Busfahrscheine als historische Dokumente? Warum nicht. Im Böblinger Rathaus ist ein besonderes Ticket gelandet, wie wir in unserer Humor-Kolumne berichten.
Historische Zeitdokumente sind in diesen Tagen gefragt, feiert doch der halbe Landkreis Böblingen 750- oder 950-Jahr-Jubiläum. Vergilbte Urkunden aus grauer Vorzeit belegen die erste Nennung – das darf dann auch ausgiebig gefeiert werden.
In der jüngeren Vergangenheit ändert sich die Art der Zeitdokumente. Klar, Verträge, Dokumente und Schriften gibt es immer noch. Aber zum Beispiel könnte auch ein Handtuch als Zeitdokument taugen, mit dem sich ein Rockstar in der 2008 abgerissenen Böblinger Sporthalle den Schweiß von der Stirn abwischte. Oder ein Schraubenzieher, der die 500 000. S-Klasse im Sindelfinger Mercedes-Werk vollendete. Oder ein gelber Bauhelm, der derzeit auf einer der unzähligen Böblinger Baustellen getragen wird.
Oder auch das erste Exemplar des Stadttickets für den öffentlichen Nahverkehr in Böblingen und Sindelfingen. Lässt sich nicht mehr auftreiben? Von wegen! Der 91-jährige Manfred Jahn kam zuletzt in die Bürgersprechstunde von Böblingens Oberbürgermeister Stefan Belz und brachte genau so einen Ticket mit: einen nicht entwerteten Fahrschein aus dem Jahr 2019, als das Stadtticket gestartet wurde.
Wie kommt’s? Manfred Jahn war über 40 Jahre lang beim Busunternehmen Pflieger beschäftigt und immer nah dran am ÖPNV. Und zudem interessiert den Böblinger auch stets, was in seiner Stadt passiert. Er begleitete Fahrten zu Veranstaltungen in den Partnerstädten Alba, Pontoise und Glenrothes. Das mitgebrachte Ticket soll nun Teil der Stadtgeschichte werden – „als kleiner Beleg dafür, wie wir in Böblingen konkrete Schritte für eine klimagerechte Mobilität gegangen sind“, wie es Stefan Belz beim Zusammentreffen formulierte.
Das Stadtarchiv Böblingen jedenfalls hat großes Interesse daran, den Fahrschein als Zeitdokument zu archivieren. Bereits in früheren Ausstellungen – wie zur Geschichte des Klimawandels in Böblingen – wurden historische Tickets als aussagekräftige Alltagsobjekte präsentiert. So können folgende Generationen einmal staunen und sich vielleicht auch wundern, was es seinerzeit in Böblingen so alles gab. Für drei Euro (inzwischen 3,80 Euro) den ganzen Tag durch Böblingen und Sindelfingen – los geht’s.