Der Christopher Street Day wird am Samstag zum zweiten Mal mit etwa 2000 Beteiligten in Esslingen gefeiert. Auf die Demonstration durch die Innenstadt folgt eine Kundgebung auf dem Marktplatz, wobei konkrete politische Maßnahmen gefordert werden.
Unter dem Motto „Out, loud and proud“ stand der Esslinger Christopher Street Day (CSD), der am vergangenen Samstag in zweiter Auflage veranstaltet wurde. Menschen, die Regenbogenfahnen schwenken, aufwendig geschminkte Personen mit schillernden Outfits und bunten Perücken, andere mit Masken, aber auch unauffälliger gekleidete Leute zogen durch die Esslinger Innenstadt, um für ihre Rechte zu demonstrieren und queere Identitäten und Lebensweisen zu feiern. Die Veranstalter haben etwa 2000 Personen gezählt, die teilgenommen haben. Ein Polizeisprecher gibt an, dass etwa 1500 Personen gezählt wurden und die Veranstaltung ohne besondere Vorkommnisse verlaufen sei.
„Queere Themen inzwischen viel präsenter“
„Fuck the System – Trans Healthcare Now” steht auf dem Schild von Maxi Bihlmaier. Die Trans-Frau fordert mehr gesundheitliche Unterstützung für Menschen wie sie. Sie kritisiert unter anderem, dass in Deutschland die Bartentfernung von Krankenkassen nicht übernommen werde und dass bestimmte Hormonpräparate für die Geschlechtsumwandlung überhaupt nicht verfügbar seien. „In dieser Hinsicht passiert viel zu wenig”, sagt die 28-Jährige und fügt hinzu: „Ich finde es gut, dass der Esslinger CSD so politisch ist.” In Städten wie Stuttgart würden Parteien und Unternehmen mitlaufen, um sich ein toleranteres Image zu verpassen. Das sei aber nicht der eigentliche Zweck des CSD. Stattdessen gehe es um die konkreten Forderungen queerer Menschen.
„Diese tolle Stadt ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht”, sagt die Esslinger Dragqueen Alpine Ski. Dass der CSD nun zum zweiten Mal stattfindet, sei ein starkes Zeichen des Fortschritts. „Queere Themen sind hier inzwischen viel präsenter”, sagt Alpine Ski, die regelmäßig Drag-Shows im Kulturzentrum Komma veranstaltet.
Auch Steffi Naumer freut sich über den CSD, an dem sie zusammen mit Freundinnen von einem Esslinger Lesben-Stammtisch teilnimmt. Der Treffpunkt wurde bereits vor 16 Jahren gegründet. „Hier bei einem CSD dabei sein zu können, spricht für eine deutliche Veränderung.” Gleichzeitig ist sie der Meinung, dass die Stadt noch mehr Wandel vertragen könne. Über das Jahr hinweg seien queere Themen weiterhin nicht besonders sichtbar, sagt Steffi Naumer. Sie wünsche sich zum Beispiel mehr queere Stände bei den Esslinger Festen.
Auch eine Kirche ist beim CSD vertreten: Sören Kunze und Nicole Barth von der freikirchlichen Metropolitan Community Church (MCC) Stuttgart sind nach Esslingen gekommen, um zu zeigen, dass sich christlicher Glaube und Toleranz nicht ausschließen müssen. „Unsere Kirche ist eine Kirche für alle”, sagt Kunze. Barth fügt hinzu: „Gott liebt jeden Menschen, unabhängig von der Sexualität.”
An der Demonstration beteiligt haben sich außerdem die Engagierten des Queer Film Festival Esslingen. Eine von ihnen ist Sandy Horatscheck, die bereits bei der Premiere 2023 mitgelaufen ist. Zu sehen, wie viele Menschen damals vor allem bei der Kundgebung auf dem Marktplatz waren, habe sie „emotional wirklich ergriffen“, sagt die 45-Jährige.
Liste mit Forderungen an OB Klopfer übergeben
Hunderte Menschen strömten auch an diesem Samstagnachmittag zur Kundgebung auf den Esslinger Marktplatz. Auf der Bühne wurde dem Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer eine Liste an Forderungen an die Stadt übergeben, wie den Belangen der queeren Community besser nachgekommen werden könne – darunter zum Beispiel der Wunsch nach einem kommunalem Arbeitskreis LGBTQIAplus in Esslingen, der einen Aktionsplan für queeres Leben umsetzt.
Erste Schritte sind Klopfer zufolge bereits in die Wege geleitet. So werde das Amt der Beauftragten für Chancengleichheit um den Bereich „Queer und Diversity“ erweitert, sagt er. Zudem gebe es OB-Netzwerktreffen mit dem Verein QueerES. „Unsere Stadt steht für Vielfalt, für Toleranz und für das Recht aller Menschen in Freiheit und ohne Angst zu leben und zu lieben“, betont Klopfer.
Zufrieden mit dem Esslinger CSD zeigt sich das etwa 50-köpfige Veranstaltungsteam, der Verein QueerES, wie deren Sprecherin Jessy Zühlke sagt. „Es waren etwa so viele Menschen wie beim letzten Mal da, die Leute haben uns zugejubelt.“ Seit der CSD veranstaltet werde, gebe es auch mehr Sichtbarkeit für queere Anliegen in Esslingen. „Wir sind auf einem guten Weg“, sagt sie. Die Veranstaltung soll auch im Jahr 2025 wieder stattfinden.
„Wir wollen den Esslinger CSD und das Rahmenprogramm drumherum erweitern“, kündigt Zühlke an. Bereits in der Woche vor dem Umzug hatte „QueerES“ verschiedene Workshops und Lesungen in der Stadt ausgerichtet, die nach Angaben des Vereins gut ankamen. Solche Veranstaltungen sollen künftig häufiger stattfinden.
Zunächst freut sich Zühlke aber auf eine kleine Pause. Sie sagt: „Nach dem CSD brauchen wir erst einmal Zeit zum Entspannen.“