Das Hickhack um das Esslinger Stadtticket ist keine Werbung für den Nahverkehr, findet die Redakteurin Melanie Braun. Sollte es tatsächlich wieder eingeführt werden, dann bitte dauerhaft, so ihr Appell.
Beim Stadtticket ist Esslingen im Schlingerkurs unterwegs. Erst wurde der beliebte Fahrschein als Erfolg gefeiert, nur um vier Jahre nach der Einführung wieder abgeschafft zu werden. Kurz darauf formierte sich dann doch wieder eine Mehrheit für die erneute Einführung des Tickets – und jetzt rückt das Comeback schon wieder in die Ferne. Verlässlichkeit sieht anders aus.
Der Erfolg des Stadttickets ergab sich sicher nicht nur aus dem günstigen Preis, sondern vor allem auch aus der einfachen Handhabe. So war der Tarif im gesamten Stadtgebiet gleich, der Fahrschein war spontan zu bekommen und ohne Registrierung oder gar Abo-Abschluss erhältlich. Damit hat das Ticket sicher auch viele Menschen zur Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs gebracht, die zuvor wenig Anknüpfungspunkte an den Esslinger Bus- und Bahnverkehr hatten. Vielleicht ist mancher Nutzer über dieses Angebot sogar zum Dauerkunden geworden.
Das beliebte Angebot hatte seinen Preis
Allerdings hatte das Angebot auch seinen Preis. Der städtische Zuschuss im sechsstelligen Bereich ist in Zeiten klammer Kassen kein Pappenstiel – zumal er statt der bis dato 675 000 Euro inzwischen offenbar rund eine dreiviertel Million Euro betragen würde. Daher ist die Diskussion darüber, ob man das Stadtticket in Esslingen wirklich braucht oder ob das Geld nicht lieber woanders investiert werden sollte, durchaus berechtigt – zumal inzwischen verschiedene andere Fahrscheine für den Esslinger Nahverkehr erhältlich sind, die preislich gar nicht mehr so weit vom Stadtticket entfernt sind, etwa das Zehnerticket oder das 49-Euro-Ticket.
Gleichwohl dürfte die Wiedereinführung des Stadttickets als Bekenntnis zur Verkehrswende wahrgenommen werden. Schließlich geht es darum, die Menschen mit attraktiven Angeboten zum Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsmittel zu bewegen. Und das hat seinerzeit offenbar bei so einigen geklappt: Die Nutzerzahlen des Stadttickets waren nach Corona stetig angestiegen und seine Abschaffung hatte in der Bevölkerung großen Unmut ausgelöst. Doch sollte das Stadtticket tatsächlich wieder eingeführt werden, dann bitte dauerhaft. Denn ein Schlingerkurs wie bisher ist sicher keine Werbung für den Nahverkehr.