Erste Pläne für Werkstatt-Wiederaufbau El Palito erfährt nach dem Feuer große Solidarität

Von Ralf Recklies 

Am Samstag haben viele beim Aufräumen geholfen. Foto: Jacqueline Fritsch
Am Samstag haben viele beim Aufräumen geholfen. Foto: Jacqueline Fritsch

Das war bitter: Ende Mai ist die Werkstatt des Vereins El Palito in Stuttgart-Degerloch in Flammen aufgegangen. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Der Verein versucht nun, dem Schlimmen etwas Positives abzugewinnen.

Degerloch - Ein Brand hat Ende Mai die Werkstatt im Garten des Vereins El Palito auf dem Haigst zerstört. Die Ermittler haben nach Auskunft eines Polizeisprechers „noch keine heiße Spur, die zu den Tätern führt“, die das Feuer in den frühen Stunden des Sonntagmorgens gelegt haben. Dass die Werkstatt durch eine weggeworfene Kippe oder wegen eines technischen Defekts in Brand geraten ist, schließen die Ermittler nach dem Kenntnisstand des El-Palito-Vorstands Victor Fechter aus. „Mit relativer Sicherheit wird von Brandstiftung ausgegangen.“

Spuren des Feuers sollen bald verschwunden sein

Die Spuren des Feuers sollen laut Fechter schon bald verschwunden sein. „Wir versuchen von unserer Seite her jetzt einen Neuanfang und blicken nicht verbissen zurück“, sagt Fechter. Der Verein sehe den Schicksalsschlag auch als Chance, etwas Neues entstehen zu lassen. „Unsere Erfahrung ist, dass sich viele Menschen in der Folge des Brandes mit uns solidarisieren und uns helfen wollen, den Wiederaufbau zu schaffen“, sagt Fechter, der zu den Gründungsmitgliedern des Vereins El Palito gehört. Eine ganze Reihe von Leuten habe nicht nur angeboten, bei der Beseitigung des Brandschutts zu helfen, sondern sei auch aktiv geworden.

Über den gesamten Juni hinweg gab es bereits mehrere Aufräumtermine– nachdem das Gelände nach Abschluss der kriminalistischen Untersuchungen von der Polizei wieder freigegeben worden war. Zuletzt sind die Helfer am vergangenen Samstag aktiv gewesen.

Wo Altes verschwindet, kann Neues entstehen. Dies haben sich wohl auch zwei ausgebildete Architekten gedacht, die dem Verein laut Fechter spontan ihre Hilfe angeboten haben, um ein neues Werkstattgebäude in alternativer Bauweise zu erstellen. Auch Schreiner hätten bereits angefragt, ob sie mit anpacken könnten. Und eine Spende hat der Verein nach dem Bekanntwerden des Werkstattbrands erhalten. „Die Schräglage hat uns Baumaterial für den Wiederaufbau gespendet“, freut sich Fechter.

Der Verein hat gerade einmal 13 Mitglieder

Was genau an dem Ort entstehen soll, wo bisher die Werkstatt stand, ist in dem kleinen Verein mit gerade mal 13 festen Mitgliedern noch nicht beschlossen. „Nach dem nächsten Aufräumen werden wir mal schauen, was da passiert“, sagt Fechter. Was indes bereits feststeht: Am 22. Juli wird es in dem Garten ein Benefizkonzert mit einer Band aus Argentinien geben. „Und wir präsentieren uns nun auch mit einem Stand auf dem Sommerfest der Kulturen“, sagt Fechter. Dieses ist vom 1. Juli an sechs Tage lang auf dem Marktplatz der Landeshauptstadt. Der laut Fechter inklusive und partizipative Verein will dort auf seine Situation aufmerksam machen und neue Freunde gewinnen. Um Mitgliederwerbung im klassischen Sinne gehe es dabei nicht. „Jeder kann bei uns vorbeikommen und mitmachen, die Menschen, die zu uns kommen, sind großteils keine Mitglieder“, erklärt Fechter das Konzept. Der Zuspruch sei dabei natürlich saisonal sehr unterschiedlich.

Man unternimmt keine Detektivspiele

Wie der mögliche Wiederaufbau der Werkstatt gegebenenfalls finanziert wird, müsse auch noch besprochen werden. Hoffnung darauf, dass die Polizei irgendwann die Brandstifter findet, die dann in Regress genommen werden können, hat der dreiköpfige El-Palito-Vorstand aber laut Fechter nicht. Man verschwende jetzt aber auch keine Zeit darauf, „womöglich selbst Detektiv zu spielen, um diejenigen zu finden, die den Brand verursacht haben“, sagt Fechter. Wichtiger sei es nach vorne zu blicken und mit guten Ideen in die Zukunft zu gehen. Dass der Verein in der Folge des Brandes viel Unterstützung erfährt, sei toll und zeige: Ein Schicksalsschlag kann sich in etwas Positives verkehren. Da habe es wahrlich keinen Sinn, in der Starre zu verharren, „sondern wir müssen aktiv weiter machen“, resümiert Fechter.

Redaktion Degerloch

Ansprechpartner
Ralf Recklies
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