Als Lastentiere werden Esel nur noch selten genutzt. Foto: dpa

Zumindest im Drogenbusiness sind die Balkanesel als Lasttiere noch immer gefragt. Aber was passiert, wenn sie erwischt werden?

Podgorica - Die Zeiten, in denen Heerscharen von Eseln über Stock, karges Gestein und durch enge Gassen trotteten, sind auf dem Balkan längst vorbei. Straßen wurden ausgebaut, und Traktoren und Lastwagen haben die Balkanesel als Lastenträger weitgehend überflüssig gemacht. Selbst im bergigen Montenegro finden sich nur noch 150 der genügsamen Kletterspezialisten.   Dort weiß zumindest die Unterwelt die Qualitäten der Tiere noch zu schätzen. Vor allem im albanisch-montenegrinischen Grenzgebiet machen sich Schmuggler deren Orientierungssinn zu Nutze, um das eigene Berufsrisiko zu minimieren: Alleine suchen die mit albanischem Cannabis beladenen Vierbeiner den Weg zum heimischen Stall – und über die unwegsame grüne Grenze.

Montenegros Polizei schweigt auffällig

Hin und wieder werden selbst die Packesel bei ihren Schmugglertouren erwischt. Vielleicht ist es das orthodoxe Weihnachtsfest, das die montenegrinische Zeitung „Vijesti“ ausgerechnet nun nach dem Schicksal der Krippentiere forschen ließ, die auf kriminelle Abwege geraten sind. „Wo enden die Esel, mit denen Drogen geschmuggelt wurden?“, titelte aufgeregt die Zeitung – um die recherchierte Antwort in der Unterzeile gleich mitzuliefern: „Das Schicksal der Tiere ist unbekannt.“   Da Drogenesel kaum Grenzübergänge zu nutzen pflegen, fällt Montenegros Zollamt die Antwort auf die Nachfrage der Journalisten leicht: In den vergangenen Jahren hätten die Zöllner keine von Tieren geschmuggelte Drogen beschlagnahmt. Falls doch Esel gefasst werden sollten, habe das Veterinäramt über eine eventuelle Quarantäne „und weitere Maßnahmen“ zu entscheiden. Montenegros Polizei, die mehrmals stolz Cannabissäcke präsentiert hat, die auf Eselsrücken transportiert worden waren, schweigt hingegen auffällig.   Werden die straffälligen Esel einfach laufen gelassen oder gar geschlachtet?  Darko Saveljic, Betreiber einer Eselsfarm in der Nähe der Hauptstadt Podgorica, hat den biblischen Lastenträgern bereits Asyl angeboten. Da sie von Albanien aus allein über die Grenze trotteten, müsse es sich um heimische Esel auf dem Weg „nach Hause“ handeln. Seine Farm bemühe sich, den Balkanesel vor dem Aussterben zu bewahren: „Denn er ist Teil der montenegrinischen Natur und ein Kulturgut.“   

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