Der ursprünglich aus Asien stammende Japankäfer ist eine Bedrohung für viele Pflanzen. Nun ist er auch in den Landkreis Ludwigsburg eingeschleppt worden. Ein Fachmann glaubt nicht, dass die Ausbreitung noch zu stoppen ist.
Er ist nicht wählerisch, macht sich über Obstkulturen, Weinreben oder Mais her, doch auch Rosen und Bäume wie Ahorn, Birke und Linde sind nicht sicher vor ihm. Der Japankäfer frisst und frisst – bis nur noch die Gerippe der Blätter zurückbleiben. Die Pflanzen werden dadurch erheblich geschwächt oder sterben sogar ganz ab. Das ursprünglich aus Asien stammende Insekt hat damit das Zeug, zum Albtraum vieler Landwirte zu werden. Und die schlechte Nachricht ist: er ist nun auch im Landkreis Ludwigsburg angekommen.
Seit 2014 breitet sich der Japankäfer in Europa aus, insbesondere in der Lombardei in Italien und im Tessin in der Schweiz. Eine Population der kleinen Tiere war Ende Juni auch in Basel entdeckt worden und hat hierzulande die Alarmglocken schrillen lassen. Zudem bestehe das Risiko, dass die Käfer als blinde Passagiere mit dem Güter- oder Reiseverkehr aus einem 400 Kilometer entfernten Befallsgebiet in Norditalien eingeschleppt werden, teilt das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg mit. Der amtliche Pflanzenschutzdienst habe über Baden-Württemberg verteilt ein Überwachungsnetz aufgespannt und 82 Käfer-Fallen vor allem entlang der Hauptverkehrsadern und an Risikostandorten aufgestellt. So soll verhindert werden, dass sich die invasiven Insekten vermehren und dauerhaft Fuß fassen können.
In Freiburg und Kornwestheim hat die Falle nun zugeschnappt. In der badischen Metropole seien vier männliche Exemplare gefangen worden, in der Salamanderstadt eines, erklärt Frauke Rinke, Fachreferentin für Pflanzengesundheit am LTZ. Noch nie zuvor sei ein Japankäfer im Landkreis Ludwigsburg nachgewiesen worden. „Die Falle hatte in Kornwestheim in der Nähe des Güterverkehrsbahnhofs an einer Straße gestanden“, sagt sie.
Im Umkreis von ungefähr einem Kilometer um den Fundort seien nun zehn weitere der Trichter mit Gefäß aufgestellt worden, die mit einem Lockstoff versehen sind. So soll gewährleistet werden, dass nicht noch mehr Japankäfer den Weg nach Kornwestheim gefunden haben. Stand Ende vergangener Woche waren weder in Kornwestheim noch in Freiburg, wo das Überwachungsnetz ebenfalls verdichtet wurde, weitere der etwa einen Zentimeter großen Insekten aus der Familie der Blatthornkäfer festgestellt worden.
Für Arnold Staniczek ist es aber nur eine Frage der Zeit, bis sich die Tiere hierzulande flächendeckend ausgebreitet haben. Der Insektenspezialist vom Naturkundemuseum in Stuttgart schätzt, dass es in ungefähr zehn Jahren so weit sein wird. Man könne die Ansiedlung nur verlangsamen, aber nicht mehr stoppen. „Mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem sich ein Insekt hätte aufhalten lassen. Mich wundert es auch überhaupt nicht, dass der Japankäfer bei uns gefunden wurde. Das war längst überfällig“, sagt der Fachmann.
Einreise wohl als blinder Passagier
Das habe allerdings nichts mit dem Klimawandel zu tun. Verantwortlich sei eher der „ungebremste Warenverkehr“, sagt Staniczek. „Ich glaube nicht, dass der im Kreis Ludwigsburg gefundene Käfer aktiv dorthin geflogen ist, sondern quasi als blinder Passagier an Bord eines Zugs oder eines Autos dorthin gelangt ist“, erklärt er.
Der Experte geht davon aus, dass die Landwirtschaft früher oder später darunter leiden werde. Es seien mehr als 300 Pflanzenarten bekannt, die auf der Speisekarte des Japankäfers stünden. Das verschaffe ihm auch einen Vorteil gegenüber der einheimischen Konkurrenz, die oft auf einige wenige Gewächse spezialisiert sei.
Gleichwohl sieht Arnold Staniczek keinen Grund für eine Panikmache. Das liegt weniger an dem Umstand, dass beispielsweise in Italien Vögel oder Spinnen den einen oder anderen Japankäfer verschlingen, er also durchaus in Europa natürliche Fressfeinde hat. „Viel wichtiger als Regulativ gegen eine ungebremste Ausbreitung von Insekten sind andere Gegenspieler: Parasiten“, sagt der Fachmann vom Naturkundemuseum.
Fadenwürmer und Pilze könnten die im Boden lebenden Engerlinge der Japankäfer befallen. Eine erste Studie in Italien habe einen signifikanten Zuwachs an Fadenwürmern in einem Bereich ergeben, in dem sich der Japankäfer tummelte. Es werde zudem daran geforscht, Bakterien gegen die Insekten einzusetzen.
Einheimische Käfer werden wohl nicht verdrängt
Eine weitere gute Nachricht von der Wissenschaftsfront betrifft die einheimischen Blatthornkäfer. Die Untersuchung lege ebenfalls nahe, dass diese Arten dort, wo ihr eingewanderter, gefräßiger Vetter aus Asien auftaucht, nicht weniger häufiger aufgetreten seien als zuvor, berichtet Arnold Staniczek.
Nur ein Zentimeter groß, aber immer weiter auf dem Vormarsch
Verbreitung
Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft erklärt, dass der aus Asien stammende Japankäfer seit zehn Jahren in Europa auf dem Vormarsch ist, insbesondere in der Lombardei (Italien) und seit 2020 auch im Tessin (Schweiz). Neue Funde seien 2023 nördlich der Alpen und im Wallis verzeichnet worden. Im aktuellen Sommer wurde ein Ausbruch im grenznahen Basel registriert. Weltweit kommt der Käfer in Japan, China, Russland, den USA, Kanada, den Azoren und Indien vor.
Einfrieren
Er ist etwa einen Zentimeter groß, hat einen metallisch glänzenden grünen Kopf und braune Flügel. „Sein besonderes Merkmal sind fünf weiße Haarbüschel an jeder Hinterleibsseite und zwei weiße Haarbüschel am Ende des Hinterleibs“, teilt das Landwirtschaftliche Technologiezentrum (LTZ) mit. Wer einen der Käfer sieht, solle ihn fangen, einfrieren und fotografieren. Das Bild könne mit Angabe des Fundortes per E-Mail an Pflanzengesundheit-kaefer@ltz.bwl.de geschickt werden. Das LTZ werte die Einsendungen aus und ergreife „bei Bedarf weitere Maßnahmen“.