Rückblickend war Autofahren schön – vorausschauend sind Bus und Bahn im Alter die bessere Lösung. Das ist die Idee, die hinter dem Angebot steht, den Führerschein gegen ein VVS-Jahresticket zu tauschen. Foto: dpa

Auch im Kreis Esslingen wird älteren Verkehrsteilnehmern die Möglichkeit eröffnet, ihren Führerschein gegen ein kostenloses Jahresticket für Bus und Bahn zu tauschen. Der Esslinger Kreistag hat einen entsprechenden Beschluss gefasst.

Esslingen - Voraussichtlich vom kommenden Jahr an können Autofahrerinnen und Autofahrer, die älter als 65 Jahre sind, ihren Führerschein auf dem Esslinger Landratsamt gegen ein kostenloses Senioren-Jahresticket des Verkehrsverbunds Stuttgart (VVS) eintauschen. In seiner Sitzung am Donnerstag hat der Esslinger Kreistag einen entsprechenden Beschluss auf den Weg gebracht.

Vorausgegangen war ein Antrag der Fraktion der Freien Wähler (FW), der sich wiederum an der seit dem Oktober 2015 im Landkreis Ludwigsburg bewährten Praxis orientiert. Dort haben in den vergangenen dreieinhalb Jahren mehr als 2000 Autofahrerinnen und Autofahrer von dem großzügigen Angebot profitiert. 80 Prozent der Antragsteller waren 75 Jahre und älter.

Vorbild Ludwigsburg

Dass der politisch gewollte Umstieg vom Individualverkehr auf den öffentlichen Nahverkehr auf Dauer angelegt ist, zeigt eine zweite Zahl: Rund die Hälfte aller Kunden hat das VVS-Angebot offensichtlich so überzeugt, dass sie nach dem kostenfreien ersten Jahr dauerhaft auf Bus und Bahn umgestiegen sind. Dabei haben sie sich offensichtlich auch nicht von den 560,40 Euro abschrecken lassen, die ein Senioren-Jahresabo derzeit kostet. Von denjenigen ehemaligen Verkehrsteilnehmern, die nicht im Abo geblieben sind, haben bisher lediglich zwei die Wiedererteilung der Fahrerlaubnis beantragt.

Bei vergleichbarer Größe, vergleichbaren Einwohnerzahlen, vergleichbarer Verkehrsdichte und vor allem auch vergleichbarer Staulänge auf den Straßen rechnet die Verwaltung im Kreis Esslingen mit einer ähnlichen Nachfrage wie in Ludwigsburg. Analog zu dem Ludwigsburger Vorbild werden denn auch die anfallenden Kosten aufgeteilt werden. Der VVS, der die Einführung der Aktion im Landkreis Esslingen ausdrücklich begrüßt, trägt im ersten Jahr die Hälfte der Aufwendungen, im zweiten Jahr trägt das Verkehrsunternehmen dann drei Viertel der anfallenden Kosten.

Start zum 1. Januar geplant

Diesem Verteilungsschlüssel folgend, muss der Landkreis Esslingen im Haushalt des kommenden Jahres rund 200 000 Euro einstellen. In den Folgejahren wird die Kreiskasse dann jeweils mit 75 000 Euro belastet.

„Der Sinn des Tausches ist es nicht, eine Sozialleistung anzubieten, sondern die erste Generation, die mit dem Automobil aufgewachsen ist und nun in Rente geht, vom Auto weg in den öffentlichen Nahverkehr zu bringen“, kommentierte Peter Rauscher (Die Linke) die Entscheidung. Die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen war entgegengesetzter Meinung. Sie begründete ihr kollektives Nein mit dem Hinweis auf die zu hohe Fördersumme und die Befürchtung, es würden vor allem Menschen profitieren, die trotz noch vorhandenen Führerscheins ihr Auto schon jetzt stehen lassen würden.

Nachdem der Kreistag mehrheitlich grünes Licht gegeben hat, muss die Verwaltung noch die Details der Abwicklung mit dem VVS und der Bahn klären. Aller Voraussicht nach wird das neue Angebot dann zum 1. Januar 2020 an den Markt gehen. Möglicherweise muss im Erfolgsfall dann auch beim Personal der Führerscheinstelle nachgebessert werden.

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