Einer der Höhepunkte der Lesart war der Auftritt des amerikanischen Romanciers T. C. Boyle im Neckar Forum. Foto: /Horst Rudel

Das Literaturfestival Lesart zieht Bilanz: Die einstige Bertelsmann-Veranstaltung hat sich zu einem der größten Festivals in Süddeutschland gemausert. Zum Jubiläum gibt es auch ein Literaturprogramm im Alten Rathaus.

Esslingen - Zuerst die schlechte Nachricht: Etwa 90 Prozent der Karten für das Literaturfestival Lesart in Esslingen, das am 6. November beginnt, sind ausverkauft. Und nun die gute: Auch für viele hochkarätige Veranstaltungen sind noch Karten übrig. Etwa für das Jubiläumsfest am kommenden Freitag und Samstag im Alten Rathaus in Esslingen.

Die Feier zum 25. Geburtstag ist einmalig, genauso einmalig wie die Erfolgsgeschichte der Lesart selbst. Untrennbar ist das Festival mit Renate Luxemburger für Sachbuch und Belletristik und mit Bettina Langenheim für das Kinderbuch verbunden. Sie beide haben die Lesart seit ihrer Gründung 1996 begleitet. Damals hatte der Kulturreferent Peter Kastner zusammen mit dem Esslinger Oberbürgermeister Ulrich Bauer die Idee, einen Kultursommer zu veranstalten, wofür sie Sponsoren suchten. Sie schrieben auch die Bertelsmann-Stiftung an, die vorschlug, ein Literaturfestival zu organisieren, denn Bertelsmann wollte vor allem seine Autoren aus den neuen Bundesländern im Westen bekannt machen.

Drei Jahre lief die Lesart auf Hochtouren

Drei Jahre hintereinander lief die Lesart auf Hochtouren, bis zu dem denkwürdigen Tag im Jahr 1999, als Bertelsmann die Zusammenarbeit aufkündigte. Nun hätte die Stadtbücherei aufgeben können, doch mit der Rückendeckung der Stadtverwaltung fanden sie in der Kreissparkasse und der „Esslinger Zeitung“ zwei neue Sponsoren, mit denen sie im Jahr 1999 das bislang markanteste Programm der Lesart schufen. Der Nobelpreisträger Imre Kertész besuchte Esslingen, sogar der Literaturpapst Marcel Reich-Ranicki reiste an, um die Lesart höchstselbst zu eröffnen.

Mit dem Jahr 1999 haben sich auch die Schwerpunkte gedreht. Bei der Belletristik ist soweit möglich die internationale Literaturszene vertreten, allein durch den Maßstab „Qualität“. Im Sachbuch geht es um den aktuellen politischen Bezug, der der Lesart weitere Relevanz verleiht. Beim Kinderbuch spielen mehr die literarischen als die pädagogischen Kriterien eine Rolle. Wobei Bettina Langenheim klarmacht, dass gute Kinderbuchliteratur der Erwachsenenliteratur in nichts nachsteht. Pädagogisch wertvoll ist die Lesart trotzdem, schon allein wegen der unzähligen Lesungen in den Schulen.

Die Lesart hat ein Stammpublikum gewonnen

Mittlerweile gibt es keine Stadtbücherei in Süddeutschland, die ein ähnlich großes Festival auf die Beine stellt. Die Lesart hat ein Stammpublikum gewonnen, bedeutende Autoren kommen mittlerweile auch deswegen nach Esslingen, weil sie hier ihre literarische Karriere gestartet haben.

Fragt man Bettina Langenheim heute, warum sie mit so großem Engagement in die Lesart gestartet ist, sagt sie: „Ich wollte die Autoren kennenlernen, die die Bücher meiner Kindheit geschrieben haben“, und bei vielen Autoren ist ihr das gelungen.

Für Renate Luxemburger gab es zwei Sternstunden in den vergangenen 25 Jahren: die Begegnung mit T. C. Boyle im Neckar Forum sowie mit der Nobelpreisträgerin Herta Müller als herausragender Gast der Lesart.

Zur Feier ihres Erfolgs und zum 25. Bestehen hat sich das Festival eine Jubiläumsfeier gegönnt und dafür das Alte Rathaus gemietet. Am kommenden Freitag, 1. November, beginnt um 14 Uhr die Kinderschreibwerkstatt mit Dirk Werner. Ein „Autormat“ liest nach Geldeinwurf Geschichten vor, die Stadtbücherei empfiehlt Literatur-Apps für Kinder. Um 17 Uhr beginnen die Lyrik-Duette von Andreas Roos, unter anderem mit Dirk Werner und Silke Laufs. Von 19 Uhr an sprechen Lukas Bärfuß und Ernst-Wilhelm Händler über die Literatur des 21. Jahrhunderts. Um 21 Uhr beginnt ein Konzert mit Jens Thomas, der Goethes Gesang der Geister vertont hat. Am Samstag stellt Paul Maar um 10.30 Uhr sein neues Kinderbuch vor: „Das schiefe Märchen Trio“.

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