Bosch startet mit dem eScooter-Sharingdienst Coup. Für potenzielle Nutzer stehen dafür in Berlin 200 vernetzte, rein elektrisch angetriebene Roller von Gogoro, einem führenden Hersteller von Elektrorollern, zur Verfügung. Foto: Bosch (3), Thomas Bauer

Der weltgrößte Autozulieferer Bosch ist künftig auch Mobilitätsdienstleister. Unter dem Namen „Coup“ verleiht Bosch künftig Elektroroller. Zum Start sollen 200 Roller zur Verfügung stehen. Je nach Erfolg soll der Dienst ausgebaut werden.

Berlin/Stuttgart - Bosch verdient nicht nur Geld als Zulieferer von Fahrzeugteilen, sondern bietet künftig auch einen Sharing Service für elektrisch angetriebene Roller an. In Berlin startet Bosch jetzt den eScooter-Sharingdienst Coup – also ähnlich dem Carsharing, aber eben im Zweiradmodus. Über die 100-prozentige Bosch-Tochter Coup können Nutzer jetzt den nächstgelegenen Elektroroller orten, reservieren und losfahren und am Fahrtziel innerhalb der Innenstadt an einer beliebigen Stelle wieder abstellen. Zum Start stehen in Berlin 200 vernetzte, rein elektrisch angetriebene Roller von Gogoro, einem führenden Hersteller von Elektrorollern, zur Verfügung. „Mit Coup steigt Bosch erstmals in ein reines Endkunden- und Betreibergeschäft im Mobilitätssektor ein und schafft eine neue eigenständige Marke“, sagt der zuständige Bosch-Geschäftsführer Markus Heyn.

Gestartet wird per Smartphone

Die Elektroroller haben eine Reichweite von rund 100 Kilometern und eine Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern, so dass sie von allen Pkw- und Zweirad-Führerscheininhabern ab 21 Jahren genutzt werden können. Ums Aufladen muss sich der Kunde nicht kümmern, das macht Coup. Zentrales Steuerungselement ist die zughörige App, darüber lassen sich die Elektroroller finden, reservieren und bezahlen – Flatrate-Tarife mit drei Euro für 30 Minuten oder 20 Euro für den ganzen Tag. Gestartet wird per Smartphone, das über Bluetooth mit dem Elektroroller verbunden ist. Das Helmfach wird ebenso geöffnet.

Bosch begründet den Start seiner ersten eigenen Shared-Mobility-Plattform mit dem Wandel der Mobilitätsansprüche und -bedarfe. Bosch wolle diesen Wandel mit eigenen Mobilitäts- und Servicelösungen mitgestalten, sagt Heyn. Vor allem junge Menschen wollten mobil und flexibel sein – ohne dass es zwingend ein eigenes Fahrzeug sein müsse. Staus und Parkplatznot, aber auch der Wunsch nach individueller Mobilität prägten den Verkehr in Großstädten. „Coup will helfen, die Herausforderungen urbaner Mobilität zu meistern“, beschreibt es Heyn.

Ein weiterer Mosaikstein

Bosch habe bereits Lösungen für vernetztes Parkraum-Management, für ein cloud-basiertes Flottenmanagement und beispielsweise den app-basierten Mobilitätsassistenten zur multimedialen Nutzung verschiedener Verkehrsmittel entwickelt. Der neue Dienst sei ein weiterer Mosaikstein im Unternehmensbereich Mobility Solutions, heißt es bei Bosch.

Carsharing – also dass man sich Autos teilt – gibt es schon im großen Stil. Schätzungen zu folge gibt es mittlerweile in Deutschland insgesamt rund 150 Carsharing Anbieter, bei denen über 1,26 Millionen Bundesbürger registriert sind. Darunter etwa Daimler mit car2go oder beispielsweise BMW mit DriveNow. Der Technologiekonzern Bosch, der auch bei Zweirädern wie Motorrädern oder beispielsweise E-Bikes als Zulieferer eine starke Stellung hat, setzt bei seiner Plattform nun auf Elektroroller und arbeitet dabei mit Gogoro und BCG Digital Ventures zusammen, einer Tochter von Boston Consulting.

Der Tesla unter den Elektrorollern

Der taiwanesische Roller-Hersteller Gogoro wurde 2011 von zwei ehemaligen Mitarbeitern des Smartphone-Herstellers HTC gegründet und wird von manchen Elektromobilitätsexperten als der „Tesla unter den Elektrorollern“ bezeichnet. Laut Bosch hat sich das asiatische Start-up schnell zur weltweit führenden Marke für vernetzte und elektrisch angetriebene eScooter entwickelt. Über Coup seien diese Roller nun auch auf europäischen Straßen verfügbar.

Aufbau und Betrieb der Sharing-Plattform seien in enger strategischer Zusammenarbeit mit BCG Digital Ventures erfolgt, heißt es bei Bosch. Man gehe mit einer Basisversion schnell in den Markt, um den Service dann gemeinsam mit den Nutzern durch Test-und-Lern-Methoden weiterzuentwickeln, sagt Mat Schubert, Geschäftsführer der Coup Mobility GmbH und bei Bosch für das Projekt Mobility Services verantwortlich. „In naher Zukunft werden wir sehen, in welchen Stadtgebieten die Nachfrage am größten ist. Auf dieser Basis werden wir unseren Service sukzessive ausbauen“, so Schubert.

Leih-Elektro-Roller gibt es bereits in Berlin – etwa über die Plattform eMio, die mit mehr als 150 Rollern im Stadtgebiet unterwegs ist.

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