Wenn sich Kinder auch bei Großeltern geborgen fühlen, ist das immer von Vorteil für die ganze Familie. Foto: dpa/Christoph Soeder

Wenn sich Opa und Oma um ihre Enkel kümmern, wirkt dies wie eine heile Familienwelt. Doch eine Studie lässt Zweifel daran aufkommen, ob Kinder auch gesundheitlich davon profitieren.

Das Forscherteam um Mara Barschkett von der Universität Bonn hat für seine Studie eine Befragung an 8800 Müttern und Vätern ausgewertet. Man hatte sie zwischen 2009 und 2020 wiederholt interviewt, beispielsweise zu ihrer eigenen Lebenszufriedenheit, aber auch zum Gesundheitszustand der Kinder.

 

Es zeigte sich, dass gerade die Mütter von der Kinderbetreuung durch die Großeltern profitierten. Ihr Zufriedenheitswert mit der Freizeit lag um 11 Prozent höher als der Durchschnittswert. In puncto Kinderbetreuung war der Wert um 9 und in puncto eigener beruflicher Situation um 7 Prozent höher.

Mütter profitieren am meisten von der Hilfe der Großeltern

Die Männer waren mit der Kinderbetreuung sogar um 19 Prozent zufriedener, während sich in anderen Bereichen keinerlei Verbesserungen ergaben, wenn sich die Großeltern um die Kinder kümmerten. Insgesamt kommen die Forscher zu dem Schluss, „dass die Großelternregelung für die Elterngeneration von Vorteil ist, insbesondere für Mütter“. Und dies sei ja auch nachvollziehbar, insofern Mütter nach wie vor meist die Hauptbezugspersonen für die Kinder sind: Sie profitieren also am meisten davon, wenn ihnen die Großeltern einen Teil der Kinderbetreuung abnehmen.

Die Kinder – insbesondere im Grundschulalter – scheinen jedoch keinen Gewinn zu haben. Ihre Gesundheit wurde von den Eltern um rund 8 Prozent negativer eingeschätzt, sofern Opa und Oma in ihre Betreuung involviert waren. Vermutlich deshalb, so die Vermutung der Forscher, „weil sie dann weniger an den Bewegungs-, Spiel und Förderangeboten teilnehmen“. Mit entsprechenden Negativfolgen für die Gesundheit.

Bei den Eltern komme es zu einer deutlichen Stress-Entlastung

Roswitha Sommer-Himmel von der Evangelischen Hochschule in Nürnberg möchte diesen Befund jedoch relativieren: „Er ließe sich auch dadurch erklären, dass für gesundheitlich angeschlagene Kinder häufiger die Betreuung durch die Großeltern in Anspruch genommen wird.“ In diesem Falle wäre dann die schwächere Gesundheit der Kinder nicht die Folge, sondern umgekehrt die Ursache dafür, dass Opa und Oma öfter bei ihnen sind. Ganz zu schweigen davon, dass die Kindergesundheit in der Studie lediglich von den Eltern eingeschätzt wurde. „Es wurden weder Ärzte noch die Kinder dazu befragt, und das birgt natürlich auch die eine oder andere Fehlerquelle“, betont Sommer-Himmel.

Demgegenüber ist die Pädagogin – nicht zuletzt aufgrund ihrer eigenen Forschung zu dem Thema – davon überzeugt, dass von der Kinderbetreuung durch die Großeltern alle Beteiligten profitieren: „Vorausgesetzt, sie erfolgt freiwillig und wird nicht aus einer Notsituation geboren.“ Bei den Eltern komme es zu einer deutlichen Stress-Entlastung, sie könnten sich um Dinge kümmern, die ihnen wichtig sind, ohne gleichzeitig für die Kinder da sein zu müssen. „Denn die sind ja in guten Händen und bei einem Menschen, dem man vertrauen kann“, erläutert Sommer-Himmel.

Viele wachsen in einer kleinen Kernfamilie auf

Die Kinder profitieren, weil sich ihre Familienwelt erweitert. Was gerade in Deutschland vor dem Hintergrund wichtig ist, dass immer mehr Kinder nur mit einem Elternteil und nur mit wenigen oder gar keinen Geschwistern, also in einer recht kleinen Kernfamilie aufwachsen. Den oft zu hörenden Einwand, wonach Opa und Oma ihre Enkel oft verwöhnen würden, hält Sommer-Himmel für eine einseitige Betrachtungsweise: „Das kommt vor, doch es gibt auch das Gegenteil, dass die Großeltern besonders streng sind. Das muss einfach vorher abgesprochen werden, um sich auf eine gemeinsame erzieherische Linie zu einigen.“

Großeltern profitieren von der Betreuung ihrer Enkel, weil es sie weiterhin am Leben beteiligt und körperlich wie auch geistig fit hält. Dies bestätigt eine aktuelle Studie, die an knapp 3000 englischen Großeltern durchgeführt wurde. Hier schnitten jene bei Gedächtnisübungen und sprachlichen Tests deutlich besser ab, die sich um ihre Enkel kümmerten. Und das war unabhängig davon, wie oft sie sich kümmerten und welche Aufgaben sie dabei konkret übernahmen. „Offenbar ist für die kognitiven Funktionen der Senioren wichtiger, dass sie überhaupt in die Betreuung eingebunden werden“, resümiert Studienleiterin Flavia Chereches von der Tilburg University in den Niederlanden.

Sommer-Himmel betont in diesem Zusammenhang, wie vielfältig die kognitiven Beanspruchungen beim Betreuen der Enkel sind: „Nicht nur, dass sie dauernd Fragen stellen. Sie bringen auch ihre Großeltern immer wieder in neue Situationen und in Kontakt mit anderen Menschen.“ Der kognitive Trainingseffekt dieser Reize könne gar nicht genug gewürdigt werden.