Das erste Böblinger Stadtforum hat begonnen. An drei Standorten sind Ausstellungen zum Thema Klimawandel zu sehen. Wie das neue Veranstaltungsformat die Erwartung erfüllen soll, das Thema in der Stadtgesellschaft zu diskutieren, bleibt allerdings unklar.
Die Wände im Erdgeschoss der Zehntscheuer sind voll – voll von Geschichten, kleinen Bildern, Informationen, Anekdoten und Einordnungen. In diesem Teil der Ausstellung, die sich auf drei Standorte verteilt, geht es um das Thema „Ernährung“.
Die Geschichte des Böblinger Lebensmittelhändlers Klett ist genauso vertreten wie die des Hotel-Restaurants Reussenstein und der Brauerei Dinkelaker. Es geht um Landwirtschaft, Wetterkapriolen, Fleischkonsum und Kolonialwarenläden – der Betrachter hat es bei dieser Informationsflut nicht leicht, sich in den umfangreichen und textlastigen Darstellungen zurechtzufinden.
Nur wer die Vergangenheit kennt...
Inmitten der akkurat gestalteten Schautafeln steht Stefan Belz am Rednerpult und spricht zur Eröffnung des ersten Stadtforums. „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Gegenwart verstehen und die Zukunft gestalten“, bemüht der Oberbürgermeister ein häufig verwendetes Zitat, das dem sozialdemokratischen Politiker August Bebel zugeschrieben wird. Das Stadtforum solle als Plattform dienen, die Böblinger Identität zu stärken. Die Devise laute: Mitmachen, mitdenken, mitreden. Den Klimawandel habe man als Oberthema gewählt, „weil der Klimawandel unsere Zukunft mitbestimmen wird“, so Belz, „er ist eines der Megathemen unserer Zeit.“
Kulturamtsleiter Sven Reisch, der das Projekt samt Oberthema von seinem Vorgänger Peter Conzelmann geerbt hat, erinnert in seiner langen Eröffnungsrede an das antike „Stadtforum“ als Mitte der demokratischen Gesellschaft. Er sagt, das erste Böblinger Stadtforum sei „mehr Fragzeichen als Punkt“. Besucher seien eingeladen, Leerstellen zu finden und zudem könne man in einen Austausch über den Ort des Stadtforums eintreten. Sowieso sei der Diskurs wichtig und notwendig – gerade beim Thema Klimawandel. Die Bürger seien eingeladen, beim umfangreichen Begleitprogramm mitzumachen. „Probieren wir es doch einfach mal aus, es könnte ja funktionieren“, schließt Reisch seine Ansprache.
Lange Debatten, aber noch keine Lösung
Die Idee des Stadtforums war das erste Mal 2018 in einer Museumskonzeption aufgekommen, die die Stadt Böblingen in Auftrag gegeben hatte. Schon lange war man unzufrieden, dass die Stadtgeschichte keinen festen Platz hat, fand aber keine Lösung. Die Gutachter schlugen das „Stadtforum“ als Format vor, das gleichermaßen in die Vergangenheit wie in die Zukunft weisen sollte und das einen festen Standort haben könne, aber nicht zwingend müsse. 2022 hatte die Stadt dann die Möglichkeit präsentiert, in einem Bauernhaus in der Unteren Gasse eine Verbindung von Bauernkriegsmuseum, Stadtarchiv und Stadtforum zu schaffen. Bis Herbst 2025 soll eine Konzeption vorliegen.
Genau dieser Ort ist nun in die Dreifach-Ausstellung integriert, an kleinen Tafeln ist die Entwicklung des Phänomens Klimawandels abzulesen. Zudem werden im Neuen Rathaus die Bereiche Verkehr, Müll, Wald und Wasser abgehandelt – zum Teil mit einem Blick in die Vergangenheit, zum Teil mit allgemeinen Informationen zu den unterschiedlichen Aspekten.
Viele Möglichkeiten, mitzumischen
Nachdem noch einige Poetry-Slammer aufgetreten sind, dürfen zum Schluss der Eröffnung die Ausstellungsmacherinnen ans Rednerpult: Lea Wegner, seit 2022 Leiterin des Bauernkriegsmuseums, und Tabea Scheible, seit 2020 Böblinger Stadtarchivarin. „Das Thema Klimawandel wird laut und polarisierend diskutiert“, sagt Wegner, „wir wollen aber niemanden anschuldigen, sondern Strukturen und Zusammenhänge aufzeigen.“ Man könne keine Lösung für den Klimawandel bieten, ergänzt Scheible, „aber wir wollen Hintergrundwissen vermitteln und Denkanstöße bieten – auch anhand vieler Beispiele aus der Stadtgeschichte.“
Vor rund einem Jahr hatte das Duo mit der Konzeption des Forums begonnen, im Frühjahr startete die konkrete Ausarbeitung. Neben der Dreifach-Ausstellung gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm, das zahlreiche Führungen im Böblinger Stadtgebiet beinhaltet.
Stadtforum
Ausstellung
Die Schau „Der Preis ist heiß“ läuft bis 19. Januar 2025. Es sind viele kleine Mitmachaktionen und spielerische Angebote für Kinder integriert.
Begleitprogramm
Es gibt viele Führungen, zum Beispiel zur Energieerzeugung oder zur Stadtplanung, zudem über den Wertstoffhof oder in der Schönbuch Braumanufaktur. Meistens ist eine Anmeldung erforderlich. Mehr Infos und Details gibt es unter https://stadtforum.boeblingen.de im Netz.