Die große Koalition am Kochtopf: die Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle (CDU/links) und Wolfgang Drexler (SPD/rechts) arbeiten Hand in Hand. Karsten Bessai (Mitte) kontrolliert das Geschehen. Foto: Ines Rudel

Sonst verderben viele Köche den Brei. In Esslingen haben zwei Landtagsabgeordnete und ein Oberbürgermeister auf der Kochbühne das Gegenteil bewiesen.

Esslingen - Energiewende, Mietpreisbremse, Kohleausstieg, Dieselnachrüstung – alles kommt in einen Topf. Dann kräftig umrühren, und schon schmeckt’s dem Publikum. Wenn Politiker gemeinsam kochen, kommt eben nicht nur Käse raus. Davon haben sich die Passanten am Samstag auf dem Esslinger Rathausplatz überzeugen können.

Im Rahmen einer von den Stadtwerken Esslingen am Energiewendetag Baden-Württemberg organisierten „Bio-Kochshow“ haben der Esslinger Oberbürgermeister Jürgen Zieger (SPD) und die Landtagsabgeordneten Andreas Deuschle (CDU) und Wolfgang Drexler (SPD) den Kochlöffel geschwungen. Während sich Zieger unter der Anleitung des Kochprofis Karsten Bessai im Solo an Esslinger Riesenravioli mit Frischkäse und Zwiebelmarmelade versucht hat, haben Deuschle und Drexler im schwarz-roten Schulterschluss einen schwäbischen Antipasti-Salat auf den Tisch gezaubert.

Ganz nebenbei haben die drei Politiker auch bewiesen, dass Mulitasking in der Küche nicht nur eine Frauendomäne ist. Obwohl der Moderator Manuel Uez auftragsgemäß – schließlich sollte an dem vom baden-württembergischen Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft ausgerufenen Tag ja der Energiewende gehuldigt werden – immer wieder mit Fragen zu Energiethemen in die kollektive Schnippelei grätschte, hat sich keiner der Akteure ernsthaft mit dem Küchenmesser verletzt.

Das allein kann angesichts der Vorerfahrung schon als Erfolg gefeiert werden. Während Bessai, bevor er sich als freier Gastronomieberater selbstständig gemacht hat, 13 Jahre lang im BIO-Hotel & Restaurant Alter Wirt in Grünwald bei München gekocht hat, sind seine drei Küchenjungs kaum über Handlangertätigkeiten am heimischen Herd hinausgekommen. So bekannte SPD-Oberbürgermeister Jürgen Zieger, dass er zuhause zwar lecker, aber vorwiegend vegetarisch bekocht werde. „Da muss ich immer schauen, wo ich bleibe. Wenn ich dienstlich unterwegs bin, ziehe ich mir dann schon gerne ein Steak rein“, gestand der Esslinger Ratschef.

Grillmeister und Ravioli-Experte Hand in Hand

Die Bio-Schaubühne dürfte auch für Andreas Deuschle ein eher ungewohntes Terrain gewesen sein. „Ich muss zugeben, dass ich als überzeugter Griller unterwegs bin – so mit ganz schwerem Gerät“ , sagte der CDU-Politiker. Wolfgang Drexler immerhin konnte als ehemaliger Pfadfinder mit profunder Großküchen-Erfahrung punkten. „Da habe ich immer Ravioli aus der Dose gekocht – für 40 Leute“, sagte er. Angesichts seiner mittlerweile 72 Lebensjahre dämmerte dem Publikum, dass das schon lange her sein muss.

Dafür hat er auf dem Rathausplatz nahtlos an die alten Tage angeknüpft und auch seine Mitstreiter haben sich tapfer geschlagen. „Die machen das handwerklich wirklich sehr gut“, lobte Bessai seine Amateurmannschaft, die allerdings erst richtig warmlief, als es um das Anpreisen der Essensportionen ging. „So was g’sund’s hen Se schon lang nemme g’essa“, warb Drexler für seinen Antipasti-Salat und auch Zieger und Deuschle stellten unter Beweis, dass sie als Politiker Erfahrung damit haben, zu verkaufen, was sie zuvor eingebrockt haben. Das kann Wolfgang Drexler nun auch in den heimischen vier Wänden unter Beweis stellen. „Ich habe gerade mit meiner Frau telefoniert. Sie will, dass ich das Rezept zuhause nachkoche“, sagte er.

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