Die Polizeimeldung, dass bei einem Mercedes Bremsblöcke aus Holz gefunden wurden, beschäftigt die Region. Doch wie kurios ist das wirklich – und wie können sich Käufer schützen?
Es ist eine Polizeimeldung, über die selbst überregionale Medien wie Spiegel und FAZ berichten. Sogar die Kronen Zeitung aus Österreich hat sie aufgegriffen: „Luxus-Mercedes hatte Bremsklötze aus Holz“. Die Nachricht ist an Kuriosität kaum zu überbieten, in den Kommentarspalten der sozialen Medien fragen sich Nutzer ungläubig, ob sich die Polizei einen Aprilscherz erlaubt hat. Doch passiert so etwas wirklich so selten?
Rückblick: Ende Oktober holt ein Mitarbeiter den frisch ersteigerten Dienstwagen seiner Firma ab. Sein Unternehmen hatte den Mercedes GLE 400 für 100.000 Euro über eine Aktionsplattform gekauft. Auf der Fahrt bemerkt er, dass das Auto nicht bremst, und verständigt den Abschleppdienst und das Polizeirevier Vahingen/Enz.
„So was sieht man nicht alle Tage“
In der Werkstatt wird an beiden Felgen des SUVs Holzstaub festgestellt. Beim Abmontieren der Räder dann die Überraschung: Die vorderen Bremsklötze sind aus zugeschnittenem Holz. Auf einem der „Holzbremsklötze“ war mit schwarzem Filzstift „Brembo“ geschrieben worden. Ironischerweise ist Brembo der Name eines italienischen Automobilzulieferers, der zu den international bekanntesten Herstellern von Bremsanlagen für Kraftfahrzeuge gehört.
Das Polizeirevier Vaihingen schreibt bei seiner Meldung dazu: „So was sieht man nicht alle Tage“. Doch wie sieht es über den Kreis hinaus aus? Welche Erfahrungen macht der ADAC, der allein in Baden-Württemberg im vergangenen Jahr knapp 500.000 Mal Pannenhilfe geleistet hat?
„Der Einbau von Bremsbelägen aus Holz ist ein außergewöhnlicher Einzelfall, allerdings treten vergleichbare Fälle mit manipulierten, gefälschten oder minderwertigen Ersatzteilen immer wieder auf“, sagt Raphael Rohrwasser, Technik-Experte beim ADAC Württemberg. Unseriöse Anbieter würden damit Kosten sparen und Kunden täuschen wollen.
Auch im Kreis Ludwigsburg sind Mechaniker verwundert über die Verantwortungslosigkeit des Vorbesitzers. „Das ist nicht nur Betrug, da kann es zu Toten kommen“, sagt ein Marbacher Oldtimer-Restaurator. Er habe 25 Jahre im technischen Kundendienst bei Daimler gearbeitet, aber „so etwas habe ich in meiner beruflichen Laufbahn noch nie gesehen“.
Natürlich würde das Holz am Anfang bremsen, doch sobald die Bremsscheibe heiß werde, entstehe Kohlenstaub, der null Bremswirkung habe. Der Marbacher ist darüber hinaus überrascht über die Energie, die der Täter offensichtlich in die Apparatur gesteckt hat: Der Holzklotz muss schließlich die passende Form und Dicke haben, um ihn einsetzen zu können.
Hochwertige Autos sind häufiger betroffen
Häufiger davon betroffen sind hochwertige und teure Fahrzeuge, weil sich Fälschungen oder Manipulationen bei teuren Ersatzteilen wirtschaftlich eher lohnen, gibt der ADAC auf Anfrage bekannt. „Grundsätzlich kann es aber jedes Fahrzeug treffen“, so Rohrwasser. Zur Einordnung: Die Original Brembo Bremsbeläge kosten 75 Euro für die Vorderachse.
Der ADAC rät Verbrauchern, Ersatzteile nur aus vertrauenswürdigen Quellen zu beziehen, auf Qualitäts- und Prüfkennzeichnungen zu achten und sicherheitsrelevante Arbeiten ausschließlich von Fachbetrieben durchführen zu lassen. „Im Idealfall lässt man das Fahrzeug vor dem Kauf im Rahmen einer Gebrauchtwagenuntersuchung durch den ADAC oder anerkannte Prüforganisationen technisch auf Herz und Nieren überprüfen“, so Rohrwasser.
Die Polizei ermittelt nun wegen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr – auf den Verantwortlichen könnte eine Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe zukommen.