Sophie Michalk, Philine Jacques, Mischa Lutz, Nih Pham (von links) und Seraphina Lehrer (stehend) haben sich gegenseitig eingeschätzt Foto: Fritzsche

Schüler des Eschbachgymnasiums haben sich bei einem Berufswahltest gegenseitig eingeschätzt.

Freiberg - Den richtigen Beruf für sich zu finden, ist keine einfache Entscheidung. Das Eschbachgymnasium hat nun erstmals den sogenannten „Berufnavigator“ für rund 70 Schüler der zehnten Klassenstufe angeboten. Das Besondere an dieser Form der Berufsinformation: Die Schüler erhalten ein Profil ihrer Stärken. Diese wiederum werden von ihren Freunden und Mitschülern eingeschätzt. Aufgrund des Stärkeprofils wird ein Berufsprofil erstellt. „Heute reicht es längst nicht mehr, die Schüler zum Abitur zu bringen“, sagt Hans Rehberger, der am Eschbachgymnasium Deutsch und Geschichte unterrichtet und außerdem für die Berufsinformationsthemen zuständig ist. „Wir müssen uns auch überlegen, welche Fähigkeiten und welches Sozialverhalten sie brauchen, um in der Berufswelt Fuß zu fassen.“

Die Entscheidung, mit dem Berufsnavigator eine neue Art der Berufsinformation an die Schule zu bringen, sei leicht gefallen: „Es erscheint einleuchtend, dass niemand die Schüler besser kennt als ihre Freunde“, sagt Rehberger. Bisher sei es ein Manko in der Berufsberatung, dass die Berater die Schüler nicht kennen, und deshalb nicht wissen können, welche Talente sie haben. Auf der anderen Seite schätzen Schüler sich selbst oft falsch ein – „oft sogar viel kritischer, als die Freunde es tun“, weiß Rehberger. Beim Berufsnavigator haben die Schüler sich gegenseitig anonym eingeschätzt, anschließend wurden ihnen aufgrund ihres Stärkeprofils verschiedene Berufe empfohlen.

Berufsnavigator bringt Bestätigungen und neue Erkenntnisse

„Meine Stärken sind Kreativität, Einfühlungsvermögen und Organisation“, sagt die 17-jährige Philine Jacques. Die Zehntklässlerin zeichnet gerne, hatte ihre kreative Stärke auch zuvor bereits gekannt. „Die Beraterin hat mir Grafikdesign, Medien- oder Kommunikationsdesign empfohlen“, berichtet sie weiter. Das ist genau die Richtung, in die sie sich bereits selbst orientiert hatte. „Trotzdem war es gut, bestätigt zu bekommen, dass ich richtig liege“, sagt sie. Mischa Lutz, 16, hat sich noch nicht entschieden, welchen Beruf er einmal ergreifen will. Zu seinen Stärken gehört logisches Denken. Empfohlen worden sind ihm Ingenieursberufe – und Botschafter. „Botschafter möchte ich nicht werden“, sagt er. „Aber es ist gut zu wissen, welche Berufe zu mir passen.“ Für Nih Pham, 15, hat der Berufsnavigator durchaus Überraschungen gebracht: Ihr Stärkeprofil listet Selbstbewusstsein, Organisationstalent und Teamfähigkeit auf, ihr dazugehöriges Berufsprofil umfasst Medizin, Jura und Management. „Vorher hatte ich mir noch keine Gedanken darüber gemacht, aber im Gesundheitswesen zu arbeiten, kann ich mir sehr gut vorstellen“, sagt Nih. „Vielleicht in Verbindung mit Management.“ Das Eschbachgymnasium ist die erste Schule in Süddeutschland, in der der Berufsnavigator-Test durchgeführt worden ist. Der Schulleiter Christoph Zauner ist mit den Rückmeldungen der Schüler zufrieden. „Man darf nicht vergessen: bei G8 entfällt ein weiteres Jahr zur Berufsorientierung“, sagt er. Im nächsten Jahr möchte die Schule den Test wieder anbieten. Dafür werden noch Sponsoren gesucht.

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