 30 Jugendlichen in der Berufsvorbereitung und sechs Auszubildenden, die ihre Lehre als Holzbearbeiter begannen. „Seitdem ist das Angebot noch vielfältiger und individueller geworden“, sagt Anette Lang, Bereichsleiterin des BAZ. Neben zahlreichen neuen Berufsfeldern sind unter anderem auch Angebote zur Aktivierung und Eingliederung arbeitssuchender dazugekommen, seit 2017 vermehrt auch von Geflüchteten. Diese finden vorwiegend am weiteren Standort in der Esslinger Haldenstraße statt. Darüber hinaus engagiert sich das BAZ an Schulen in der Berufsorientierung.

Erfolgsmodell BAZ Esslingen – Hohe Vermittlungsquote

Beim BAZ stehen junge Menschen unter 25 Jahren im Mittelpunkt, aber auch Ältere werden begleitet. Sie alle eint, dass sie Hilfe benötigen, um ins Berufsleben starten zu können. „Vor allem psychische Erkrankungen nehmen immer mehr zu“, sagt Lang über die Entwicklung der letzten Jahre. Dem BAZ ist eine individuelle Förderung wichtig. „Wir konzentrieren uns auf die Stärken, die jeder mitbringt“, betont sie.

Ausbilderinnen und Ausbilder, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen sowie Lehrkräfte der Sonderberufsschule Johannes-Landenberger-Schule arbeiten dafür sehr eng zusammen. „Dieses Konzept war vor 30 Jahren megamodern und ist weiterhin ein Erfolgsmodell“, sagt die Bereichsleiterin. Das zeige sich auch in der durchschnittlichen Vermittlungsquote von 78 Prozent in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungen oder weitergehende Ausbildungen. Vor allem zeichnet das BAZ die enge Kooperation mit den Ausbildungsbetrieben aus. Mehr als 1550 Betriebe haben in den letzten drei Jahrzehnten eine praxisnahe Ausbildung ermöglicht. Damit können viele junge Menschen nicht nur in den Ausbildungsbereichen direkt im BAZ, sondern auch in einem echten Betrieb den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolvieren.

Jubiläum

Informationstag
Beim BAZ-Berufetag, der am Mittwoch, 3. Dezember, ab 9 Uhr im BAZ Esslingen, Urbanstraße 28, stattfindet, können Interessierte gemäß dem Motto „Schau rein & Mach mit“ in die Berufsfelder Holz, Lager, Verkauf, Hauswirtschaft, Küche sowie Metall- und Fahrzeugtechnik hineinschnuppern. Neben Mitmach-Angeboten gibt es viele Informationen, etwa für interessierte Lehrkräfte. Weitere Informationen unter www.baz-esslingen.com.

BAZ Esslingen
Das Berufsausbildungszentrum (BAZ) Esslingen wurde 1995 auf dem Gelände der ehemaligen Antennenfabrik Hirschmann eröffnet, zunächst war es eine Außenstelle des damaligen Berufsbildungswerks Waiblingen. Seit 2020 gehört es zur Diakonie Stetten. Mit dem Berufsbildungswerk gibt es weiterhin eine Kooperation für 30 Ausbildungsberufe. Das BAZ hat sich mit 65 Mitarbeitenden zu einem wichtigen Akteur in der Jugendberufshilfe entwickelt. Zum Angebot gehören 127 Ausbildungsplätze, 71 Plätze in der Berufsvorbereitung und 101 Aktivierungsplätze zur Wiedereingliederung. Jährlich werden zudem rund 400 Schülerinnen und Schüler beim Übergang von Schule in den Beruf unterstützt.