Esslingen Beethoven prägt nach wie vor die Musikwelt

Von Jürgen Veit 

Beim   Podium-Festival in Esslingen widmen sich junge Künstler  bevorzugt  neuen  und innovativen Formaten  zur Vermittlung klassischer Musik. Foto: Horst Rudel/Archiv
Beim Podium-Festival in Esslingen widmen sich junge Künstler bevorzugt neuen und innovativen Formaten zur Vermittlung klassischer Musik. Foto: Horst Rudel/Archiv

Die Bundeskulturstiftung fördert das vom Podium Esslingen initiierte Projekt #bebeethoven mit 1,5 Millionen Euro. Es ist auf drei Jahre angelegt und bietet jungen Künstlern der klassischen Musik die Möglichkeit, eigene Formate zu entwickeln.

Esslingen - Zwölf junge Künstlerinnen und Künstler können sich in den kommenden drei Jahren ganz den grundlegenden Fragen und Strukturen des Musikschaffens widmen. Sie dürfen sich mit von ihnen zu entwickelnden Formaten bei dem Projekt #bebeethoven einbringen, das vom Podium Esslingen initiiert wird. Unterstützt wird das Fellowship-Programm anlässlich des 250. Geburtstages von Ludwig van Beethoven (1770 – 1827) mit 1,5 Millionen Euro von der Kulturstiftung des Bundes. Weitere 200 000 Euro steuern das Land Baden-Württemberg, die Baden-Württemberg Stiftung und die L-Bank bei. Am Samstag ist das Projekt in Esslingen vorgestellt worden.

Es bedarf neuer künstlerischer Ideen und Ansätze

Beethoven gilt als einer der innovativsten Komponisten, der seine Epoche wie kein anderer Musiker beeinflusst hat. Laut Steven Walter, dem Leiter des Podium Esslingen hat Beethoven in höchstem Maße das Künstlerbild nachfolgender Generationen geprägt. Das auf drei Jahre ausgelegte Projekt #bebeethoven knüpfe an die Eigenschaften und Positionen dieser historischen Figur an. Walter zufolge sollen die zwölf sogenannten Fellows künstlerisch-experimentell zentrale Handlungsfelder des Musikschaffens im Sinne Beethovens erforschen – in unterschiedlichen Bereichen wie Komposition, Konzertdesign, Interpretation, Performance, Outernational sowie Musik und Technologie. Die jungen Künstler erprobten beispielsweise den Umgang mit neuen Technologien, setzten sich mit der Entwicklung ästhetischer Innovationen und der Erweiterung der Interpretationspraxis auseinander und entwickelten zukunftsweisende Konzertformate. Denn in einer Zeit großer technologischer, kultureller und gesellschaftlicher Umwälzungen bedürfe es auch im weiten Bereich der „Kunstmusik“ völlig neuer künstlerischer Ideen, Ansätze und Formate, so der Cellist Steven Walter.

Wie wird komponiert? Wie interagieren Musik und neue Technologien? Was wird aus der klassischen Musik in einer globalisierten Welt? Wie sieht das Musikschaffen in Zukunft aus? Was ist das musikalisch Radikale im 21. Jahrhundert? Das sind die Fragen, denen das Projekt #bebeethoven auf den Grund gehen will. Die Produktionen, die darauf Antworten geben sollen, werden an sechs verschiedenen Partnerorten des Podiums mit regelmäßigen Auftritten der Künstlerinnen und Künstler sowie kontinuierlich im Internet vorgestellt. „Und natürlich auch beim Podium Festival in Esslingen“, verspricht Steven Walter. Die endgültigen Ergebnisse seien dann beim großen Abschlussfestival in Esslingen und in der Beethovenstadt Bonn 2020 zu hören und zu sehen – in jenem Jahr, in dem der 250. Geburtstag des großen Komponisten gefeiert wird.

Das Projekt schlägt einen Bogen hin zu zeitgenössischer Musik

Das Beethoven-Haus in Bonn ist ein ideeller Unterstützer von #bebeethoven. Dessen Direktor Malte Boecker ist überzeugt davon, dass das Podium-Projekt einen Bogen von der klassischen hin zur zeitgenössischen Musik schlägt. Er hofft, dass es eine Antwort darauf geben kann, „in welchen Formaten wir klassische Musik künftig denken müssen“.

Mit einer Summe von 1,5 Millionen Euro sei das Projekt #bebeethoven eines der größten, das die Kulturstiftung des Bundes im Musikbereich fördert, sagte deren Vorstandsmitglied und Verwaltungsdirektor Alexander Fahrenholtz. Auf die Frage der Moderatorin, ob er selbst klassische Musik von Ludwig van Beethoven spiele, erklärte er, er habe einst eines seiner Stücke auf dem Cello gespielt. „Aber das ist nichts, was man hier verbreiten sollte“, fügte er lachend hinzu.

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