Alles wie gewohnt am Bodensee: Sein Wasser bekommt er aus dem Rhein, nicht aus Stuttgart-Vaihingen. Foto: dpa

Stuttgart bekommt Wasser aus dem Bodensee. Die Botschaft, dass es anders herum fließe, war ein kleiner Scherz – allein dem 1. April geschuldet.

Stuttgart - Vielleicht muss man nur oft genug an dem Gebäude Hauptstraße 163 am Ortseingang von Stuttgart-Vaihingen vorbeifahren. Spätestens wenn man zum 500. Mal „Bodensee-Wasserversorgung“ liest, beginnt man sich zu fragen: Wer versorgt hier eigentlich wen? Bekommt der südliche Teil der Landeshauptstadt wirklich das Trinkwasser vom Bodensee? Oder läuft die Sache in Wahrheit nicht anders herum?

Zum 1. April, haben wir uns gedacht, stellen die Welt mal auf den Kopf und versorgen von Stuttgart-Vaihingen aus den Bodensee mit Wasser. Ohne die schwäbische Sparsamkeit der Menschen im äußersten Süden der Stadt, so unsere steile These, säße der Bodensee längst auf dem Trockenen und wäre kaum größer als der Max-Eyth-See bei Hofen.

Bei Stuggi.TV endet der Aprilscherz nicht am 1. April

Zu gern hätten wir diesen Blödsinn im Lokalteil der Zeitung verbreitet. Da der 1. April in diesem Jahr aber auf den (zeitungslosen) Ostersonntag fiel, mussten wir auf ein anderes Medium zurückgreifen: Mit freundlicher Unterstützung der Kollegen des Online-Senders Stuggi.TV drehten wir ein Video. Papier mag geduldig sein, das Internet ist flexibler. Sonntagfrüh stellten wird unser Aprilscherz-Video ins Netz (Auf der Homepage von www.stuggi.tv kann man es übrigens auch noch nach dem 1. April anschauen).

Das Schönste an so einer spinnerten Idee ist: Man kann sie problemlos weiterspinnen. Nur mal angenommen, die Vaihinger kämen auf die Idee, dem Bodensee das Wasser abzugraben. Dann würde der Touristenmagnet Rheinfall zum echten Reinfall, und die Schifffahrt auf dem Rhein, dem verkehrsreichsten Fluss der Welt, käme zum Erliegen. Die Folgen wären verheerend: In dem Fall müssten noch mehr Güter auf Lastwagen umgeladen werden und der Stau in Stuttgart würde noch länger, erläutert Maria Quignon in unseremVideo .

Die Sprecherin des Zweckverbands ist garantiert echt

Nur, weil wir das seit Sonntag schon öfter gefragt wurden: Jawohl, Frau Quignon ist die echte Sprecherin des Zweckverbands Bodensee-Wasserversorgung. Wir finden es großartig, dass sie den Spaß mitgemacht hat. Nur ein Profi wirkt vor dem Mikrofon so authentisch.

Die Netz-Gemeinde nahm unseren kleinen April-Scherz mit Humor. Der Kreis derer, die sich beschwerten, wie man an einem Feiertag einen Beitrag über die Bodensee-Wasserversorgung veröffentlichen könne, hielt sich in überschaubaren Grenzen.

Vor allem etliche Bürgerinnen und Bürger aus Stuttgart-Vaihingen ließen sich von der Vorstellung, dass der Bodensee am Tropf von Stuttgart hängt, geradezu berauschen. Frau Friederike K. schrieb auf Facebook: „Ich spare mir schon seit Tagen das Wasser vom Munde ab und trinke nur noch Tee. Weiß schon jemand, wann man mal wieder duschen darf?“ Frau Gabriele L. wusste von Auswirkungen aufs heimische Tierleben zu berichten: „In Vaihingen gibt es mittlerweile Frösche, die haben das Schwimmen verlernt. Kein Wasser. Nirgendwo.“

Das Wasser fließt sogar bis an den Rand des Odenwalds

Nicht schlecht die Behauptung von Matthias B.: „Wenn sich das Wasser bei euch mal, nachdem ihr es durch den Rheinfall geschickt habt, verletzt hat, dann kommt es hier zu uns zum Verbinden.“ Der Herr spricht – Obacht, Klauer! – für den Wasserverband Hessisches Ried.

Übrigens: Bei seiner humoristischen Quellenforschung bei der Bodensee-Wasserversorgung in Vaihingen hat der Berichterstatter auch was von Gehalt mitbekommen. Bisher war er davon ausgegangen, dass das Trinkwasser vom Bodensee gerade mal bis zur Landeshauptstadt gelangt. In Wahrheit erreicht es rund vier Millionen Menschen im Land und läuft bis an den Südrand des Odenwalds. Bis zu einer Woche, erfuhr er von Pressesprecherin Quignon, sei das Bodenseewasser dann unterwegs. Ist doch immer wieder schön, wenn man bei einer Narretei auch was fürs Leben lernt.

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